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Morning Briefing Der Deal um Nord Stream 2

22.07.2021 - 06:18 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

dass Energie eine Waffe ist, wissen alle Autofahrer, die dem Opec-Kartell der Ölstaaten in der Vergangenheit begegnet sind. Doch noch nie hat eine simple Erdgaspipeline so sehr polarisiert wie Nord Stream 2 von Gazprom, die Ostsee-Verbindung zwischen Russland und Deutschland.

Drei US-Präsidenten kämpften dagegen, als sei Breschnew wieder auferstanden. Doch gestern Abend verkündeten Washington und Berlin dann nach langem juristischem Kleinkrieg einen klassischen Formelkompromiss.

Der Inhalt: Das Erdgas kann bald fließen, Sanktionen aber kehren zurück, falls Russlands Staatspräsident Wladimir Putin das Energie-Transitland Ukraine abklemmen sollte. Und: Deutschland zahlt 175 Millionen Dollar für einen „grünen Fonds Ukraine“ – damit Kiew zum Großexporteur von grünem Wasserstoff wird. Der Deal wirkt wie ein Kartenhaus, das man vor dem lauesten Windzug schützen muss.

Der Kassensturz nach der Flutkatastrophe läuft noch, die Assekuranz-Firmen aber gehen bereits von fünf Milliarden Euro versicherten Schäden aus. Keine Naturkatastrophe war damit so teuer wie Tief „Bernd“.

Ein hohes Tempo bei der Etablierung von Aufbaufonds mahnt Malu Dreyer an, Ministerpräsidentin des von Überschwemmungen besonders betroffenen Rheinland-Pfalz. Im Handelsblatt-Interview sagt sie über…

  • nötige Maßnahmen: „Wir sehen eine verheerende Schadenslage. Neben der aktuellen Soforthilfe benötigen wir erhebliche Unterstützung des Bundes beim langfristigen Wiederaufbau – es braucht eine nationale Kraftanstrengung.“
  • das Leid der Bürger: „Viele Menschen haben alles verloren. Es ist wichtig für sie zu spüren: Wir sind nicht allein. Dazu trägt auch die beispiellose Solidarität bei, die wir aus allen Teilen der Bundesrepublik und dem Ausland erfahren dürfen.“
  • den ökonomischen Schaden: „Die gesamte Wirtschaft in den Regionen ist stark betroffen, Handwerksunternehmen, Gewerbetreibende. Das Ahrtal ist touristisch geprägt: Hotels und Restaurants sind natürlich auch betroffen. Und es ist ein großes Weinanbaugebiet.“

Die Sozialdemokratin ist eine Politikerin, bei der Bürger sofort Empathie spüren – sie ist eine, die mit Lachen an der falschen Stelle garantiert keine Schlagzeilen machen würde.

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Was die Flut ökonomisch konkret bedeutet, schildert Dieter Zimmermann, seit zwei Jahrzehnten Chef der Kreissparkasse Ahrweiler im Handelsblatt: „Im Prinzip war es eine Apokalypse.“ Fünf Filialen sind zerstört, 20 Prozent des Netzes. Man müsse mit Kreditausfällen rechnen, erläutert der Lokalbanker und beruhigt: Sein Institut sei grundsätzlich gut kapitalisiert.

Hundertausende US-Bürger sind in den vergangenen 20 Jahren an exzessivem Konsum von Opioid-Schmerzmitteln gestorben. Nun werden, nach langer juristischer Aufarbeitung, in dieser Sache vier amerikanische Pharmafirmen mit insgesamt 26 Milliarden Dollar zur Kasse gebeten. Sie haben einem Deal mit den Ermittlern mehrerer US-Bundesstaaten zugestimmt – mit dem Geld sollen 4000 anhängige Schadensersatzprozesse beigelegt werden.

Die Grossisten McKesson, Cardinal Health und AmerisourceBergen zahlen insgesamt 21 Milliarden, Johnson & Johnson fünf Milliarden. Von einer „historischen“ Vereinbarung spricht Chefanklägerin Letitia James aus New York: „Die zahlreichen Unternehmen, die Opioide hergestellt und in der ganzen Nation verteilt haben, taten dies ohne Rücksicht auf Leben oder auf die nationale Krise, sie sie mitbefeuert haben.“

Die Thüringer Chaos-Truppe ihrer Partei hat letztlich den Sturz der einstigen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer befördert. Nach dem Debakel mit dem Kurzzeit-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich aus 2020 droht am morgigen Freitag die nächste Kapriole.

Die AfD beantragt ein Misstrauensvotum gegen den amtierenden Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von der Linken und bietet als Ersatz ihren – in rechtsextremen Kreisen geschätzten – Vorsitzenden Björn Höcke auf.

Der kann zwar mit den 22 Stimmen seiner Fraktion kaum gewählt werden, die Attacke bringt jedoch die thüringische CDU erneut in die Bredouille. Denn die will sich ganz tapfer enthalten – womöglich aus Furcht vor Pro-Höcke-Stimmen im eigenen Lager.

Wenn sich die Christdemokraten in Erfurt zum gebotenen „Nein“ nicht durchringen können, müsste eigentlich CDU-Chef Armin Laschet Kante zeigen – wäre da nicht das Beispiel AKK wäre.

Schon Kurt Tucholsky wusste: „Man fällt nicht über seine Fehler. Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen.“

Quelle: privat
Die Flutnacht hat Sparkassenchef Dieter Zimmermann in der Zentrale verbracht.
(Foto: privat)

Bei Deutschlands Banken ist die Homeoffice-Pflicht einer Homeoffice-Lust gewichen. Davon zeugt eine Handelsblatt-Umfrage bei 13 großen Geldinstituten in Deutschland.

Bei acht aus diesem Kreis – etwa BayernLB, KfW, ING, DZ Bank oder HSBC – liegt die „Büroquote“ derzeit nur zwischen 10 und 20 Prozent. Deutsche Bank (ohne Filialen), Aareal Bank und LBBW kommen auf Werte zwischen 25 und 33 Prozent der Beschäftigten.

Das Vorgehen der deutschen Institute unterscheidet sich deutlich von dem der US-Konkurrenten, die zum Teil mit erheblichem Druck wieder zu mehr Büropräsenz drängen. Hierzulande stellt sich die Branche eher auf Heimarbeit ein, alles altsprichwörtlich: „Eigener Herd ist Goldes wert.“

Und dann ist da noch der Ire Kenneth McGrath, der nach kurzer Einarbeitungszeit im nächsten Jahr Chef der Supermarktkette Lidl werden soll. Der 46-Jährige hat für die Firma vor Jahren schon in Irland und den USA gearbeitet, bevor er später den US-Discounter Save-A-Lot sanierte.

Nun tritt er als Überraschungsmanager der Stunde in Heilbronn die Aktion „Rescue-A-Lot“ an – bei Eignung kann Noch-Lidl-Chef Gerd Chrzanowski den nach internen Führungsdramen vakant gewordenen CEO-Posten der Muttergesellschaft Schwarz-Gruppe einnehmen.
Der dort in der Not interimistisch regierende Eigentümer Dieter Schwarz kann sich dann wieder ganz aufs Lenken aus der Kulisse beschränken. Der 81-jährige Senior führt zwei Hitlisten an: die der reichsten Deutschen und die der am wenigsten fotografierten Prominenten.

Ich wünsche Ihnen einen kraftvollen Start in den Tag.

Herzliche Grüße
Ihr
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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Quelle: action press
Viele Bank-Mitarbeiter haben Gefallen gefunden am Arbeiten von zu Hause.
(Foto: action press)
Morning Briefing: Alexa
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