Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Die Macht des Serums

31.07.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

die Corona-Pandemie hält die Welt in Atem. Mehr als 17 Millionen Menschen haben sich mit Covid-19 infiziert, fast 700.000 Infizierte sind an dem Virus gestorben. Eine Beruhigung der Lage ist nicht in Sicht. Seit drei Monaten wächst – abgesehen von kleinen Schwankungen – weltweit die Zahl der täglichen Neuinfektionen. Trotz der umfangreichen Schutzmaßnahmen muss man nüchtern feststellen: Die Weltgemeinschaft hat bisher nicht einmal die erste Welle der globalen Corona-Infektionen stoppen können.

Die Schattenseite der Pandemie zeigt sich zunehmend in der Wirtschaft: Die USA und Deutschland meldeten gestern einen historischen Konjunktureinbruch. In den Vereinigten Staaten brach das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet 32,9 Prozent ein – der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik im Jahr 1947. In Deutschland ging die Wirtschaftsleistung zwischen April und Juni um 10,1 Prozent zurück – ebenfalls ein Minusrekord. Von dem Einbruch sind alle Bereiche der Wirtschaft betroffen: Außenhandel, Investitionen und Konsum. Das Virus breitet sich in der deutschen Volkswirtschaft wie ein bösartiger Tumor aus. Zwar zeigen einige Konjunkturindikatoren wieder nach oben, aber die Erholung dauert. Es wird besser, aber es ist noch lange nicht gut.

Quelle: Reuters
Statt die Pandemie zu bekämpfen, will US-Präsident Trump einfach die Präsidentschaftswahl verschieben.

Statt sinnvolle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie anzupacken, reagiert US-Präsident Donald Trump auf seine ganz eigene Art auf die schlechten Wirtschaftsdaten. Per Tweet stellt er eine mögliche Verschiebung der Präsidentschaftswahl im November in den Raum, um „Wahlbetrug“ zu verhindern. Seine Gegner sehen in der Ankündigung einen perfiden Trick: Trump wolle sich erst dann zur Wahl stellen, wenn die Wirtschaft sich erholt habe. Mir scheint: Aus „America First“ wird mit jedem weiteren Tag das Wahlkampfmotto „Trump First“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die globale Rezession macht auch vor dem weltgrößten Autokonzern nicht halt. Im ersten Halbjahr rutschte VW beim Vorsteuerergebnis tief in die roten Zahlen. Unterm Strich steht ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro, exakt elf Milliarden Euro weniger als vor einem Jahr. Die meisten Firmen müssten bei einem solchen Gewinneinbruch Insolvenz anmelden, bei Volkswagen zeigt man sich relativ entspannt. Das zeigt auch die Aussage von VW-Finanzvorstand Frank Witter, der sagte: „Es ist uns gelungen, die Auswirkungen der Pandemie einigermaßen in Grenzen zu halten.“ Die Finanzmärkte überzeugte so viel Selbstzufriedenheit nicht: Die VW-Aktie verlor gestern mehr als fünf Prozent.

    Quelle: Getty Images [M]
    Die Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 wird zum geopolitischen Machtkampf.
    (Foto: Getty Images [M])

    Offiziell betonen die meisten Länder, dass sich ein Impfstoff gegen Corona nur durch internationale Kooperationen schnell erforschen lässt. Doch hinter den Kulissen tobt wie in einem James-Bond-Film ein harter Wettkampf zwischen den USA, China, Russland, Indien und Europa. Hacker, Spione, Geheimdienste – auf der Suche nach einem lebensrettenden Serum ist einigen Staaten fast jedes Mittel recht.

    Der richtige Impfstoff verspricht nicht nur ein Milliardengeschäft, sondern auch geopolitische Macht. „Kalter Krieg um Impfstoff“ haben wir entsprechend unsere aktuelle Titelgeschichte überschrieben. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen ist sich sicher: „Wer als Erster einen Impfstoff auf den Markt bringt und Zugang bereitstellt, kann sich als Retter der Welt inszenieren. Die machtpolitische Bedeutung sollten wir nicht unterschätzen.“

    Röttgen fürchtet bei der weltweiten Verteilung des Impfstoffs egoistisches Verhalten: „Der Reflex, sich zuerst auf die eigene Bevölkerung zu konzentrieren, ist stark. Es besteht daher die Gefahr eines Impfstoff-Nationalismus, bei dem sich die reichen Industriestaaten Zugang verschaffen und ein Großteil der Weltbevölkerung erst einmal leer ausgeht.“ Ich finde: Mit Blick auf die Staatschefs Trump (USA), Xi (China) und Putin (Russland) scheint die These alles andere als übertrieben.

    Übertrieben entspannt wirkt Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf die Opposition. In der Sondersitzung des Finanzausschusses zum Bilanzskandal von Wirecard wiederholte der SPD-Politiker mantraartig den Satz: „Das, was zu tun war, ist getan worden.“ Was man als zuständiger Fachminister im Verteidigungsmodus eben so sagt, um den Anschein fehlerfreien Verhaltens zu erwecken.

    Das beredte Schweigen des Finanzministers ist eine mögliche Strategie, aber keine überzeugende. Der FDP, der Linken und den Grünen reichen die Antworten zum milliardenschweren Bilanzbetrug nicht, ein Untersuchungsausschuss ist fast beschlossene Sache. Auf Olaf Scholz, der im nächsten Jahr als SPD-Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf ziehen will, warten ungemütliche Zeiten.

    Quelle: dpa
    Der US-Investor Cerberus sorgt mit seiner harschen Gangart gegen die Commerzbank in der gesamten Branche für Irritationen.

    Cerberus, der Höllenhund aus der griechischen Mythologie, ist einer der einflussreichsten und zugleich einer der verschwiegensten Investmentfonds der Welt. Erst kürzlich hat der „Höllenhund“ nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass sowohl Vorstandschef wie auch Aufsichtsratschef der Commerzbank zeitgleich ihren Rücktritt erklärten. Ein einmaliger Vorgang in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Meine Kollegen Astrid Dörner (New York) und Andreas Kröner (Frankfurt) haben wochenlang über den „Bankenschreck aus Übersee“ recherchiert. Ihr Report liefert spannende Einblicke in die Welt des sagenumwobenen US-Investors.

    Und dann ist da noch Gianni Infantino. Gegen den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes hat die Schweizer Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren eröffnet. Es geht um geheime Treffen zwischen Infantino und dem Leiter der eidgenössischen Bundesanwaltschaft, Michael Lauber. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Amtsmissbrauch, Verletzung des Amtsgeheimnisses, Begünstigung und Anstiftung zu diesen Tatbeständen. Lauber hat bereits seinen Rücktritt erklärt. Der Rücktritt von Infantino wäre nur folgerichtig. Aber Schuldbewusstsein war in der Vergangenheit ausgesprochen selten die Stärke von Fifa-Präsidenten. Fußball bleibt eine der beliebtesten Sportarten der Welt, ist aber auch ein schmutziges Geschäft. Hier hilft nur die harte Hand des Gesetzes.

    Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Bleiben Sie gesund und zuversichtlich.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Sven Afhüppe
    Chefredakteur

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    Mehr zu: Morning Briefing - Die Macht des Serums
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Die Macht des Serums"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%