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Elektromobilität Macrons Dienstwagen – der DS7 Crossback E-Tense im Handelsblatt-Autotest

Der DS7 ist Frankreichs Antwort auf die deutsche Dominanz in der Oberklasse. Der Dienstwagen des Präsidenten ist schick – doch reicht das im Alltag?
30.09.2020 - 13:50 Uhr 1 Kommentar
Der DS7 ist optisch wirklich gelungen.
Schöner Franzose

Der DS7 ist optisch wirklich gelungen.

Düsseldorf Patriotismus ist in Frankreich selbstverständlich. So wurmt es die Grande Nation, dass die einheimischen Autobauer Renault und Peugeot-Citroën in der Oberklasse bislang keine Rolle spielen. Das Segment beherrschen mit Audi, BMW und Mercedes eindeutig die Deutschen. Der DS7 Crossback ist der erste Versuch, deren Dominanz zu brechen – und daher auch voller symbolischer Strahlkraft der Dienstwagen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Während französische Modemarken wie Louis Vuitton, Chanel und Hermès auf den ersten Blick am Logo erkannt werden, sorgt das DS-Emblem eher für fragende Gesichter interessierter Beobachter. „Was genau ist das für eine Marke?“, fragt der Nachbar mit prüfendem Blick.

Die Antwort ist etwas kompliziert: DS war in den 1950ern ein legendäres Citroën-Modell mit Hydropneumatik-Dämpfung, dessen Name sich von La Déesse („Die Göttin“) ableitet. 2008 wurde DS wiederbelebt, diesmal als Premiumlinie Citroëns. Bis sich Carlos Tavares, Chef des Dachkonzerns PSA, 2014 entschied, aus DS gleich eine ganz neue Marke zu schaffen.

Der Anspruch ist die Oberklasse. Dort winken die hohen Margen. Und auch bei der Elektromobilität soll DS die Avantgarde des Konzerns sein, besonders mit Blick auf den chinesischen Markt.

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    Das Ergebnis ist der DS7 Crossback E-Tense 4x4, der sich nicht nur optisch von deutschen Konkurrenten wie dem Audi Q5 oder dem BMW X5 abheben will. Preislich ist der Plug-in-Hybrid mit Allradantrieb ab 50.400 Euro selbstbewusst, aber nicht überteuert unterwegs.

    Äußerlich gibt sich der DS7 alle Mühe aufzufallen. Das Logo prangt auf dem großen, schwarzen Kühlergrill. Die LED-Leuchten an der Front sollen an Schwenkscheinwerfer der alten DS erinnern und drehen sich beim Betätigen der Zündung ein. Die Hecklinie fällt elegant ab. Und auch die Rückleuchten, vom Pyramidenmuster nach Art des Louvre durchzogen, unterstreichen den Premiumanspruch.

    Unter dem schönen Kleid kommt die Technologie für den DS7 aber aus dem Konzernbaukasten, den sich das Oberklasse-SUV mit dem Opel Grandland oder dem Peugeot 5008 teilt.

    Äußerlich hebt sich der DS7 von Konzerngeschwistern wie dem Opel Grandland und dem Peugeot 5008 ab.
    Elegante Linienführung

    Äußerlich hebt sich der DS7 von Konzerngeschwistern wie dem Opel Grandland und dem Peugeot 5008 ab.

    Der Innenraum wirkt sehr hochwertig und verspielt. Das geht manchmal zulasten der Bedienbarkeit.
    Schickes Design, komplizierte Bedienung

    Der Innenraum wirkt sehr hochwertig und verspielt. Das geht manchmal zulasten der Bedienbarkeit.

    Der Innenraum ist wie Paris: wunderschön, mitunter aber echt anstrengend. Das Pyramiden-Design hat DS konsequent durchgezogen: Vom Sitzmuster über den Startknopf bis ins Navigationssystem. Alles ist in Aluminium, Alcantara und Klavierlack gehalten, was sehr wertig wirkt. Beim Start erhebt sich eine Analoguhr des französischen Herstellers B.R.M Chronographes aus der Armatur.

    In den Details steckt Designerliebe. Selbst die Luftauslässe sind mit Strasssteinen besetzt. Das erinnert eher an Philipp Plein als an Chanel. Das opulente Innenleben ist im Vergleich mit der unterkühlten Premiumkonkurrenz mit ihrer oft schlichten Schönheit ein Alleinstellungsmerkmal.

    Über den Zwölf-Zoll-Touchscreen lassen sich Navigationssystem und Multimediaanlage problemlos steuern. Der Sound der 14 Lautsprecher, die im Innenraum verbaut sind, ist durchaus ansprechend. Hier sind die Franzosen schon die Avantgarde, die sie sein wollen.

    Wie wenig durchdacht die Anordnung der Bedienelemente im Innenraum ist, fällt leider erst beim Losfahren auf. Die Fensterheber hat DS in die Mittelkonsole verbaut (was selbst Mini aufgegeben hat), der Schalter für Fahrassistenten liegt so ungünstig hinter dem Lenkrad, dass man blind die Knöpfe drückt und hofft, den richtigen zu treffen. Und selbst das Rad für Radiolautstärke muss man erst mal finden, weil es zunächst nur wie ein weiteres Designelement wirkt.

    Einmal gestartet, offenbart der DS7 weitere Schwächen, die man nicht erwartet hätte. Bei einem Auto, das auf eine Systemleistung von 300 PS kommt, rechnet der Fahrer mit einem starken Antrieb. Doch trotz zwei Elektromotoren an den Achsen, die einen vollelektrischen Allradantrieb erlauben, fährt der große Franzose eher schleppend an. Wer zu stark aufs Gas tritt, hört vor allem den Benzinmotor, der sich brüllend zuschaltet. Richtig schnell vom Fleck kommt das Riesen-SUV mit seinen 1,9 Tonnen Leergewicht nur mit Verzögerung.

    So richtig sparsam ist der elektrische Antrieb dabei auch nicht. Auf der Kurzstrecke stehen nach einer ersten kleinen Ausfahrt über 30 kW im Display – damit scheint auch die postulierte reinelektrische Reichweite von 58 Kilometern unerreichbar. Gerade im Reichweitenvergleich mit den deutschen Plug-in-Hybrid-Konkurrenten ist da noch viel Luft nach oben.

    Das Rautenmuster beginnt in den Heckleuchten und setzt sich im Innenraum fort.
    Design bis ins Detail

    Das Rautenmuster beginnt in den Heckleuchten und setzt sich im Innenraum fort.

    Die Auflösung der Kamera ist deutlich schlechter als bei der Konkurrenz, bei der 360-Grad-Ansicht werden die Bereiche links und rechts des Autos nicht erfasst.
    Manko Kamera

    Die Auflösung der Kamera ist deutlich schlechter als bei der Konkurrenz, bei der 360-Grad-Ansicht werden die Bereiche links und rechts des Autos nicht erfasst.

    Das bestätigt sich im Pendeltest: Die rund 54 Kilometer zur Arbeit und zurück schafft der DS7 nie rein elektrisch. Bei Geschwindigkeiten über 80 Stundenkilometern schrumpft die elektrische Reichweite rapide – das haben die Stromer gemeinsam. Ein Glück, dass das Auto am Arbeitsplatz geladen werden kann.

    An öffentlichen Ladesäulen wird es mit dem DS7 mitunter kompliziert – nicht nur wegen seiner Größe. Den Ladeanschluss haben die Franzosen fahrerseitig am Heck verbaut. An öffentlichen Ladesäulen muss man daher oft gegen die Fahrtrichtung oder sehr nah an der Säule parken und das Kabel über die Motorhaube oder das Dach ziehen. Autolackierer lieben diesen Trick.

    Immerhin: Anders als viele Konkurrenten kann der DS7 mit bis zu 22 kW laden – und ist damit deutlich schneller. Das Vollladen der 13,4-kWh-Batterie kostet mich an einer öffentlichen Säule bei 38 Cent pro kWh rund fünf Euro. Da ich mittlerweile weiß, dass ich damit rund 45 Kilometer weit komme, stelle ich fest: Mit Benzin wäre ich günstiger unterwegs gewesen.

    Seine Stärken entfaltet der DS7 vor allem, wenn der 200-PS-Benziner im Sportmodus ins Spiel kommt. Erst dann bewegt er sich so dynamisch wie ein Auto der Oberklasse. Allerdings ist er dann auch weit entfernt vom Normverbrauch, der mit 1,6 Litern angegeben wird. Real sind es eher 6,4 – was in der Oberklasse ein ordentlicher Wert ist, aber deutlich mehr als versprochen.

    Da Paris die Verbrennungsmotoren irgendwann komplett aussperren will, hat PSA den DS7 – und damit auch den Präsidenten – auf alle Eventualitäten vorbereitet: Auf Wunsch hält das Auto für die Stadt eine rein elektrische Reichweite von zehn oder 20 Kilometern vor.

    Dramatisch fährt eine analoge Uhr bei jedem Motorstart aus.
    Chronograph serienmäßig

    Dramatisch fährt eine analoge Uhr bei jedem Motorstart aus.

    Weil der Ladeanschluss an der Fahrerseite angebracht ist, wird die Ladung des großen DS7 an öffentlichen Säulen unnötig kompliziert.
    Unpraktische Ladung

    Weil der Ladeanschluss an der Fahrerseite angebracht ist, wird die Ladung des großen DS7 an öffentlichen Säulen unnötig kompliziert.

    Dass die Form nicht immer der Funktion folgt, offenbart der DS beim Wocheneinkauf. Während im Schwestermodell 5008 sogar noch Platz für ein dritte Sitzreihe wäre, fällt das Dach des DS7 so flach ab, dass trotz des riesigen Volumens von 555 Litern nur vier Wasserkästen in den Kofferraum passen. Alle weiteren sind zu hoch und stoßen an die automatisch schließende Heckklappe, die sich piepend beschwert.

    Darüber hinaus nimmt die Tasche für die Ladekabel weiteren Stauraum. Eigentlich hätte der DS7 unter der Kofferraumplatte genug Platz, die Kabel dezent zu verstauen. Leider ist die Tasche genau einen Zentimeter zu hoch für diese Lücke – und muss darum doch lose im Kofferraum liegen.

    Durch die 360-Grad-Kamera, die beim Einparken helfen soll, ist der Blick so klar wie nach zwei Flaschen Bordeaux. Bei der Premiumkonkurrenz ist die Auflösung deutlich höher. Hier rächt sich der Griff in den Konzernbaukasten, denn im Vergleich mit dem Opel Corsa-e sind hier keine Unterschiede zu erkennen. Ebenfalls ärgerlich: Ein Teilbereich links und rechts des Autos bleibt tote Zone, bis man losgefahren ist. Dann braucht man die Kamerahilfe auch nicht mehr.

    Gut sind dagegen die zahlreichen Fahrassistenten, wenn man sie einmal eingeschaltet hat. Der DS Connected Pilot, ein adaptiver Tempomat und Spurhalteassistent, steuert problemlos durch jeden Stau. Vorbildlich ist auch die Ruhe an Bord.

    In einigen Momenten wünscht man sich allerdings die Hydropneumatik der alten DS zurück. Obwohl DS7 mit seinem kameragesteuerten Active Scan-Fahrwerk die gröbsten Bodenwellen vorab erkennen soll, reagiert er für meinen Geschmack deutlich zu empfindlich. Man kann nur hoffen, dass Präsident Macron einen Deckel auf seinem Café au Lait hat, wenn er über das Kopfsteinpflaster der französischen Hauptstadt ruckelt. Ein bisschen Frankophilie braucht man schon, um den DS7 aktuell der deutschen Konkurrenz vorzuziehen.

    Mehr: Das amerikanischste E-Auto der Welt – der Ford Explorer im Handelsblatt-Autotest.

    Der DS7 ist einer der wenigen Plug-in-Hybriden mit rein elektrischen Allradantrieb.
    Allradler

    Der DS7 ist einer der wenigen Plug-in-Hybriden mit rein elektrischen Allradantrieb.

    Technische Daten

    Fünftüriges SUV der Oberklasse

    • Länge: 4,57 Meter
    • Breite: 1,9 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,29 Meter)
    • Höhe: 1,62 Meter
    • Radstand: 2,74 Meter
    • Kofferraumvolumen: 555 – 1.752 Liter
    • Antrieb: 4-Zylinder-Reihenmotor
    • Systemleistung 220 kW/300 PS bei 6.000 U/min
    • maximales Drehmoment: 300 Nm bei 3000 U/min
    • Allradantrieb
    • Acht-Gang-Automatik
    • 0-100 km/h: 6,5 s
    • V/max: 240 km/h
    • Normverbrauch nach WLTP: 1,6 Liter/100 Kilometer
    • CO2-Ausstoß: 36 g/km
    • Batteriekapazität: 13,2 kWh
    • elektrische Reichweite: 58 km
    • Preis: ab 50.484 Euro
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    1 Kommentar zu "Elektromobilität : Macrons Dienstwagen – der DS7 Crossback E-Tense im Handelsblatt-Autotest"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das Konzept des Fahrzeug´s einfach nicht verstanden!!

      Der Autor scheint wohl mehr ein Fan von deutschen Premiumherstellern zu sein, was selbstverständlich nicht schlimm ist. Böse Zungen würden dagegen wohl eher von einer gewissen Hörigkeit sprechen. Neutralität sollte man jedoch als Tester immer (!) garantieren können! Verwundern sollte es dem Leser, zumindest jenem, welcher in der heutigen Zeit noch sein eigenes Hirn zum denken benutzt, jedenfalls nicht mehr, dass hier (mal wieder!), der Eindruck entsteht, dass es sich bei diesem "Test", letztlich "nur" um eine Lenkungswirkung in Richtung deutscher Automobilhersteller handelt. Weshalb nur, frage ich mich??

      Ich bin alle deutschen Premiumhersteller gefahren. Ich bin auch den DS7 bereits gefahren. Ich weiß nicht, wie der Autor zu seinem Urteil gekommen ist, offensichtlich ist jedoch, dass er das Konzept des DS7, welches eindeutig anders ist, als der ewige Einheitsbrei der sogenannten deutschen Premiumhersteller (Wobei Premium dabei grundsätzlich immer für den geforderten Preis steht!!), ganz sicher nicht verstanden hat.

      Wer wirklich ehrliche (und nicht soviel vom wesentlichen, ablenkende), Aussagen lesen will, sollte besser in den Foren von DS7 Fahrern schauen, diese wissen letztlich besser was das Auto wirklich kann oder eben nicht kann...

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