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Morning Briefing Labor-Krieg um das Coronavirus

19.02.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

behaupten kann man ja vieles, zum Beispiel, dass Joe Biden die US-Wahlen gar nicht gewonnen hat oder dass Bill Gates allen Menschen mit dem Impfvorgang einen Chip einsetzen will. Rund um die Entstehung des Coronavirus sind jetzt ebenfalls abenteuerliche Theorien im Umlauf, die in einen regelrechten deutsch-chinesischen Labor-Krieg münden. Da ist auf der einen Seite der Hamburger Nanowissenschaftler Roland Wiesendanger. Er bilanziert, „dass es sehr viele Indizien gibt, die einen Labor-Unfall im Wuhan Institute of Virology als die mit Abstand wahrscheinlichste Ursache für die Pandemie erscheinen lässt“. Diese Version verbreitet auch die Hamburger Universität.

Auf der anderen Seite erscheint Zeng Guang, ranghöchster chinesischer Epidemiologe, der seine eigene Labortheorie hat. Danach sei Covid-19 auf Geschehnisse in Fort Detrick, einem biomedizinischen Forschungsinstitut in Maryland, zurückzuführen. Wie auch immer: „Es gibt Risiken, die man nie eingehen darf – der Untergang der Menschheit ist ein solches“, heißt es in „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt.

Quelle: AP
Die Wirtschaftsmacht China ist zum wichtigsten Auslandsmarkt vieler deutscher Konzerne geworden. Doch das birgt gleich mehrere Geschäftsrisiken.
(Foto: AP)

Der eine Teil der Republik regt sich über Xinjiang auf, über „Erziehungslager“ für muslimische Uiguren. Oder über Hongkong. Der andere Teil der Republik freut sich, dass es wieder rasant losgeht mit dem China-Geschäft. 2021 soll die Wirtschaft der von Kommunisten verwalteten kapitalistischen Volksrepublik um mindestens acht Prozent wachsen. Für fünf deutsche Konzerne ist China nach unseren Recherchen der größte Einzelmarkt – für BMW, Daimler, Infineon, Adidas und vor allem für Volkswagen. Die Wolfsburger verkaufen dort 41 Prozent ihrer Vier-Räder-Ware. Doch parallel zu den schönen Geschäften wachsen eben nicht nur Umsatz und Ebit – sondern auch die Abgängigkeiten vom System des Xi Jinping, des neuen Mao von Peking.

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    Zum Trend passt, dass die Europäische Union 2020 erstmals mehr Handel mit China als mit den USA trieb: 706 Milliarden Dollar gegen 669 Milliarden. Die Importe aus der Volksrepublik stiegen um 5,6 Prozent, die Exporte nach China um 2,2 Prozent. Der Donald-Trump-Abschreckungsfaktor bewirkte bei den Europäern in den Deals mit den USA dagegen ein Minus von 13,2 Prozent (Importe) und 8,2 Prozent (Exporte).

    Quelle: Thomas Kuhlenbeck
    Daimler-Chef Ola Källenius will, dass schon die nächste S-Klasse ausschließlich elektrisch fährt.
    (Foto: Thomas Kuhlenbeck)

    Wenn wir schon bei Daimler sind, oder besser bei dem, was der Konzern mit dem Stern einmal war: Im großen Wochenendreport beschreiben meine Kollegen Franz Hubik und Martin Murphy den „Umsturz von oben“. Was haben sie früher geschimpft über die Zentrale als „Bullshit Castle“, heute ist sie das „Castle Rock“ des von Innovationsfreuden angetriebenen CEO Ola Källenius. Eben erst hat er die Lkw-Sparte abgespalten, nun soll Mercedes weitaus früher als geplant verbrennerfrei werden. Die nächste S-Klasse würde tutto completto elektrisch fahren. Die „Quellen der Inspiration“ des Chefs sind die Elektro-Angreifer Nio und Tesla. Im Gespräch sagt der 51-Jährige über…

    • …den Umbruch im Konzern: „Wir müssen weg vom Verwalten des Besitzstandes – und müssen schneller werden. Es gibt zudem einen psychologischen Effekt. Daimler fokussiert sich, das setzt Energie frei.“
    • …die Firmengröße: „Mit 100 Milliarden Euro Umsatz sind wir per se kein kleines Unternehmen. Wenn ich weitere Skaleneffekte erzielen möchte, finde ich diese nicht im Verbund mit dem Lkw-Geschäft.“
    • …Alleinstellungsmerkmale: „Vor 20 Jahren war die Anzahl der Zylinder vielleicht das Kaufargument Nummer eins bei einem Luxusauto. Das ist schon lange nicht mehr so. Autobau ist Zehnkampf, das reicht vom Exterieur-Design bis zu kleineren technischen Raffinessen. Was wir besser können, ist, die beste Integration zu bieten.“

    Die Botschaft des CEO ist klar: Vergesst die Ära des Dieter Zetsche, Zukunft ist jetzt, und der Bart ist ab.

    Eine Firma namens Porsche ist bereits an der Börse. Dabei handelt es sich um die Stuttgarter Holdinggesellschaft Porsche SE. Sie hält die meisten Stammaktien am Autokonzern Volkswagen und wird von den Familien Porsche und Piëch beherrscht. Es soll aber nach internen Planspielen noch einmal eine Firma namens Porsche den IPO wagen. Bis zu 25 Milliarden Euro könnte der Verkauf von 25 Prozent des Aktienkapitals der VW-Sportwagentochter erbringen. Das Geld soll den Verantwortlichen in Wolfsburg im nächsten Jahr helfen, den technologischen Umbau zu bewältigen.

    Elektroautopionier Tesla immerhin weist bereits dreimal so viel Börsenwert auf wie Daimler, BMW und Volkswagen zusammen. Als Motivation mag den Granden im VW-Cockpit ein Avanti-Zitat des Altvorderen Ferdinand Piëch (1937-2019) dienen: „Mit Vollgas auf dem Weg nach oben – das ist mein Traum.“ Dieser Traum galt für analoge wie für digitale Zeiten.

    Quelle: dpa
    Das öffentliche Gerangel der Regierungsparteien um eine Verlängerung der Amtszeit vom Vorsitzenden Lars Feld schadet der Reputation des Sachverständigenrats.

    Viele Jahre war Bert Rürup, aktueller Präsident des Handelsblatt Research Institute, Mitglied und auch Chef der „Wirtschaftsweisen“. Das ist die Volksbezeichnung für jenen „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“, den Ludwig Erhard 1963 schuf, um Gewerkschaften zum Maßhalten zu bringen. Im „Chefökonom“ plädiert Rürup nicht für solche „Gutachter“, sondern vielmehr für Berater. Für ein „Council of Economic Advisers“, das von der jeweiligen Regierung nach Gusto bestückt wird.

    Anlass ist der aktuelle Streit um den ordoliberalen Ober-„Weisen“ Lars Feld, dessen Vertrag ausläuft und an dem sich weite Teile der SPD stören. So könnte „ein sehr guter Ökonom einer Unsitte“ der Großen Koalition geopfert werden, meint Rürup: Personalentscheidungen würden im Paket gelöst. Also: „Bekommt die eine Seite ihren Bundesrichter oder KfW-Vorstand, bekommt die andere den Chef der Finanzaufsicht oder eben ein ihr genehmes Mitglied des Sachverständigenrats“. Man nennt es auch „Kuhhandel“.

    Mein Kulturtipp zum Wochenende: „Trost. Briefe mit Max“, der Bewältigungsroman der Pandemie, die Geschichte einer Frau auf der Suche nach dem Lebenswerten im Leben mit und gegen das Virus. Die Autorin und studierte Philosophin Thea Dorn hätte auch einen Essay über das Thema schreiben können, doch die literarische Erfindung erlaubt jene Freiheitsgrade, die allen 24/7 derzeit fehlen.

    Ein Ratgeber-Buch à la „50 Wege zum Trost“ habe sie nicht verfassen wollen, sagt mir die Moderatorin des „Literarischen Quartetts“ im Interview. Aber wenn man ihr Buch genau liest, bleibt die Idee, Literatur, Musik, Gruppengefühl, Humor und ein wenig Stoizismus könnten sehr wohl helfen gegen die Generalangriffe auf die Zivilisation, wie wir sie kennen. „Solange ich da bin, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, bin ich nicht mehr da, also geht der Tod mich nichts an.“ Fast tröstlich.

    Und dann ist da noch „Perseverance“ aus dem Fuhrpark der Nasa, ein Mars-Rover, der jetzt als fünfter seiner Art auf dem Roten Planeten gelandet ist. Unternehmer wie Elon Musk oder Larry Ellison, die von Tourismusflügen zum Mars träumen, dürften die Expedition intensiv beobachten. Denn bevor dort so etwas wie eine Menschenkolonie entstehen kann, muss noch eine ganze Reihe von Robotern mit Kameras und Mikros die Oberfläche des Mars erforschen. „Perseverance“ soll etliche Jahre nach mikrobiellen Spuren suchen und zudem einen ultraleichten Mini-Hubschrauber namens „Ingenuity“ zum Fliegen bringen.

    Mit dem großen Flieger und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry lernen wir: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen – sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer.“

    Ich wünsche Ihnen ein vergnügliches Wochenende mit Zeit für Sehnsüchte.

    Herzliche Grüße

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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