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Morning Briefing Zurück in die „Roaring Twenties“

07.05.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

über die Zukunft haben sich viele Philosophen, Politiker und Literaten Gedanken gemacht. Einer der Klügsten war Antoine de Saint-Exupéry, der Autor von „Der kleine Prinz“: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“

In diesem Geist ist unsere Sonderausgabe zum 75. Geburtstag des Handelsblatts geschrieben. Im Zentrum stehen 75 Ideen, denen wir in den nächsten Jahren garantiert begegnen werden. Es geht um smarte Textilien, Flugtaxen, Batterie-Recycling, Quantencomputer, „Kollege Cobot“, Steuerfahndung mit Künstlicher Intelligenz, DNA-Computer, klimarobuste Pflanzen, Broker-Apps, Kernfusion, mitdenkende Pflaster, Power-to-X. Kleine und große, verrückte Sachen. Mit dieser Jubiläumsausgabe schließen wir unsere „Innovation Week“ ab.

Quelle: dpa
Auch Flugtaxis gehören zu den Ideen, denen wir in den nächsten Jahren garantiert begegnen werden.

Es spräche einiges dafür, dass die nun beginnende Zeit der Zwanziger Jahre „eine ähnliche Phase des Aufbruchs und der technologischen Durchbrüche“ sein werde, wie sie die Menschheit im 20. Jahrhundert erlebte – in den „Roaring Twenties“ also. Das schreibt Chefredakteur Sebastian Matthes in seinem Essay über die „Dekade der Disruptionen“. Die sprunghaft gestiegene Rechnerleistung und die zur Transformation zwingende Coronakrise würden das Fundament für viele Innovationen schaffen, prognostiziert er: vor allem in Medizin, Ernährung, Raumfahrt und Robotik. Matthes‘ Ausblick: „In den kommenden Jahren wird gewissermaßen das digitale Betriebssystem der Wirtschaft neu programmiert.“

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    Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup erklärt in einem Interview: „Das Wachstumspotenzial entwickelter Volkswirtschaften ist durchweg geringer als das von Schwellenländern. Deshalb sind Innovationen, also neue Produkte, Fertigungsverfahren oder Vertriebsformen, für sie die wichtigsten Treiber der gesamtwirtschaftlichen Dynamik.“ Er sagt aber auch: „Wir können Wohlfahrtsveränderungen nicht adäquat messen.“ Hierzu bräuchte es vielleicht so etwas wie das „Bruttosozialglück“ von Bhutan: „Happiness is a place.“

    Und was sind nun die größten Trends? Vier habe ich herausgesucht.

    • Da sind, erstens, die Wachstumschancen im Weltall, um die Amerikas Tech-Milliardäre Elon Musk, Jeff Bezos und Larry Ellison erbittert streiten. Sie eint ein Glaube: Der Mars soll amerikanisch werden.
    • Zweitens werden wir in ein paar Dekaden alle rund ein Viertel weniger arbeiten. Auf dass es uns allen möglich sein werde, „morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden“, wie Karl Marx so schön träumte.
    • Zum unerfreulichen Teil gehört, drittens, dass es gewichtsmäßig in den Ozeanen mehr Plastik als Fische geben wird.
    • Und schließlich steigt die global produzierte Datenmenge von 40 Zettabyte bis 2050 auf unvorstellbare 50.000 bis 500.000 Zettabyte. Alles ein bisschen wie im Shakespeare-Stück „Der Sturm“: „O, Wunder! Wie viele herrliche Geschöpfe es hier gibt! Wie schön der Mensch ist! O schöne neue Welt, die solche Bürger trägt!“
    Quelle: Reuters
    Bill Gates spricht im Handelsblatt-Gespräch über Innovationen.

    Bill Gates ist jüngst durch die Mitteilung von der bevorstehenden kostspieligen Scheidung von Ehefrau Melinda in die Schlagzeilen gekommen. Viel lieber redet der Microsoft-Mitgründer im Handelsblatt-Gespräch natürlich über Innovation. Als historisch wichtigste Neuerungen nennt er Impfstoffe, Mikroprozessoren und die „Grüne Revolution“, die Mitte des 20. Jahrhunderts vom Forscher Norman Borlaug mit ertragsstarken, krankheitsresistenten Anbausorten begonnen wurde.

    „Die deutschen Wissenschaftler und Ingenieure gehören zu den besten der Welt“, lobt der Investor und Philanthrop – und fordert eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft und Privatwirtschaft in der Grundlagenforschung. Zum Schluss mahnt Gates: Innovative Produkte oder Verfahren können ihr echtes Potenzial nicht entfalten, wenn lediglich wohlhabende Menschen oder reiche Länder Zugang dazu haben.

    Wenn es um die Künstliche Intelligenz der Zukunft geht, hat Bosch-Chef Volkmar Denner eine einfache Formel. Er will Isaac Newton, der die Gesetze der Mechanik erfand, einfach mit Johannes Kepler kombinieren, der 20 Jahre lang den Himmel beobachtete und daraus schloss, dass sich die Planeten in Ellipsen rund um die Sonne bewegen. Mehr denn je, so Denner, komme es auf die systematische Verknüpfung von physikalischen Modellen mit Daten an, ergo: auf Newton plus Kepler. Das habe vor gut 50 Jahren auch die Exaktheit der Mondlandung ermöglicht, erklärt der Bosch-Mann.

    Was kann es Besseres für den Blick nach vorn geben als ein „Dezernat Zukunft“? Die Ökonomin Philippa Sigl-Glöckner ist Direktorin der so getauften Berliner Denkfabrik. Sie strebt einen menschlicheren Kapitalismus an, mit „Würde, Sicherheit und Selbstbestimmung“. Im Einzelnen sagt die 31-Jährige im Handelsblatt-Interview über…

    • den Schatten der Marktwirtschaft: „Was falsch läuft, ist, dass 50 Prozent der Menschen hierzulande fast gar kein Vermögen haben, während die reichsten fünf Prozent 50 Prozent des Vermögens in Deutschland auf sich vereinen. Viele Märkte scheinen nicht mehr ganz so zu funktionieren wie gedacht.“
    • ihre Mission: „Ich will dazu beitragen, dass wir als Gesellschaft aufhören, unsere Werte über Bord zu werfen, sobald es ans Geld geht.“
    • ideale Staatsfinanzen: „Das soll eine Finanzpolitik sein, die endlich nicht mehr Monstranzen wie die Schwarze Null – ein Konzept, das übrigens die bilanzielle Buchführung noch nicht ganz verinnerlicht hat – vor sich herträgt.“

    Offenbar ist die Wirtschaftswissenschaftlerin schon ganz auf Fronleichnam eingestellt, wo alle Welt auf Monstranzen schaut.

    Quelle: obs
    Luna Wedler spielt die Hauptrolle in dem Instagram-Projekt "Ich bin Sophie Scholl".
    (Foto: obs)

    Mein Kulturtipp zum Wochenende: „Ich bin Sophie Scholl“, ein Instagram-Projekt der ARD-Anstalten Südwestrundfunk (SWR) und Bayerischer Rundfunk (BR). In Kurz-Videos erzählen die zwei Sender in den nächsten zehn Monaten die Geschichte der Münchener NS-Widerstandskämpferin. Sophie stand zwar nicht im Zentrum der oppositionellen Gruppe, wurde aber doch mit ihrem 1943 ebenfalls von Hitler-Schergen ermordeten Bruder Hans zum Symbol der Unbeugsamen.

    Auch in der braunen Diktatur gab es eine Wahl für den Nonkonformismus. Dieses ambitionierte Projekt macht mit Selfies, Smartphones und Schauspielern (Hauptrolle: Luna Wedler) Geschichte lebendig, insbesondere für junge Menschen. Am Sonntag wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden.

    Und dann ist da noch die schwäbische Familienunternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller, die in einem furiosen Schlussessay der Politik die Leviten liest, oft mit Verweis auf die „Buddenbrooks“. Ein erfolgreicher Innovationsstandort brauche Mut und Freiheit ebenso wie 5G oder die Entbürokratisierung der Verwaltung, formuliert sie: „Homeoffice-Quoten oder das Gendern mögen auch in Unternehmen heute zum Zeitgeist gehören. Wir sollten sie allerdings nicht zum Gradmesser von Modernität und Innovationsstärke verklären.”

    Von China könnten wir, so die Geschäftsführerin des Maschinenbauers Trumpf, Tugenden wie Entschlossenheit und Umsetzungsgeschwindigkeit bei wichtigen Projekten lernen: „Auch das ist eine Lehre aus Corona“. Wenn wir das alles nicht lernen wollen, wird es wirklich noch wie einst bei Manns Familienfirma Buddenbrooks: „Das Gute kommt immer zu spät, immer wird es zu spät fertig, wenn man sich nicht mehr recht darüber freuen kann.“

    Ich wünsche Ihnen ein erfreuliches, erholsames Wochenende, an dem das Gute hoffentlich früh fertig wird.
    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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