1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. ThyssenKrupp: Die Politik duckt sich beim Stahlkonzern weg

ThyssenKruppDie Politik duckt sich beim Stahlkonzern weg

Das Chaos bei Thyssen-Krupp ist perfekt. Doch die Politik duckt sich bei dem so wichtigen Stahlunternehmen weg. In den nächsten zwei Wochen gäbe es die Gelegenheit, alles noch einmal zu ändern.Isabelle Wermke 30.08.2024 - 15:00 Uhr
Artikel anhören
Robert Habeck bei Thyssen-Krupp Steel. Foto: dpa

Es ist Ende Juli 2023. Wirtschaftsminister Robert Habeck übergibt in Duisburg feierlich einen Förderbescheid im Wert von zwei Milliarden Euro an die Stahltochter von Thyssen-Krupp. Nach zwei Jahren Wartezeit scheint der Schritt in Richtung grüne Transformation perfekt.

Ein Jahr später ist davon nur noch ein Scherbenhaufen übrig. Drei von fünf Stahlvorständen haben ihr Amt niedergelegt, darunter Stahlchef Bernhard Osburg. Und vier Aufsichtsräte. Dem voraus ging ein wochenlanger Streit um die Zukunft der Stahlproduktion, der beinahe täglich auf eine neue Stufe eskalierte. Zwischen Konzernchef Miguel López und seinen Arbeitnehmern herrscht eine in der Unternehmensgeschichte unvergleichbare Fehde. In all dem Chaos stellt sich eine Frage: Wo war die Politik bislang?

Es geht um zwei Milliarden Euro Steuergelder, rund 27.000 Arbeitsplätze und die Stahlproduktion in Deutschland, von der die Autoindustrie massiv abhängt. All das hat nicht ausgereicht, um der Bundes- und Landespolitik in den vergangenen Wochen eine Reaktion zu entlocken. Geschweige denn eine ernsthafte Intervention.

Die Politik sollte sich aus Unternehmensinterna heraushalten. Das ist ein berechtigtes Argument – hier passt es aber nicht. Denn es geht um mehr als um einen Konzern. Die Milliarden an Steuergeldern waren ein Versprechen an den Wasserstoffhochlauf in Deutschland. Thyssen-Krupp sollte bei der klimaneutralen Stahlerzeugung mit grünem Wasserstoff Vorreiter werden.

Das Vorhaben sollte dem Stahlstandort Deutschland seine Zukunft sichern. Was wird daraus, wenn der Konzern die Produktionskapazitäten in Duisburg immer weiter herunterfährt und Deutschlands größter Stahlhersteller zerpflückt wird?

Gute Stimmung: Vor rund einem Jahr nahmen die Vorstände die Förderung gemeinsam entgegen. Heute sind die Konzernchefs zerstritten. Foto: dpa

„Einfach mal laufen lassen“, das ist für einen ehemaligen Dax-Konzern, an dem Deutschlands Stahlindustrie maßgeblich hängt, keine gute Idee. Wenn man den Konzern bereits mit Milliarden gefördert hat, sollte man doch schauen, wo die Mittel bleiben.

Ein Ordnungsruf aus Berlin – oder zumindest von der Landesregierung um Hendrik Wüst wäre das Mindeste. Der ehemalige Aufsichtsratschef der Stahltochter, Sigmar Gabriel, hätte sicherlich mit seinem Amtsnachfolger als Wirtschaftsminister telefoniert.

Handelsblatt Today

Chaos bei Thyssen-Krupp – Stahl-Aufseher Gabriel wirft schimpfend hin / Warum hortet Buffett 277 Milliarden Dollar Cash?

30.08.2024
Abspielen 25:29
Verwandte Themen
Thyssen-Krupp
Deutschland
Berlin
Robert Habeck
Sigmar Gabriel
Aufsichtsräte

Wo war Berlin, als der Vorstand von Thyssen-Krupps Stahlsparte bis zum Weggang zermürbt wurde?

Noch hat die Politik die Möglichkeit, den Niedergang von Deutschlands größtem Stahlhersteller zu bremsen. In rund zwei Wochen ist die nächste Aufsichtsratssitzung von Thyssen-Krupp. Vielleicht erfolgt der Anruf aus Berlin dieses Mal wenigstens ein paar Tage davor.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt