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Morning Briefing Die Entpuppung des Armin Laschet

16.02.2021 - 06:00 Uhr 1 Kommentar

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht lag es daran, dass Armin Laschet gestern Abend vor baden-württembergischen Parteifreunden auftrat, die vor Monaten noch seinem gewesenen Kontrahenten Friedrich Merz huldigten. Vielleicht spielte es eine Rolle, dass es sich um den digitalen Neujahrsempfang des regionalen Wirtschaftsrats handelte.

Jedenfalls fand der neue CDU-Chef erstaunliche Worte jenseits der monothematischen Lockdown-Philosophie von Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Markus Söder: „Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfindet“, hieß es plötzlich über den 50-35-Inzidenz-Wechsel, und: „Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen.“ Man müsse auch Schäden für Gesellschaft und Wirtschaft im Blick haben, fand Laschet und schickte noch so ein Anti-Berlin-Sätzchen in die Nacht: „Populär ist glaube ich immer noch die Haltung, alles verbieten, streng sein, die Bürger behandeln wie unmündige Kinder.“

Quelle: AFP
Armin Laschet fand erstaunliche Worte jenseits der monothematischen Lockdown-Philosophie von Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Markus Söder.
(Foto: AFP)

Wer Champion werden will, kann nicht immer im Windschatten radeln. Laschet agiert deshalb anders als seine kreuzbrave Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die den Konflikt mit Angela Merkel stets fürchtete und am Ende an ihrer zwangsläufigen Profillosigkeit scheiterte. Laschet hält es erkennbar mit Oscar Wilde: „Sei du selbst! Alle anderen sind bereits vergeben.“ Und so zündet der NRW-Ministerpräsident gegen den Kontrollmodus der No-Covid-Fraktion Feuerchen der Freiheit.

Und auch gegen Anti-Europa-Scharfmacher Horst Seehofer macht der CDU-Politiker aus Aachen mobil. Er warnt vor Seehofers Grenzschließungen: „Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht mit ,Ersatzmaßnahmen‘ die gesamten Lieferkettenprozesse im Binnenmarkt zerstören.“ Die strikten Kontrollen an den Grenzen zu Tschechien und Tirol hatten gestern phasenweise zu kilometerlangen Lkw-Staus geführt. Automobilwerke fürchten, dass ihnen in den kommenden Tagen wichtige Teile ausgehen.

Von Armin Laschet bekommen Wirtschaftsvertreter zu hören, was sie bei Minister Peter Altmaier vermissen. Das wird im Handelsblatt-Interview mit Reinhold von Eben-Worlée deutlich, dem Präsidenten des Verbands der Familienunternehmer. Er stimmt gewissermaßen auf Altmaiers heutigen Zwei-Stunden-„Wirtschaftsgipfel“ ein. Für jeden der 40 Verbände bleiben da statistisch übrigens nur drei Minuten. Eben-Worlée im Gespräch:

  • Eine regelbasierte Öffnungsstrategie würde unsystematische, willkürliche Einzelfallentscheidungen, wie bei den Friseurbetrieben geschehen, vermeidbar machen.
  • Vielen Familienunternehmern steht das Wasser bis zum Hals. Niemand braucht einen sich in Beliebigkeit erschöpfenden Wirtschaftsgipfel.
  • Wegen der großen Ungewissheit, wie die Regierung weiter mit diesem Notstand umgeht, greift in der gesamten Unternehmerschaft zunehmend Unruhe um sich.

Es ist diese Unruhe, die den verbalen Aufstand des CDU-Vorsitzenden erklärt.

Gebannt wie im Zirkusrund haben wir alle seit Jahren auf die Zylinder der Zauberer gestarrt, ob denn wohl die Kaninchen der Inflation erscheinen mögen. Sie kamen nicht. Nun auf einmal sind die Inflationserwartungen wieder da in einem Land, das mit den Jahreszahlen „1923“ und „1949“ Angstschübe verbindet. Bundesbank-Chef Jens Weidmann rechnet kurzfristig für 2021 sogar mit mehr als drei Prozent Inflation.

Das liegt auch an den steigenden Rohstoffpreisen. Kupfer, Platin, selbst Sojabohnen und erst recht der Ölpreis – gestern bei über 63 Dollar – ziehen stark an. Experten erwarten eine längere Rally, wie unser Titelkomplex zeigt. Wer nach Gründen sucht, kann die prosperierende Weltkonjunktur, den neuen China-Boom, die Energiewende oder auch den schwachen Dollar nennen. Michael Salden, Rohstoff-Experte der Schweizer Bank Vontobel: "Alles scheint zusammenzukommen an den Rohstoffmärkten."

Quelle: Reuters
Bernard Arnault, Schöpfer des Luxuskonzerns LVMH, wird 20 Prozent an Pegasus Europe halten.

Der Boom der leeren Firmenmäntel (Spacs), mit denen etwa Start-ups spielend leicht an die Börse gelangen können, zieht immer mehr prominente Investoren an. Jüngst erst wurde publik, dass Ex-Commerzbank-Chef Martin Blessing 300 Millionen Euro von Anlegern für einen solchen Spac sammelt und damit einen Börsengang in Amsterdam anpeilt. Nun melden sich zwei Franzosen: Bernard Arnault, Schöpfer des Luxuskonzerns LVMH, und Jean Pierre Mustier, bis vor kurzem Chef der Bank Unicredit.

Es geht hier um ihre Firma Pegasus Europe, die es ebenfalls nach Amsterdam zieht, Europas neuer Börsenhauptstadt (nach dem Brexit und dem Bedeutungsverlust Londons). Arnault wird 20 Prozent an Pegasus halten. Zehn-Prozent-Gesellschafter Mustier wiederum erklärt, Europa brauche mehr Wachstumskapital für Firmen – ein Spac könne das „fehlende Instrument“ zwischen einem Börsengang und Private Equity sein.

Ein konkretes Ergebnis hatte die jüngste Reise von Forschern ins chinesische Wuhan doch. Die Emissäre der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fanden Indizien, dass der Corona-Ausbruch im Dezember 2019 doch viel stärker war als gedacht. Mehr als ein Dutzend Entwicklungslinien des Virus seien schon für jenen Monat gefunden worden, sagt Peter Ben Embarek, Leiter der WHO-Mission, dem US-Sender CNN. 174 Fälle hätten chinesische Wissenschaftler ihnen präsentiert. Nicht alle von ihnen ließen sich demnach mit Tiermärkten in Verbindung bringen. Die Analyse nährt Spekulationen, dass das Coronavirus schon weitaus früher in China ausgebrochen sei.

Quelle: dpa
Schauspieler Jonas Nay und Elyas M´Barek übernehmen in der Verfilmung des Relotius-Skandals von Regisseur Michael "Bully" Herbig die Hauptrollen.

Und dann ist da noch Schauspieler Jonas Nay, bekannt aus der RTL-Serie „Deutschland 83“, der zu einem Spezialauftrag kommt. Er mimt den Fake-Reporter „Lars Bogenius“ eines deutschen Nachrichtenmagazins, immer auf den Spuren von Claas Relotius aus den ehrwürdigen Hallen und Waben des „Spiegel“. Die Felix-Krull-Geschichte der gehobenen Publizistik verfilmt im Sommer Michael „Bully“ Herbig auf der Basis des Buchs „Tausend Zeilen Lügen“, das „Spiegel“-Reporter Juan Moreno verfasst hat. Der heißt in dem fiktionalen Film „Romero“ und wird von Elyas M’Barek gegeben.

Gegen Helmut Dietls Prachtwerk „Schtonk“, angelehnt an die vom „Stern“ präsentierten Pseudo-Hitler-Tagebücher, wird die Relotius-Reprise jedoch wahrscheinlich nicht ankommen. Diese Fälschung war schließlich um einiges genialer. Das Entscheidende zum Thema hat Ernst Bloch gesagt: „Die Fälschung unterscheidet sich vom Original dadurch, dass sie echter aussieht.“

Ich wünsche Ihnen einen heiteren, beschwingten Tag.
Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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1 Kommentar zu "Morning Briefing : Die Entpuppung des Armin Laschet "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Armin Laschet ist Katholik, der nimmt es nicht so genau mit der Ehrlichkeit!
    Laschet kann es ja beichten! Ein Grund mehr Laschet nicht zum Bundeskanzler zu wählen!

    Herr Markus Söder ist evangelisch, hier dürfen wir - im Großen und Ganzen - auf mehr Ehrlichkeit hoffen!

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Löseke
    [email protected]

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