Krafttraining: Warum es beim Laufen so wichtig ist – aber ich mich weigere
Düsseldorf. Vor einigen Wochen plädierte unser Kolumnist Professor Dietrich Grönemeyer an dieser Stelle für das Krafttraining. Er hat mit allem recht. Wirklich. Und er ist weder der Einzige noch der Erste, der mit guten Argumenten die Vorzüge, gar die Notwendigkeit, für quasi jeden Menschen und gar Ausdauersportler preist.
Sie verfolgen mich, seit ich vor mehr als zehn Jahren die ersten Bücher und Ratgeber zum Training für Triathleten las: die Mahnungen, das Lauf- oder Radtraining unbedingt mit gezieltem Muskelaufbau durch Krafttraining zu begleiten.
Allein – mit großer Beharrlichkeit und einer geradezu lächerlich kurzzeitigen Unterbrechung meide ich jegliche Form von Krafttraining. Seit 2011 habe ich angefangen, Hex-Trainer, Spannseile, Gymnastikmatte und zuletzt Kurzhanteln anzuschaffen. Der Hex-Trainer ist verschenkt, die Spanngummis liegen auf dem Regal, die Gymnastikmatte ist eingerollt, und die Hantelgewichte geben gute Türstopper ab.
Jene kurzzeitige Unterbrechung sah mich im Fitnessstudio nah dem Büro, in dem ich 2018 für einige Monate nach der Rudermaschine zum Aufwärmen Bälle in die Höhe geworfen und nach Videovorlage am Kinesis-Gerät Übungen imitiert habe. Und ich habe jeden einzelnen Moment gehasst. Jeden. Alles daran. Die Geräte, die Luft, die Musik, die Atmosphäre. Die derzeit wieder grassierende #Lauchchallenge für daheim ruft zu Liegestützen auf. Nach der fünften gebe ich eine noch lächerlichere Figur ab als an Bondi Beach im ärmellosen Singlet.
Das hat natürlich Folgen. Das sagen zumindest alle. Lauf- und auch Radsport haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie zwar Muskeln benötigen, aber im Gegensatz zum Rudern oder Geräteturnen nicht gleichmäßig im ganzen Körper. Das führt dazu, dass Muskeln verkürzen. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit dank verkürzter hinterer Oberschenkelmuskulatur lässt sich noch beiseitewischen, wie sich auch das bisserl Holzkreuz ignorieren lässt.
Zweifelsfrei ärgerlicher wird es, wenn die ungleichmäßige Belastung in Verletzungen mündet. Die gängigsten Laufverletzungen (Knie, Shin Splints, Fersensporn und so weiter) sind in aller Regel Folge von Überlastungen. Die könnten mit gezieltem Muskelaufbau verhindert werden.
Und ganz fremd sind sie mir nicht, die Laufverletzungen. Den Fersensporn bekam ich mit Dehnen und einem Golfball, auf dem ich mit dem Fuß rollte, in den Griff. Meine (auf Außenstehende seltsam anmutende) Lauftechnik hat zumindest meine Knie bislang vor Schmerzen verschont.
Mangels Druck verweigere ich mich deshalb jeglichem Krafttraining. Denn es fehlt jede Motivation. Nicht einmal schillernde Wettbewerbe gibt es in der Muckibude – das Leiden an Langhantel und Kettleball bleibt applausfrei.
Motivation aber, den inneren Schweinehund zu überwinden, braucht es zwingend, um als Hobbysportler in Individualdisziplinen über Jahre dranzubleiben. Sonst wird es schwer, sich immer wieder aufzuraffen, um sich sportlich zu betätigen – auch bei widrigen Bedingungen oder schlichter Faulheit.
Gute Vorsätze nur in der Natur
Die Witze über Menschen, die sich zu Jahresbeginn dank guter Vorsätze im Fitnessstudio anmelden und dann recht rasch die Lust verlieren, sind alt. Denn allein mit dem Wunsch, mal was zu tun, werden die inneren Widerstände nicht überwunden. Es braucht – ob Yoga (das ist ganz schön anstrengend), Ausdauer- oder Kraftsport – den nachhaltigen Willen, den Sport zu verfolgen.
Für mich erledigt das die Natur. Im Freien zu laufen, die Jahreszeiten eng zu verfolgen, in Morgenstunden Ruhe im Ballungsraum zu erleben: Das sind Dinge, die starken Reiz auf mich ausüben und neben der Fitness meine Belohnung sind.
Krafttraining, allemal an Geräten, wäre Pflicht, ein Muss, ein Übel, das erledigt werden muss. Wie alle Pflichten (Staubsaugen, Fensterputzen, Steuererklärung) etwas, das Menschen meiden. Solange es gut geht, werde ich mich also drücken.
Außer, es findet sich eine Alternative. Der Herbst hat begonnen, die unmittelbare Vorbereitung auf Wettkämpfe ist noch lange hin, die Grundlage bilden steht jetzt im Vordergrund. Warum nicht mal den guten alten Trimm-dich-Pfad nutzen oder die benachbarte Boulder-Halle aufsuchen? Ganz ohne Kraft wird dort kein Läufer die Wände auch nur drei Meter hochklettern können. Hauptsache, es sieht nach Spaß und nicht nach Pflicht aus.
Erstpublikation: 10.10.2024, 19:07 Uhr.