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Morning Briefing VW-Chef Diess und seine Auto-Motor-Sport-Philosophie

29.01.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

traditionell können männliche Vorlieben oft mit „Auto, Motor, Sport“ beschrieben werden. Volkswagen spielt hier eine zentrale Rolle. In den Zeiten von Großaktionär Ferdinand Piëch (1937-2019) drückte sich das so aus, dass sein Konzern im Rennen gegen Toyota unbedingt zum verkaufsstärksten Autokonzern der Welt aufzusteigen hatte. Zur Motivation der Belegschaft sollte Wolfsburg Erster der Tabelle sein, so wie FC Bayern München im Fußball. 2016 war es tatsächlich soweit.

Nun aber, nach fünf Jahren, übernehmen wieder die Japaner. Sie verkauften 2020 rund 9,53 Millionen Autos, der VW-Konzern „nur“ 9,3 Millionen. Grund: Toyota ist wegen der starken Präsenz in den USA und China besser durch die Pandemie gekommen. Kritiker weisen zudem darauf hin, dass VW im Stammgeschäft Boden verliert.

Aber in der Post-Piëch-Ära machen sie am Mittellandkanal ohnehin eine andere Rechnung auf: Der Gewinn sowie der eigene Leistungsstand in der Elektromobilität zählen mehr. CEO Herbert Diess hat das zu seiner eigenen Auto-Motor-Sport-Philosophie gemacht – und kann sich nun auf ein Ranking des Center of Automotive Management (CAM) stützen, das unserer Redaktion vorliegt. Nach diesem Index der Innovationsstärke bei Stromautos ist Tesla die klare Nummer eins, dann aber kommt schon Volkswagen mit Modellen wie ID.4, Audi e-tron oder Porsche Taycan. Und dies trotz aller Probleme mit der Software und der Batterieleistung.

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    Der Konzern könne „das hohe Innovationstempo der Kalifornier mitgehen“, deutet unser großer Wochenendreport. Enttäuschend sei das Abschneiden von Daimler und BMW, überraschend stark das der chinesischen Anbieter BYD, Geely und BAIC, erläutert CAM-Direktor Stefan Bratzel. Für nicht wenige bei VW dürfte der zweite Platz hinter Tesla akzeptabler sein als der zweite Platz hinter Toyota.

    Quelle: Reuters
    Die europäische Zulassungsbehörde will heute über den Impfstoff von Astra-Zeneca entscheiden.

    Heute entscheidet Europas Arzneimittelbehörde EMA, ob nach Biontech/Pfizer und Moderna auch der britisch-schwedische Konzern Astra-Zeneca einen Impfstoff in der EU spritzen lassen darf. Die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut hat sich dazu schon eine Meinung gebildet. In einem 88-Seiten-Papier vom 26. Januar heißt es: „Der Covid-19-Vaccine Astra-Zeneca wird aktuell aufgrund der derzeit verfügbaren Daten nur Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen.“ Im Klartext: Ausgerechnet für die Problemgruppe der Senioren über 65 ist das erst mal nichts. Hier ist die Datenlage so dünn, dass eine ermittelte Wirksamkeit von 6,3 Prozent „statistisch nicht signifikant“ sei. Ansonsten liegt die Wirksamkeit bei 71,1 Prozent.

    Für Astra-Zeneca ist das Berliner Votum nach dem ausgeuferten Streit mit der EU ein herber Schlag. Immerhin soll heute der umstrittene Vertrag mit Brüssel, reichlich geschwärzt, veröffentlicht werden. Und der Pharmakonzern will nun doch im ersten Quartal mehr als die zuletzt kolportierten 31 Millionen Dosen liefern. Ursprünglich waren 80 Millionen Dosen verabredet worden. Den Fairnesspreis der Marktwirtschaft wird Astra-Zeneca wohl nicht mehr gewinnen. Mit Gotthold Ephraim Lessing kommentieren wir: „Beide schaden sich selbst: der, der zu viel verspricht, und der, der zu viel erwartet.“

    Clemens Fuest und Michael Hüther sind zwei bekannte deutsche Ökonomen, die sich schätzen, in der Frage der Corona-Politik aber weit auseinanderliegen. Im Handelsblatt-Streitgespräch wird das sehr deutlich. Ifo-Chef Fuest favorisiert eine „No-Covid“-Politik, bei der die Inzidenzwerte von heute knapp 100 auf unter zehn sinken sollen: „Wir befürchten, dass jetzt, sobald wir uns der 50er-Inzidenz annähern, sofort wieder Öffnungen kommen. Virologen befürchten, das könnte ein paar Wochen später zur Welle Nummer drei führen und dann zum nächsten Lockdown.“ Dagegen verweist Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, auf die hohen Opportunitätskosten: „Ich bezweifele, dass die Inzidenzzahl wirklich so relevant ist, da wir über die Dunkelziffer nichts wissen. Da sind wir im Blindflug unterwegs. Viel bedeutender ist die Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern.“ Wenigstens sind sich die beiden einig, dass der Staat selbst Impfstoff-Fabriken aufbauen und zwei Jahre später wieder versteigern könnte.

    Quelle: AP
    Junge Privatanleger bringen mit ihren organisierten Aktienkäufen die Wall-Street-Profis in Aufruhr.
    (Foto: AP)

    Ihre eigene Variante von „Occupy Wall Street“ haben jene jungen Privatanleger entwickelt, die über Plattformen wie Reddit gegen Hedgefonds zocken. So brachten sie über die App Robinhood mit konzertierten Käufen den Kurs der Video-Handelskette Gamestop auf mehr als 500 Dollar. Vorher hatten Hedgefonds über Leerverkäufe den Aktienpreis auf 2,57 Dollar heruntergeprügelt. Wall Street ist in Aufruhr. Der Discountbroker Robinhood verbot gestern den Handel mit Titeln wie Gamestop, AMC, Koos, Blackberry und Nokia. Die Folge: Kursverluste. Experten nennen drei mögliche Erklärungen für diese bizarre „Occupy Wall Street“-Story:

    • Privatinvestoren haben reichlich Liquidität und können über Social Media und Billigplattformen Märkte beeinflussen – eine Machtverschiebung.
    • Die Attacke hat die institutionellen Investoren überrascht, die über erheblich mehr Kapital verfügen. Es sei somit ein „kurzfristiges Phänomen“.
    • Der Kurskrieg rund um Gamestop weist auf eine gefährliche Blase an den Aktienmärkten, bedingt durch die einzigartige Geldschwemme der Notenbanken.

    Mohamed El-Erian, Chefberater der Allianz, greift zu einem Bild aus dem Tierreich: „Es ist ein Phänomen, bei dem der Schwanz mit dem Hund wedelt, und das eine dauerhafte Wirkung auf die Marktstruktur hat.“

    Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat ebenfalls eine Meinung zum Fall Gamestop: „Absprachen können auch einen strafbaren Marktmissbrauch darstellen.“ Die Aufseher entdecken jene Härte, die ihnen im Skandal um das Betrugsunternehmen Wirecard komplett gefehlt hat. Nun zeigt die bisherige Kuschel-Behörde sogar wegen des Verdachts auf Insiderhandel einen Mitarbeiter an, der mit Wirecard-Aktien gehandelt hatte (es ist einer von 85). Dabei hatte Bafin-Chef Felix Hufeld stets mit fester Stimme erklärt, seine Mitarbeiter hätten nichts Unrechtes getan. Was weiß dieser Mann wirklich? Selbst im Juni 2020, kurz vor Aufdeckung des Schwindels und vor der Insolvenz, glaubte Hufeld, Darling Wirecard sei das Opfer böswilliger ausländischer Investoren.

    Mein Kulturtipp zum Wochenende: die zweite Staffel von „Dickinson“ beim Streamingdienst Apple TV+ – eine ziemlich wilde, überraschende, verspielte Huldigung der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson (1830-1886). Eine Frau, die Hochzeitskandidaten aus dem Salon ihres noblen, puritanischen Elternhauses vergraulte und fast 1800 in der Tendenz großartige, meist mysteriöse Gedichte schrieb, von denen zu ihren Lebzeiten nicht mal zehn veröffentlicht wurden.

    So etwas, gerade dieser Sinn für Freiheit, gehörte sich damals nicht für eine Frau. Die Kleinstadt-Szenerie in der Zeit vor dem drohenden Sezessionskrieg liefert die Kulisse für jugendliche Sinn- und Lebenssucher, die wie heutige Hipster sprechen und zu Billie Eilish tanzen. Schön zu lesen, wie Dickinson eine Sommerwiese mit Klee auch ohne Bienen erblühen lässt: „To make a prairie it takes a clover and one bee, / One clover and a bee. / And revery. / The revery alone will do, / If bees are few.“

    Quelle: AP
    Die 22-jährige Amanda Gorman hat bereits drei Bücher auf den Bestsellerlisten von Amazon und Barnes & Noble, obwohl noch nichts veröffentlicht ist.
    (Foto: AP)

    Und dann ist da noch Amanda Gorman, poetischer Publikumsliebling bei der Amtseinführung von Joe Biden vor dem Kapitol. Drei Bücher der 22-jährigen Dichterin stehen bereits auf den Bestsellerlisten von Amazon und Barnes & Noble, obwohl noch nichts veröffentlicht ist. „The Hill We Climb: an Inaugural Poem for the Country“ macht bei Penguin Young Readers im Bertelsmann-Konzern am 16. März den Anfang. Am 21. September folgen „The Hill We Climb and Other Poems“ sowie „Change Sings: A Children’s Anthem“. Die Harvard-Absolventin schloss im Übrigen jüngst einen Deal mit der Firma IMG Models ab, die auch Kate Moss unter Vertrag hat. Und vor dem Football-Großereignis Super Bowl am 7. Februar wird sie ein Gedicht über drei Alltagshelden rezitieren, die für ihr Engagement in der Corona-Pandemie zu Ehrenspielführern ernannt worden sind. Auch die Kraft der Sprache ist ein Mittel gegen den „Blues“ der Pandemie.

    Ich wünsche Ihnen ein entspannendes, vielleicht auch leseintensives Wochenende.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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