Morning Briefing: Kritik am Kanzlerkurs – Die vielen Probleme des Olaf Scholz

Insolvenz auf der Baustelle: Die Krise der Projektentwickler
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
hinter der Immobilienbranche liegt eine bittere Woche. Der Häusermarkt, der lange nur neue Rekorde kannte, steckt in der Krise – eine Krise, die länger anzudauern scheint als bisher erwartet. Darunter leiden vor allem die Projektentwickler. Innerhalb weniger Tage rutschten mit Development Partner, der Project-Gruppe und Euroboden drei Unternehmen in die Insolvenz.
In diesem Jahr ging die Zahl der Baustarts um fast 50 Prozent zurück. Und sind die Baustellen erst eröffnet, dauert die Fertigstellung länger als geplant. Das bringt das komplexe Projektentwicklerbusiness ins Wanken. Die Geschwindigkeit der Insolvenzen überrascht sogar Experten.
Die Prognosen sind düster. Niklas Köster, Professor für Immobilienwirtschaft an der Fresenius-Hochschule in Hamburg, schätzt: „Circa 20 bis 30 Prozent der kleinen bis mittelständischen Projektentwicklungsunternehmen werden vorerst vom Markt verschwinden.“
Ganz unschuldig ist die Branche an der eigenen Misere allerdings nicht: Während in den Boomzeiten viele Fehler kaschiert werden konnten, holen riskante Ankäufe oder falsche Entscheidungen der vergangenen Jahre viele Entwickler nun ein.
Im ersten Halbjahr machte das Unternehmen einen Verlust von 7,6 Milliarden US-Dollar.
Foto: ReutersTrotz Krise bietet die Struktur des deutschen Projektentwicklermarktes allerdings einen Vorteil: Er ist sehr kleinteilig. Laut Einschätzungen des Analysehauses Bulwiengesa wird wegen Insolvenzen Einzelner nicht gleich der ganze Neubau stocken. Anders in China, wo allein der in Schwierigkeiten geratene Konzern Evergrande ein größeres Volumen aufweist als alle deutschen Entwickler zusammen. Am Wochenende wurde zudem bekannt, dass der Evergrande-Konkurrent Country Garden den Handel mit einem Teil seiner Anleihen aussetzt, um den andauernden Ausverkauf zu stoppen.
Die Ratingagentur Moody’s befürchtet, dass sich die Schwierigkeiten des Unternehmens auf den Rest des Immobilien- und Finanzmarkts ausweiten könnten. Die Krise der Projektentwickler könnte zur weiteren Belastung für Chinas ohnehin angeschlagene Wirtschaft werden. „Die Botschaft, die die Krise von Country Garden sendet, bestätigt die schlimmsten Ängste der Investoren über den beklagenswerten Zustand des chinesischen Immobilienmarkts“, sagte Wee Liam Goh vom Vermögensverwalter UOB Asset Management der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Die Zurückhaltung des Kanzlers stößt nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der eigenen Partei auf Kritik.
Foto: ReutersVielleicht geht es Ihnen ja wie dem Bundeskanzler und Sie müssen sich nach einem entspannten Sommerurlaub jetzt dem Berg von Arbeit widmen, der in dieser Zeit liegengeblieben ist. Für Olaf Scholz bedeutet die Rückkehr in den Berufsalltag, sich öffentlich einigen unangenehmen Fragen stellen zu müssen: zum Umfragehoch der AfD, der Forderung nach Marschflugkörpern für die Ukraine und der anhaltenden deutschen Konjunkturschwäche.
Gestern äußerte sich der Kanzler zu diesen Themen im „ZDF Sommerinterview“ in einem Ruderclub seiner Wahlheimat Potsdam. Da Scholz selbst bekennender Ruderer ist, durfte die Frage nicht fehlen, welche Rolle er im „Ruderboot der Regierung“ einnehme. Er sei derjenige, der das Tempo macht, lautete Scholz“ Antwort.
Leider bieten sich politischen Beobachten bei einem solchen Setting gleich eine ganze Fülle an unvorteilhaften Metaphern an. Beim Industriestrompreis etwa scheinen alle Regierungsmitglieder derzeit in unterschiedliche Richtungen zu rudern. Die Innenministerin hat mit ihrer Migrationspolitik Schlagseite Steuerbord, während die Grünen sich Backbord aus dem Boot lehnen. Bei der Ablehnung von weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine indes muss die Bundesregierung regelmäßig zurückrudern. Wieso es derzeit große Kritik am Kanzlerboot und seinem Kurs gibt, hat mein Berliner Kollege Martin Greive für Sie zusammengefasst.
Deutschland hat ein großes Problem: Wir sind zu alt. Die Bundesrepublik ist eine der ältesten Gesellschaften der Welt, nur die Japaner und Italiener weisen statistisch mehr Lebensjahre auf. Während das Alter, das soll an dieser Stelle festgehalten sein, auch eine Menge Weisheit mit sich bringt, fehlen volkswirtschaftlich dennoch die wichtigen Impulse der Jugend.
Ein hohes Bevölkerungsalter birgt nicht nur große Lasten für das Renten- und Gesundheitssystem – es mindert auch die Innovationskraft. Die meisten Patente auf eigene Erfindungen melden US-Daten zufolge Männer Anfang 40 und Frauen Ende 30 an.
Was also tun gegen das Methusalem-Syndrom? Dieser Frage ist Handelsblatt-Innovationsexpertin Barbara Gillmann auf den Grund gegangen. Die Lösung lautet, vereinfacht gesprochen: die Alten auf Zack halten. Mit Weiterbildung, einem möglichst langen Arbeitsleben und intergenerationellen Teams am Arbeitsplatz könnte das Potenzial der deutschen Seniorengesellschaft besser entfaltet werden.
Sich im Digitalbereich weiterzubilden ist nicht nur für ältere Menschen eine gute Idee. Denn es zeigt sich immer mehr, dass Technologiekenntnisse am Arbeitsmarkt mittlerweile zu den unumgänglichen Fähigkeiten zählen. „Es findet eine technologische Aufrüstung statt, der sich kein Manager entziehen kann“, sagt Robert Kämper, Managing Director und Partner bei der Personalberatung Russell Reynolds. „Ich bin kein Techie“ sei keine Ausrede mehr.
Doch welches Tech-Know-how ist wirklich notwendig? Top-Headhunter haben dem Handelsblatt verraten, auf welche fünf Skills sie bei Kandidaten am stärksten achten. An dieser Stelle bereits ein Spoiler: Das Stichwort „Künstliche Intelligenz“ fällt dabei mehr als nur einmal.
Zum Abschluss noch ein Blick auf eine skurrile Folge der Klimakrise. Die Firma Epic Onewater aus San Francisco hat wegen des akuten Wassermangels in Kalifornien einen Versuch gestartet, Bier aus aufbereitetem Abwasser zu brauen. Entstanden ist dabei ein Getränk, das als helles, leichtes Blondes beschrieben werden kann – hergestellt im Kölsch-Stil.
Hier nun der vorhersehbare und nicht mehr abwendbare Witz: Einige böse Zungen behaupten, Kölsch schmecke ja sowieso immer so, als würde es aus Abwasser gebraut.
Sie können sich an dieser Stelle gerne einen Tusch vorstellen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Ihnen all Ihre Getränke munden.
Herzliche Grüße
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt