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Morning BriefingDie Lufthansa steckt in einem Zielkonflikt zwischen Pünktlichkeit und Profit

Teresa Stiens 25.08.2025 - 06:31 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Lufthansa: Restrukturierung soll Probleme lösen / Union: Einig im Kampf gegen Steuererhöhungen

25.08.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Deutschlands größte Airline Lufthansa steckt in einem Zielkonflikt. Viele Passagiere zeigten sich im vergangenen Jahr frustriert und beklagten ein schlechtes Produkt und immer mehr Verspätungen. Wütende Kunden sind schlecht fürs Geschäft, deswegen steuerte die Lufthansa gegen – und erkaufte sich mit mehr Puffer im Flugplan bessere Pünktlichkeitsquoten. Doch damit begann der Zielkonflikt, denn die Puffer führten zwar zu einer höheren Kundenzufriedenheit, verschlechterten aber die Produktivität der Flotte und somit die Profitabilität des Konzerns.

Und das ist nicht das einzige Problem. Während die Netzwerk-Airlines von IAG und Air France-KLM ihr operatives Ergebnis in den ersten sechs Monaten steigern konnten, flogen die Premium-Gesellschaften der Lufthansa-Gruppe einen Verlust ein. Der Aktienkurs der Lufthansa legte zwar deutlich zu, blieb aber hinter der Konkurrenz zurück.

Jetzt soll eine Restrukturierung im Konzern Besserung bringen, wie Handelsblatt Luftfahrt-Reporter Jens Koenen herausgefunden hat. Die Ansage von Lufthansa-Chef Carsten Spohr: Wir machen das lieber mal selbst. Denn die einzelnen Gesellschaften sollen entmachtet werden – zugunsten der Zentrale.

Die Gesellschaften Lufthansa Airlines, Swiss, Brussels Airlines und Austrian Airlines müssen zentrale Aufgaben wie die Steuerung des Angebots, des Netzes oder des Vertriebs an den Konzern abgeben. Ob das reicht, bleibt abzuwarten. Gerald Wissel vom Luftfahrtberatungsunternehmen Airborne Consulting mahnt, es müsse sich nicht nur die Struktur, sondern auch die Kultur im Konzern ändern.

Der ungewöhnliche unionsinterne Frieden

Wenn der bayerische CSU-Ministerpräsident dem CDU-Bundeskanzler eine „Eins mit Sternchen“ attestiert, muss es sich um einen besonderen Fall von unionsinterner Harmonie handeln. So geschehen gestern Abend im ARD-Sommerinterview mit Markus Söder, der Friedrich Merz eben diese Note gab. Aber Söder wäre nicht Söder, wenn er nicht noch einen kleinen Nebensatz hinterhergeschoben hätte: „Zumindest in der Außenpolitik.“ Innenpolitisch verstrickt sich die unionsgeführte Bundesregierung gerade in einen Streit mit dem Koalitionspartner.

CSU-Chef Markus Söder im ARD-Sommerinterview. Foto: Ebrahim Noroozi/AP-POOL/dpa

Denn SPD-Chef Lars Klingbeil hatte das für die Konservativen unliebsame Thema Vermögens- und Einkommenssteuer wieder auf den Tisch gelegt. Söder zeigte sich verwundert und betonte, dass Steuererhöhungen mit der Union nicht zu machen seien. Bei der Erbschaftsteuer kann er sich unterschiedliche Regelungen in den Ländern vorstellen. „Dann können die SPD-Bundesländer diese erhöhen, die Bayern werden die Erbschaftsteuer massiv senken.“

Debatte um Steuererhöhungen

Bei Ökonomen sorgen die Forderungen der SPD für gemischte Reaktionen. Clemens Fuest, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, warnt vor gravierenden Folgen für das Wirtschaftswachstum. Höhere Steuern würden private Investitionen deutlich senken und so die wirtschaftliche Schwäche verstärken.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher: Höhere Belastungen hält er für unausweichlich. (Archivbild) Foto: dpa

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hingegen hält höhere Belastungen für unausweichlich. Meinem Berliner Kollegen Dietmar Neuerer sagte er:

Deutschland wird seine Herausforderungen ohne Steuererhöhungen nicht stemmen können.

Fratzscher plädiert für eine stärkere Steuerbelastung großer Vermögen wie Grund, Boden und Immobilien. Zudem regt er eine Reform der Erbschaftsteuer an.

Wer zieht die besseren Wahlkreisgrenzen?

In meinem Studium der Politikwissenschaften habe ich gelernt, dass  „Gerrymandering“ ein Symptom für das Abrutschen von Demokratien in Autokratien darstellt. Dabei ordnet eine Partei die Wahlkreisgrenzen neu an, um darin möglichst viele eigene Stimmen zu bündeln und die Stimmen der Gegenseite auf mehrere Wahlkreise zu verteilen. Das kann ihr in einem Land mit Mehrheitswahlrecht am Ende den Wahlsieg sichern.

In den USA ist ein Wettstreit über eben jene Praxis entbrannt. Vergangene Woche stimmten die Republikaner im texanischen Repräsentantenhaus dafür, mehrere Wahlkreise neu zuzuschneiden, um bei den Kongresswahlen 2026 die Zahl der konservativen Sitze zu erhöhen. Die Demokraten reagierten prompt. Gavin Newsom, Gouverneur von Kalifornien, schrieb auf der Plattform X: „Der Kampf ist eröffnet.“ Nun wollen die Demokraten in Kalifornien ebenfalls Neuzuschnitte der Wahlkreise vornehmen.

Grüne Chance für den europäischen Finanzplatz

Dass die US-Regierung derzeit gegen alles wettert, was „grün“, „Klima“ oder „nachhaltig“ im Namen trägt, könnte mittel- bis langfristig ein Wettbewerbsvorteil für den europäischen Finanzplatz werden. Zwar fließt Kapital derzeit weltweit vermehrt in andere Kanäle wie etwa Rüstung, doch Europa erarbeitet sich nach und nach einen Vorsprung beim Thema „Green Finance“. Gemessen am Volumen der Neuemissionen ist der Euro mit knapp 40 Prozent schon heute die meistgenutzte Währung für nachhaltige Anleihen.

Klimafreundliche Energieproduktion in den USA: Weiter massiv investieren, weniger öffentlich darüber reden. Foto: imago images/ZUMA Wire

Die Antiklimabewegung der US-Regierung könnte diese Entwicklung noch verstärken. Denn unter Investoren gilt Europa, der weltgrößte Markt für Green-Finance-Produkte, als sichere Alternative. Internationale Investoren schauen für grüne Anlagen in den Euroraum und selbst US-Unternehmen sprechen hinter vorgehaltener Hand über nachhaltige Investments – eine Praxis, die mittlerweile als „Greenhushing“ bekannt ist.

Erfolgreicher deutscher Drohnentest

Die deutschen Rüstungsstart-ups Quantum Systems und Stark Defence haben einen Erfolg aus der Ukraine zu vermelden. Dort haben sie einen neuen Verbund aus einer Aufklärungs- und einer Kamikaze-Drohne getestet, wie die Unternehmen mitteilten. Ziel dieses Verbundes ist es, auf dem Gefechtsfeld den Zeitraum zwischen der Entdeckung und der Bekämpfung eines möglichen Ziels zu verkürzen. Denn die Drohnen können im Flug miteinander kommunizieren. Auch bei der Bundeswehr wurden die Aufklärungsdrohnen bereits eingeführt.

Das Gewese um den grünen Tee

Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick in hippe urbane Coffeeshops, wo sich der sogenannte „Matcha-Latte“ großer Beliebtheit erfreut. Dabei handelt es sich um eine Form des grünen Tees, die schmeckt, als habe man die Nase in eine Tüte getrocknete Algen gehalten. So zumindest meine persönliche Erfahrung. Vielen scheint das zu gefallen, denn alle möglichen Lebensmittel mit Matchageschmack boomen momentan.

Japan möchte laut einem Bericht des Spiegels an diesem Hype verdienen und Landwirte motivieren, auf den „Tencha“ umzusteigen – die Teesorte, die für Matcha verwendet wird. Doch die heimischen Bauern sind bisher skeptisch und verstehen (ähnlich wie ich) nicht, was der Hype darum eigentlich soll.

Wenn man sich anschaut, auf welchen Haufen der einst gehypten Dubai-Schokolade viele Händler mittlerweile sitzen, ist das Misstrauen der japanischen Landwirte vielleicht durchaus berechtigt.

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Ich wünsche Ihnen einen guten Tag voller gesunder Skepsis.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre

Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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