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Morning BriefingTrump kündigt Zoll-Brief an die EU innerhalb von zwei Tagen an

Christian Rickens 09.07.2025 - 06:41 Uhr
Morning Briefing

Volkswagen: Später Elektro-Erfolg / Unicredit: Commerzbank-Anteil erneut aufgestockt

09.07.2025
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Liebe Leserinnen und Leser!

Die Elektromodelle von Volkswagen hatten einen schweren Start. Zu teuer, zu wenig Reichweite, die Elektronik nicht benutzerfreundlich genug: Das bekamen die Managerinnen und Manager bei Europas größtem Autokonzern über Jahre hinweg zu hören. Als Benchmark, wie es besser geht, musste fast immer Tesla herhalten.

In Wolfsburg registriert man mit Genugtuung, dass diese Zeiten zumindest für Europa vorbei sind. Meistverkauftes Elektromodell war hier im Mai 2025 zwar noch immer Teslas Model Y. Doch dahinter folgten direkt vier Modelle des Volkswagen-Konzerns.

Wie unser Volkswagen-Reporter Lazar Backovic erfuhr, stieg der weltweite E-Auto-Absatz der Kernmarke VW im ersten Halbjahr 2025 um 14,3 Prozent auf rund 193.000 Fahrzeuge. In Europa legte VW sogar um mehr als 70 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert zu – und ließ in diesem Markt Tesla deutlich hinter sich. Insgesamt wuchs der Absatz der VW-Kernmarke im ersten Halbjahr um 4,5 Prozent auf 2,32 Millionen Fahrzeuge. Volkswagen gibt seine jüngsten Auslieferungszahlen heute offiziell bekannt.

Volkswagens kleines Elektrowunder hat einen Preis: je höher der Elektroanteil an den Verkäufen, desto geringer die Umsatzmarge der Gesamtflotte. Den Grund erklärt Martin Sander, Vertriebschef der VW-Kernmarke, im Gespräch mit dem Handelsblatt:

Wir erzielen mit Elektroautos noch nicht dieselben Margen wie mit Verbrennern. Das liegt vor allem an den hohen Batteriekosten.

Volkswagens erklärtes Ziel sei „Margenparität“, so Sander:

Skaleneffekte durch wachsende Stückzahlen helfen uns dabei.

Unicredit stockt bei Commerzbank auf

Unicredit hat ihre direkte Beteiligung an der Commerzbank auf rund 20 Prozent verdoppelt und steigt dadurch zum größten Aktionär des Instituts auf. Die italienische Großbank hat über Derivate Zugriff auf weitere neun Prozent an der Commerzbank. Auch diese wolle man „zu gegebener Zeit“ in Aktien umwandeln, hieß es in einer Mitteilung von Dienstagabend.

Bisher war der Bund mit zwölf Prozent größter Aktionär der Commerzbank. Die Bundesregierung hat sich hinter deren Management gestellt, das einen Verkauf an Unicredit ablehnt.

Unicredit-Chef Andrea Orcel ist trotz des Widerstands aus Berlin bisher nicht davon abgerückt, die Commerzbank zu übernehmen. Foto: REUTERS

Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp ist zu Gesprächen über einen möglichen Zusammenschluss mit der italienischen Bank nur bereit, wenn Unicredit-Chef Andrea Orcel ihr vorab ein Konzept zur künftigen Struktur, zu den Preisvorstellungen und zu anderen grundlegenden Themen vorlegt. Dies lehnt Orcel wiederum ab, weil es aus seiner Sicht einem Übernahmeangebot gleichkäme.

Ein formelles Angebot an die übrigen Aktionäre der Commerzbank wäre für Unicredit auch verpflichtend, wenn die Italiener ihren Anteil weiter aufstocken und die Marke von 30 Prozent überschreiten.

Viele Immobilienkredite gefährdet

Bürogebäude „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen: Außergewöhnliche Architektur, aber hoher Leerstand. Foto: imago images/Aviation-Stock

„The Squaire“ ist ein Bauwerk, das durch seine außergewöhnliche Architektur und Lage hervorsticht – im Kellergeschoss befindet sich der Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens. Kurz nach der Ankündigung der Beratungsgesellschaft KPMG, ihre Büros aus „The Squaire“ in die Frankfurter Innenstadt zu verlegen, wies die Ratingagentur S&P auf die Refinanzierungsrisiken eines Ende 2025 auslaufenden Darlehens für dieses Objekt hin. Sie begründet das unter anderem mit dem schon jetzt hohen Leerstand von 19 Prozent.

„The Squaire“ ist kein Einzelfall. Zahlreiche Investoren dürften erhebliche Schwierigkeiten bekommen, auslaufende Immobilienkredite zu refinanzieren. Zwischen 2019 und 2022 nahm die gewerbliche Immobilienbranche in Deutschland Immobilienkredite in Höhe von schätzungsweise etwa 228 Milliarden Euro auf, die derzeit und in den kommenden Jahren neu finanziert werden müssen. Ralf Klann, Refinanzierungsexperte beim weltweit größten Immobiliendienstleister CBRE, schätzt, dass bis 2028 Darlehen in Höhe von bis zu 50 Milliarden Euro gefährdet sind.

Betroffen sind laut CBRE vor allem Objekte, die zum Zeitpunkt des höchsten Preisniveaus erworben wurden, also Ende 2021 oder Anfang 2022. Die Refinanzierungslücke betreffe insbesondere ältere Büroimmobilien in weniger attraktiven Lagen, Einzelhandelsimmobilien und Hotels, schreibt Handelsblatt-Immobilienexperte Julian Trauthig.

Trump sieht kurzfristigen Zoll-Deal mit der EU

US-Präsident Donald Trump gibt sich bei seiner Zollpolitik unnachgiebig. Foto: Bloomberg

Im Zollkonflikt mit der Europäischen Union hat US-Präsident Donald Trump einen Brief mit neuen Zollbestimmungen an die EU angekündigt. Trump sagte:

Wir sind wahrscheinlich zwei Tage davon entfernt, ihnen einen Brief zu schicken. Wir sind im Gespräch mit ihnen. Ich möchte nur, dass Sie wissen, dass ein Brief einen Deal bedeutet.

Außerdem kündigte der US-Präsident gestern einen Zoll von 50 Prozent auf Kupfer-Einfuhren an und trieb damit den Kupferpreis in den USA auf ein Rekordhoch.

Wo die EU Trump entgegenkommen will

LNG-Schiff vor dem spanischen Strand: Im Energiesektor ist die EU den USA schon deutlich entgegen gekommen. Foto: REUTERS

Was kann die EU-Kommission den USA in den Zollverhandlungen als Zugeständnis anbieten? Inoffiziell stehen nach Handelsblatt-Recherchen vier EU-Regulierungen zur Disposition – drei davon haben mit Umwelt- und Klimaschutz zu tun:

  1. Entwaldungsverordnung: Sie soll verhindern, dass EU-Verbraucher mit ihren Käufen indirekt zur globalen Entwaldung beitragen. Nun will die Kommission die USA als „risikoarmes Herkunftsland“ einstufen – und sie damit faktisch vom Gesetz ausnehmen.
  2. Methanverordnung: Die EU wollte Hersteller auch im Ausland zwingen, Methanemissionen weitgehend zu vermeiden, etwa bei der Förderung von Erdgas mit der Fracking-Methode. Für manche US-Firmen hätte das Investitionen erfordert. Nun will die EU ihre Methanverordnung überarbeiten.
  3. Klimazoll: Der CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU sieht vor, dass Importeure aus Ländern, die kein eigenes Emissionshandelssystem haben, an der EU-Grenze eine Gebühr zahlen. Trump fordert von der EU, den Mechanismus zumindest für Einfuhren aus den USA abzuschaffen.
  4. Digital Markets Act (DMA): Er stärkt die Rechte kleinerer EU-Unternehmen gegenüber den US-Tech-Giganten. Nach Informationen des Handelsblatts will die EU-Kommission den USA eine Mitsprache bei der Umsetzung des EU-Gesetzes einräumen.

Oberster US-Gerichtshof billigt Entlassungen

Und nochmal Trump: Der Oberste Gerichtshof der USA hat den Weg für die vom US-Präsidenten angestoßenen Massenentlassungen bei Bundesbehörden freigemacht. Die Richter des Supreme Court hoben eine einstweilige Verfügung einer untergeordneten Instanz auf, die einen von Trump geplanten weitreichenden Stellenabbau gestoppt hatte.

Klingbeils Auswärtiges Ämtchen

Finanzminister Klingbeil: Faible für Außen- und Sicherheitsthemen. Foto: Reuters [M]

Vor einigen Tagen wurden die Beamtinnen und Beamten im Bundesfinanzministerium über die neue Struktur ihres Hauses informiert. Ihre Hausleitung teilte in einer internen E-Mail unter anderem mit, dass es erstmals im Haus einen „Koordinierungsstab für internationale Politik (KS)“ geben werde. Der neue Stab übernehme „die aus der Vizekanzlerschaft erwachsenden Koordinierungsaufgaben zu Fragen der internationalen Politik“, heißt es in der E-Mail, die dem Handelsblatt vorliegt.

Für Handelsblatt-Politikreporter Martin Greive steckt darin eine politische Richtungsentscheidung, die für die Macht-Arithmetik der Koalition noch interessant werden könnte:

Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil will die Außenpolitik nicht allein der Union überlassen. Er möchte selbst mitmischen.

Dafür stehen ihm laut Organigramm des Ministeriums in Zukunft vier Referate (so heißen die Teams in Behörden) unter Leitung des Ministerialdirigenten Christian Aulbach zur Verfügung. Der war zuvor Stellvertreter von Jens Plötner, dem außenpolitischen Berater von Ex-Kanzler Olaf Scholz.

Ermittlungen wegen Wels-Tötung

Welse können erstaunlich groß werden. Foto: dpa

Die Tötung eines bissigen Welses in einem See in Mittelfranken beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft. Der zwei Meter lange Wels hatte nach Angaben der Polizei am 20. Juni mindestens fünf Badende angegriffen und verletzt. Ein Polizist schoss dreimal auf den Fisch, traf ihn aber nicht tödlich. Anglern sei es nach einiger Zeit schließlich gelungen, den Wels an Land zu ziehen.

Es werde geprüft, ob ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliege, sagte der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Ansbach. Strafanzeige erstattet hatten die Tierrechtsorganisation Peta und eine Privatperson.

Da es mittlerweile im gleichen See zu einer weiteren Wels-Attacke kam, dürfte die örtliche Welspopulation den Ausgang der Ermittlungen mit besonderer Spannung verfolgen.

Ich wünsche Ihnen einen Mittwoch ohne rechtliche Untiefen.

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Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens

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