Morning Briefing: Warum Neubauwohnungen die neuen Stars am Markt sind
Immobilienstudie: „Lage, Lage, Energie“ und die Folgen
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!
Spätestens seit die alte Maklerweisheit „Lage, Lage, Lage“ mutiert ist zu „Lage, Lage, Energie“, sind Neubauwohnungen mit ihrer meist hohen Energieeffizienz für viele Immobilienkäufer das Maß aller Dinge. Wer hingegen das Wort „Altbau“ hört, denkt oft nicht mehr an Stuckdecken, sondern an Kältebrücken.
Gleichzeitig wird wenig gebaut in Deutschland, und das Ergebnis folgt den Regeln der Marktwirtschaft: Im zweiten Quartal 2025 sind die inserierten Kaufpreise für Neubauwohnungen in drei Vierteln der deutschen Landkreise und Städte im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das zeigt der neue Immobilienpreisindex von Empirica Regio, der unserem Datenjournalisten Ben Mendelson vorliegt. Die Daten basieren auf Immobilieninseraten von mehr als 100 Plattformen wie Immoscout 24 und Immonet.
Wie unsere Grafik zeigt, befinden sich von den fünf Landkreisen mit den höchsten Angebotspreisen für Neubauwohnungen allein vier im Großraum München, und auch Garmisch-Partenkirchen gehört noch zum erweiterten Einzugsgebiet der bayerischen Landeshauptstadt. Allerdings zeigen die Daten auch, wie stark sich die Angebotspreise im zweiten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahr verändert haben: In Miesbach sind die Preise um 8,5 Prozent gesunken, während sie in Starnberg um 5,6 Prozent gestiegen sind.
Die insgesamt größte Preissteigerung verzeichnete im vergangenen Jahr indes Potsdam mit 11,7 Prozent. In Nordfriesland sind die Preise hingegen mit 9,5 Prozent am stärksten gefallen. Im Vorjahr hatte der Landkreis, zu dem auch die Insel Sylt gehört, noch die viertteuersten Eigentumswohnungen deutschlandweit.
Und hier können Sie noch einmal nachlesen, warum auf Sylt die Immobilienpreise zuletzt noch schneller bröckelten als die Kante des Roten Kliffs.
Freundschaftsvertrag mit Benefits
Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) heute in London mit dem britischen Premierminister Keir Starmer einen umfassenden Freundschaftsvertrag unterzeichnet, dann wollen beide Länder damit auf vielen Gebieten enger zusammenrücken – vom Schüleraustausch bis hin zum militärischen Beistand bei einem Angriff.
Die politisch heikelste Frage werden Merz und Starmer wohl bewusst nur vage beantworten: Kann Deutschland im Notfall auf den Schutz britischer Atomwaffen zählen? Merz hatte bereits kurz nach seiner Wahl zum Bundeskanzler zügige Gespräche mit Paris und London über eine gemeinsame nukleare Abschreckung in Europa angekündigt.
Zusätzlich zum Bekenntnis zur Nato‑Beistandsklausel ist im Freundschaftsvertrag mit London eine Klausel zum gegenseitigen militärischen Beistand im Falle eines Angriffs von außen enthalten. Solche Klauseln existieren bereits zwischen Deutschland und Frankreich sowie zwischen Frankreich und Großbritannien.
Gut so, findet Peter Ricketts, der ehemalige Sicherheitsberater des früheren britischen Premiers David Cameron. Die Aufgabe, Europa aus seiner jahrzehntelangen übermäßigen Abhängigkeit von der US-Militärmacht zu befreien, sei so umfangreich, dass „eine enge trilaterale Zusammenarbeit in der Verteidigungs-, Sicherheits- und Außenpolitik zwischen London, Paris und Berlin unerlässlich ist“. Das schreibt Ricketts in einem Gastbeitrag für die „Financial Times“.
Jacob Ross von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) befürchtet hingegen, dass die europäische Sicherheitsarchitektur durch bilaterale Beistandsklauseln „zerfasern“ könnte. Außerdem stelle sich die Frage, was Deutschland zu einem europäischen Verteidigungspakt inklusive nuklearer Abschreckung beitragen würde.
Erfolgreiche steuerliche Forschungsförderung
Die steuerliche Förderung von Forschungsprojekten entwickelt sich zur Erfolgsgeschichte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Mannheimer Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). „Die Forschungszulage stellt heute das größte FuE-Förderprogramm für Unternehmen in Deutschland dar“, resümiert Studienautor Christian Rammer.
Die vergleichsweise unbürokratische Forschungsförderung per Steuergutschrift hatte die letzte schwarz-rote Koalition im Jahr 2020 eingeführt. Seither haben laut ZEW 19.000 Unternehmen Anträge gestellt und Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) in Höhe von mehr als 30 Milliarden Euro ganz oder teilweise geltend gemacht.
Zwar gebe es noch keine Befunde, ob die Art der Förderung für mehr FuE-Investitionen in Unternehmen sorge. Seit Einführung der Forschungszulage sei aber „ein merklicher Anstieg der Anzahl forschender kleiner und mittlerer Unternehmen“ zu verzeichnen.
Powell-Gerücht sorgt für Kurskapriolen
Aktieninvestoren erlebten gestern eine Berg- und Talfahrt: Zunächst hatten positiv aufgenommene US-Konjunkturdaten für eine freundliche Stimmung gesorgt. Für Unruhe und deutliche Kursabschläge sorgte jedoch ein Medienbericht, wonach US-Präsident Donald Trump vor der Entlassung von Fed-Chef Jerome Powell stehen soll.
Nach Trumps Dementi beruhigten sich die Märkte wieder. Am Ende schloss der US-Standardwerteindex Dow Jones 0,5 Prozent im Plus. Der technologielastige Nasdaq rückte 0,3 Prozent vor und der breit gefasste S&P 500 legte ebenfalls 0,3 Prozent zu. Für den Nasdaq war es ein weiterer Rekordschluss – der fünfte in den vergangenen sechs Handelstagen.
Bayer-Vorstandschef Anderson macht weiter
Bill Anderson bleibt für weitere drei Jahre Vorstandsvorsitzender der Bayer AG. Der Aufsichtsrat hat den Vertrag mit dem Amerikaner bis März 2029 verlängert. Handelsblatt-Chemiereporter Bert Fröndhoff hatte bereits im April berichtet, dass der Amerikaner für seinen Sanierungsjob voraussichtlich eine zweite Amtszeit erhält. Anderson will die interne Bürokratie bei Bayer radikal abbauen. So hat sich die Zahl der Management-Positionen bei Bayer praktisch halbiert, rund 11.000 Stellen wurden im Unternehmen gestrichen.
Die Arbeitnehmervertreter von Bayer tragen die Vertragsverlängerung mit. Dabei hat geholfen, dass sich beide Seiten auf ein neues Konzept zur Standort- und Beschäftigungssicherung in Deutschland geeinigt haben. Neben dem Frankfurter Bayer-Werk soll bis 2030 kein weiterer Standort geschlossen werden. Zwar wird Bayer nicht mehr wie bisher betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Standorten ausschließen. Ausscheidenden Beschäftigten werden ab 2027 aber Überbrückungsangebote gemacht.
Block-House-Chef schon wieder weg
Wo wir gerade beim Thema Disruption sind: Ein Besuch der Hamburger Steakhouse-Kette Block House ist so etwas wie die kulinarische Entsprechung einer Großen Hafenrundfahrt mit Barkasse. Beides ist seit Jahrzehnten unverändert und gerade deshalb so beliebt.
In der vergangenen Woche allerdings war ich mal wieder im Block House zu Gast und erlebte Schockierendes: Auf der Rechnung fehlte das obligatorische, von Kellner oder Kellnerin mit Kugelschreiber gemalte Smileygesicht. Dieses Gesicht kannte ich schon von den Block-House-Besuchen meiner Kindheit.
Nun hatte ich das Gefühl, am Rande eines Malstroms zu stehen und in eine dunkel tosende Tiefe zu schauen. Was würde als Nächstes folgen? Dass der Ketchup im Block House gleich auf dem Tisch steht und man nicht mehr gefragt wird, ob man welchen möchte?
Ich versuchte mir den verrutschten Standard mehr schlecht als recht damit zu erklären, dass die Inhaberfamilie Block derzeit privat einiges um die Ohren hat. Aber seit gestern habe ich eine andere Theorie. Womöglich bin ich in die Ausläufer eines titanischen Ringens zwischen den Kräften der Beharrung und des Wandels geraten.
Gestern gab die Block-Gruppe nämlich bekannt: Carsten Horn, der erst seit Februar die Geschäftsführung leitete, verlässt das Familienunternehmen schon wieder. Die Entscheidung erfolge „in bestem gegenseitigen Einvernehmen mit dem Gründer und Gesellschafter Eugen Block“. Horn selbst begründete seinen Abgang so:
„In den vergangenen Wochen habe ich erkannt, dass meine persönliche Veränderungsvorstellung für die Block-Gruppe nicht in vollem Maße mit den Gegebenheiten und strategischen Rahmenbedingungen der Unternehmensgruppe in Einklang steht.“
Sag´s doch gleich: Es waren die Smileys.
Ich wünsche Ihnen einen Donnerstag, medium well done.
Herzliche Grüße
Ihr
Christian Rickens