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Morning Briefing Nahziel: Impfen vor Weihnachten

16.12.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

bevor heute der Shutdown beginnt, werden viele in den Innenstädten einen Showdown um attraktive Waren erlebt haben. In den Läden, Einkaufszentren, auf den Straßen – überall gab es lange Warteschlangen, brav reihte man sich ein, um letzte Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Großer Andrang auch in den Apotheken, wo Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen erstmals gratis drei FFP2-Masken erhielten. In einzelnen Fällen war schon mittags der Vorrat aufgebraucht. Insgesamt aber werden dem Einzelhandel in diesem Viren-Jahr sechs Milliarden Euro Umsatz fehlen. Und vielleicht wird man in ein paar Tagen feststellen, dass dieser shopping-technische „Super Tuesday“ corona-technisch ein Mega-Spreader-Event war.

Quelle: dpa
Passanten in der Münchener Innenstadt besorgen noch die letzten Weihnachtsgeschenke: Am Mittwoch startet wegen der Corona-Pandemie ein bundesweiter Lockdown.

Deutschland hofft in diesen Tagen nicht auf das Christkind, sondern auf den Impfstoff. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), die für die EU zuständige Zulassungsbehörde, hat jetzt den 21. Dezember als Datum für die Zulassung des Vakzins von Biontech aus Mainz genannt. „Wenn möglich“ wolle man das Verfahren an diesem Tag beenden, schrieb die EMA. Die EU-Kommission könnte dann innerhalb kürzester Zeit das Startsignal zum Massen-Impfen geben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bereits versichert, dass zwei bis vier Tage nach Zulassung mit dem Impfen begonnen werden könnte. Offenbar setzt die Regierung auf psychologische Aufbauhilfe kurz vor Weihnachten, auf Bescherung vor der Bescherung. Wir halten uns in der Not an Humor und Theodor Fontane: „Ein Optimist ist ein Mensch, der ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die er darin findet, bezahlen zu können.“

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    Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft sah Kanzlerin Angela Merkel immer als Krönungshalbjahr ihrer regierungsamtlichen Tätigkeit an, die längst Kohl’sche Dimensionen erreicht hat. Kurz vor Schluss gelang es ihr, den EU-Haushalt gegen anfängliche Opposition aus Budapest und Warschau durchzusetzen – und nun kommt womöglich ein zweiter Coup hinzu. EU und China nähern sich nach unseren Informationen in den Verhandlungen über ein Investitionsabkommen immer stärker an. Diese Woche redet man in Peking weiter, mit einer möglichen Einigung nach sieben Jahren. Brüssel erwartet allerdings, so ist zu hören, dass sich der chinesische Markt weiter öffnet. Zudem will Peking wohl nicht so viele Arbeitnehmerrechte und Investitionsschutz-Maßnahmen gewähren, wie sie die Europäer fordern. Skeptisch ist das Europaparlament. Allen voran der Sozialdemokrat Bernd Lange, Chef des Haushaltsausschusses: „Ich denke, die Chancen sind sehr gering.“

    Einflussreich ist Mitch McConnell, Mehrheitsführer der Republikaner im US-Senat. Aber ist er auch einflussreich genug, um den Spuk rund um die Präsidentenwahl zu stoppen? Der Demokrat Joe Biden habe nur mit Lug und Trug gewonnen und deshalb sei weiter dagegen zu klagen, behauptet bis zuletzt der Weiße-Haus-Bewohner Donald Trump. McConnell dagegen erkennt das jüngste Wahlleute-Votum pro Biden an und gratuliert „dem gewählten Präsidenten“. Sein bisher enger Parteifreund Trump dürfte solche Sätze als Attacke auf sein Trommelfell werten.

    Quelle: AFP
    Logos großer US-Technologiekonzerne: Die EU will ihre Marktmacht ausbremsen.
    (Foto: AFP)

    Wenn wir uns zurücklehnen und die letzten 20 Jahre nach dem Kollaps der „New Economy“ bilanzieren, drängt sich ein Schluss auf: Jeder der fünf großen amerikanischen Internetkonzerne Alphabet (Google), Facebook, Apple, Amazon und Microsoft ist inzwischen mächtiger als die meisten Regierungen dieser Welt. Sie setzen Standards, über die die anderen nur reden. Die EU tritt nun – demonstrativ furchtlos – unter Kommissarin Margrethe Vestager mit einem gesetzlichen Digitalpaket an, um diese Machtverhältnisse zu ändern. Ein „Digital Markets Act“ sowie ein „Digital Services Act“ sollen fairen Wettbewerb und einen adäquaten Umgang mit Nutzerinhalten regeln.

    So sollen die „Big Five“ verpflichtet werden, jegliche Pläne zur Übernahme europäischer Firmen anzuzeigen und gegebenenfalls auch ihre Algorithmen offenzulegen. Und sie dürfen künftig nicht die Daten ihrer Geschäftskunden auswerten, um ihnen Konkurrenz zu machen. Schließlich sollen sich die US-Giganten an Regeln halten, um „Fake News“ und „Hate Speech“ einzudämmen. Bei Verstößen drohen Strafen in der Höhe von bis zu zehn Prozent des Umsatzes – und sogar Zerschlagungen. Aus der Bonanza Europa wird für Google & Co. eine rote Zone.

    Vor einigen Tagen löste ein Textil-Deal in Nordrhein-Westfalen eher bunt gehaltene Meldungen aus. Da hatte der Modeblogger Johannes („Joe“) Laschet seine guten Verbindungen zum Werbepartner van Laack aus Mönchengladbach genutzt, um deren Schutzkleidung gegen die Unbill der Pandemie an höchster Stelle zu nennen. Und so erstand die NRW-Landesregierung die weiße Ware auch; bekanntlich regiert in Düsseldorf Joes Vater, der Christdemokrat Armin Laschet, der Wohlstandswärter an Rhein und Ruhr.

    Leider hat die Uni-Klinik Essen mit rund 40.000 Schutzkitteln made by van Laack weniger gute Erfahrungen gemacht und die Teile am Ende ausgemustert. Offizieller Klinikbefund: Sie würden „beim Anziehen schnell reißen“. Man nehme ohnehin nur Kittel aus Vlies, zertifiziert nach DIN EN ISO 10993-5. An anderer Stelle erfährt van Laack mehr Positives. Wenn es aber um ihre modischen Masken geht, wird die engagierte Werbefigur Johannes B. Kerner zum Glücks-Verheißer: „Viel zu schön, um sie nur einmal zu tragen.“

    Eine lange Betrachtung ist uns der Generationenwechsel im Essener Energiekonzern Eon wert, der gestern vom Aufsichtsrat besiegelt wurde. Das Wort „Zäsur“ ist fast noch zu schwach für den Wandel, den manche auch „Disruption“ nennen.

    • Nach mehr als zehn Jahren im Amt übergibt der 61-jährige CEO Johannes Teyssen die Geschäfte dem acht Jahre jüngeren Leonhard Birnbaum
    • Mit Deutschland-Chefin Victoria Ossadnik mischt eine Frau den traditionell männerlastigen Vorstand auf. Die einstige Microsoft-Managerin steuert das Ressort Digitalisierung.
    • Aus dem einstigen Versorger, einem Quasi-Monopolisten bei Strom und Gas, soll ein perfekter Dienstleister werden.

    „Der Wechsel war nötig, wir brauchen frischen Wind an der Spitze“, sagt uns ein Aufsichtsrat. Aber es war Teyssen selbst, der Eon nachhaltig verändert hat, zuletzt durch einen Riesendeal mit RWE. Dabei bekamen die Essener das Geschäft mit den erneuerbaren Energien von Innogy und sind seitdem zu hundert Prozent auf Netz und Vertrieb konzentriert. Der gebürtige Pfälzer Birnbaum, der auch die italienische Staatsbürgershaft hat, weiß nur zu gut, dass schon bald Erfolge von ihm erwartet werden: „Eigentlich ist es simpel: Wir müssen innovativ sein.“

    Quelle: dpa
    Der Hengst „Totilas“ (hier mit Dressurreiter Matthias Alexander Rath) galt als Wunderpferd.

    Und dann ist da noch „Totilas“, dem in seinem Leben wahre Zauberdinge nachgesagt wurden. Er galt als „Wunderpferd“ der Dressur, ein Hengst in höchsten Wert- und Preiskategorien. Top-Reiter Paul Schockemöhle kaufte das Karrieretier vor zehn Jahren für rund zehn Millionen Euro und überließ es dem Reiter Matthias Rath. Aber die beiden mussten einsehen: Die Zeit der großen Erfolge war vorbei. „Totilas“ wurde Opfer eines Hypes und übergroßen Gewinndrucks. Zuletzt war er als Deckhengst – er hat mehr als 1000 Fohlen gezeugt – sogar erfolgreicher als auf dem Dressurplatz.

    2010 war das Pferd immerhin mit einem niederländischen Reiter zweimal Einzel-Weltmeister und zudem im Team Goldmedaillengewinner geworden. Jetzt ist das frühere Leistungs-Ross im Alter von 20 Jahren an den Folgen einer Kolik gestorben. Womöglich hat Schockemöhle eine indische Weisheit nicht beachtet: „Dem Geduldigen laufen die Dinge zu, dem Eiligen laufen sie davon.“

    Ich wünsche Ihnen einen Tag mit Glück und Geduld. Es grüßt Sie recht herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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