Citroën DS5 im Handelsblatt-Autotest: Der elegante Bedienungsextremist
Eine Prise Van, ein bisschen Kombi, dazu leichte SUV-Anleihen und eine schräg ablaufende Coupé-Dachlinie mit Spoilerlippe: Fertig ist der DS5. Die breiten Reifen und dicken Auspuffrohre versprechen aber optisch mehr Sport als technisch abrufbar ist.
Foto: Frank G. HeideDüsseldorf. Im Inneren unseres nachtblauen Testwagens mit der eleganten Front-Chrom-Spange ist es schon bei Dämmerung zappenduster. Klein wirkende Seiten- und Dachfenster lassen nur spärlich Licht in den überwiegend schwarz ausgestatteten und braun bestuhlten Fahrgastraum. Dunkel getönte Scheiben hinten tun ein Übriges: VIPs bleiben hintendrin unerkannt von Paparazzi.
Bescheidenheit ist eine Tugend, und die beginnt beim Citroëns DS5 bei der Beleuchtung im Dachhimmel: Vier kaltweiße LEDs sollen beim Türöffnen für genügend Licht im gesamten Innenraum sorgen – was sie bei weitem nicht schaffen. Der Fahrer- und Beifahrerfußraum wird zwar zusätzlich beleuchtet, aber das hilft nicht wirklich, um sich zurechtzufinden.
Dabei hat das Designerstück alle Möglichkeiten, sein modernes Interieur ins rechte Licht zu setzen: Die hellen Leselampen für Fahrer und Beifahrer bleiben beispielsweise immer dunkel. Nur eines von vielen Detail, das uns im Alltag mit dem Citroën nervt.
Der Citroen DS5 ist ein elegantes, aber nicht auffallend elegantes Crossover-Fahrzeug. Direkte Konkurrenten hat er praktisch nicht. Neben dem Design sichern ihm auch ungewöhnlich platzierte Bedienelemente quasi eine Alleinstellung.
Foto: PR... aber die großzügigen Außenmaße versprechen mehr als der zu eng möblierte und dadurch eng wirkende Innenraum im Alltag an Komfort und Raumgefühl einlösen kann.
Foto: PRDas Kürzel DS erinnert an eines der berühmtesten Modelle von Citroen, die DS, auch als "Göttin" bekannt. Nach ihr ist die eigenständige Edel-Submarke DS benannt, die 2013 gegründet wurde, um an die alte Oberklasse-Tradition der Marke anzuknüpfen.
Foto: CitroenSchöne Details: Ungewöhnliches Dunkelblau in der Außenlackierung und auffallende Felgen. Dazu eine sehr elegante Chromspange, die von den Frontscheinwerfern in den Scheibenrahmen übergeht.
Foto: Frank G. HeideDie Aluminiumteile haben eine wunderbare geprägte Wabenstruktur. Die Farbkombination des Testwagens aus viel schwarz mit braunem Leder ist Geschmacksache, es gibt Alternativen. Dass sich neben einigen Ledereinsätzen viel Kunststoff im Inneren befindet entspricht nicht dem Oberklasse-Anspruch der Marke DS. Aber immerhin sind alle Oberflächen in Softtouch mit geprägter Optik ausgeführt, so ein bisschen wie feine Dinosaurierhaut.
Foto: Frank G. HeideEine Prise Van, ein bisschen Kombi, dazu leichte SUV-Anleihen und eine schräg ablaufende Coupé-Dachlinie mit Spoilerlippe: Fertig ist der DS5. Die breiten Reifen und dicken Auspuffrohre versprechen aber optisch mehr Sport als technisch abrufbar ist.
Foto: Frank G. HeideDer Eindruck täuscht, es geht im DS 5 leider nicht so luftig zu, wie die insgesamt drei Glasdächer es andeuten.
Foto: PRDass der XXL-Kaffeebecher im Handschuhfach mehr schlecht als recht Platz findet ist nicht im Sinne des Erfinders. Letzterer hat aber alle anderen Cupholder so klein konstruiert, dass nur Mokkatässchen hineinpassen.
Foto: Frank G. HeideRot-weiß leuchten die wichtigsten Displays. Dass sie nicht optimal ablesbar sind, ist halb so schlimm, wenn man das optionale HUD bestellt. Es projiziert, fast wie bei einem Kampfjet, die wichtigsten Informationen direkt ins Sichtfeld des "Piloten".
Foto: Frank G. HeideIm Innenraum hat Citroen viel Aluminium verarbeitet, was die Wertigkeit des mindestens 31.500 Euro teuren DS5 unterstreicht. Die Limited Edition 1955 lässt sich ohne Probleme in den Business-Limousinen-Preisbereich um 44.000 Euro konfigurieren.
Foto: Frank G. HeideFür die hochwertigste Ausstattung mit Semianillinleder veranschlagen die Franzosen 3.200 Euro extra. Dem Preis entsprechend ist alles sehr hochwertig und gut verarbeitet, zeigt nette Kontrastnähte und eine ungewöhnliche Optik. Bitte nicht vergessen: Die absolut empfehlenswerte Sitzmassage für beide Vordersitze als Extra zu ordern.
Foto: Frank G. Heide2013 gegründet, soll die Marke 2017 ihr erstes eigenes Auto auf den Markt bringen. Bis dahin ist der DS5 das größte Modell. An den hydropneumatischen Federungskomfort der alten DS kann das neue Modell aber auch nach dem Facelift nicht heranreichen.
Foto: Frank G. HeideZwei individuelle Sitzpositionen lassen sich über Memoryfunktion abspeichern, die Sitzmassage trägt ihren Teil zur Entspannung oder Belebung des Fahrerlebnisses bei. Schade, dass keiner der Funktionsschalter beleuchtet ist.
Foto: Frank G. HeidePassanten wird das breite und sportlich wirkende Heck vermutlich besser gefallen als dem Fahrer innen. Denn der muss beim Blick über die Schulter mit schlechter Übersicht fertig werden. Die Rückfahrkamera hat einen sehr kleinen Monitor und lässt sich Zeit, bis sie das Bildsignal überträgt.
Foto: Frank G. HeideSo schlecht die Übersicht nach hinten raus ist, so gut ist die Übersicht vorne. Die Dreiecksfenster zwischen Seiten- und Frontscheibe haben genau die richtige Größe.
Foto: Frank G. HeideWir fanden das Lenkrad zu sportlich und zu groß, den Monitor in der Mitte zu klein und viele Schalter nach langem Suchen nur da, wo nur eingefleischte Citroen-Fans sie erwarten.
Foto: Frank G. HeideSo genanntes Kurvenlicht hatte auch die göttliche DS früher schon. Beim DS5 heißt die aktuelle Technologie LED Vision und kombiniert in mitlenkenden Scheinwerfern Xenon-Scheinwerfer mit LED-Modulen. Die Blinker zeigen sich als effektvolles Lauflicht, eingebaut sind außerdem LED-Nebelscheinwerfer mit statischem Abbiegelicht und ein Fernlichtassistent.
Foto: Frank G. HeideSo wird im Auto gar nicht darauf hingewiesen, dass man erst die Sitzflächen der Rücksitze nach vorn klappen muss, um durch anschließendes Umlegen der Rückenlehnen eine ebene Ladefläche zu erhalten.
Foto: Frank G. HeideDer große Diesel im Testwagen leistet 180 PS und schafft maximal 400 Newtonmeter Drehmoment. Dabei ist er ganz auf entspannend-komfortable Fahrweise ausgelegt. Die Sechsgangautomatik schaltet sanft. Eine Start-Stopp-Automatik hilft, den Dieseldurst in Grenzen zu halten.
Foto: Frank G. HeideWirklich billige Plätze gibt es nicht im DS5, aber die Beinfreiheit hinten ist doch von der Gnade der Vorderleute abhängig. Und wie bei so vielen angeblich fünfsitzigen Fünftürern gilt: es sind natürlich nur vier echte Türen und vier echte Sitzplätze.
Foto: Frank G. HeideDas künstlerisch verfremdete DS-Logo vorne können viele Betrachter gar nicht erst erkennen bzw. entziffern. Die umfangreiche Verchromung der Designelemente wertet das Crossover-Modell auf. Die weit in die Karosse hineingezogenen Scheinwerfer und die auffällige Chromspange darüber strecken die Linienführung.
Foto: Frank G. HeideNur bedingt. Die Heckscheibe ist klein, ihr Rahmen ist groß, die Verdunklung wirksam gegen neugierige Blicke von außen. Das Oberlicht am Heck lässt nur wenig Licht herein. Kurz gesagt: Rund um die C-Säule gibt es deutlich übersichtlichere Autos als den DS5.
Foto: Frank G. HeideDie Analoguhr mit der stark spiegelnden Scheibe passt irgendwie nicht ins Auto. Die DS würde den deutschen Premiumwettbewerbern gerne in die Parade fahren, aber mit dem zu kleinen Monitor, den versteckten Bedienelementen und den tristen Kunststoffflächen wird das nur schwer gelingen.
Foto: Frank G. HeideDas Lenkrad erschien uns zu groß und zu sportlich, der Monitor des Infotainments als zu klein und die Analoguhr bleibt in der großen Kunststofffläche des Armaturenbretts ein Fremdkörper.
Foto: Frank G. HeideDer Automatik-Wählhebel zeigt eine sehr kleine Beschriftung, beleuchtet ist hier leider gar nichts. Die Schalter für die elektrischen Fensterheber liegen ebenfalls in der Mitte, wo die meisten sie seit den 80er Jahren nicht mehr vermuten.
Foto: Frank G. HeideDer rote Faden der Bescheidenheit führt den Fahrer weiter übers Armaturenbrett zur Mittelkonsole. Wo ist der Start-Knopf für den Motor? Zumindest nicht neben der Schlüsselfassung. Wo ist der Menüpunkt „Sync“, der eine gleichzeitige Temperatureinstellung beider Klimazonen erlaubt? Quel malheur, wir finden ihn nicht.
Wo ist die Pause-Taste im Touchscreen-Menü für die Medienwiedergabe? Sie bleibt verschwunden. Mon dieu, auch den USB-Anschluss haben die Franzosen erfolgreich verborgen, ein schwarzes Loch vor schwarzem Hintergrund im hintersten Winkel der Mittelkonsole.
Und, was anfangs am schlimmsten ist, warum ist nicht einmal die Fahrstufenskala am Wahlhebel beleuchtet? Sacre bleu, wie soll man so in der dunklen Tiefgarage erkennen, ob man den Rückwärtsgang drin hat? Erst mal gar nicht. Auch die Rückfahrkamera braucht so ihre Zeit, bis sie ein Bild anzeigt.
Dabei ist sie noch schnell im Vergleich zur Feststellbremse, die nach der automatischer Aktivierung der Berganfahrhilfe widerwillig und nach reichlich Abwägung die Hinterräder freigibt. Ein Kollege betätigt sie gleich mehrfach, weil sich angesichts der Wartezeit der Eindruck einer Fehlbedienung aufdrängte. Was dann zu noch längerer Wartezeit führt. Uns kommen Szenen eines cholerisch gestikulierenden Louis de Funès in den Sinn: „Was? Oooh! Wie? Neiiiin!“
Immerhin, wer die DS-Bedienung meistert, hat Spaß auf Kosten unbedarfter Mitfahrer. Der Unterhaltungswert ist für Eingeweihte groß, wenn sie Passagiere darum bitten, doch mal kurz die Scheibe neben sich herunterzulassen. Nach dem ersten Griff ins Leere an der Tür kreisen die suchenden Blick in immer größeren Radien um die Tür, ehe sie an der Mittelkonsole hängenbleiben. Aha, sie sind also da, wo Mercedes sie in den 80er Jahren hatte.
Möchte der Beifahrer sich, wie der Fahrer, den Rücken massieren lassen, so greift er enttäuscht ins Leere. Diese Funktion hat nur einer der beiden Vordersitze, für 590 Euro extra. Honi soit qui mal y pense.
Das künstlerisch verfremdete DS-Logo vorne können viele Betrachter gar nicht erst erkennen bzw. entziffern. Die umfangreiche Verchromung der Designelemente wertet das Crossover-Modell auf. Die weit in die Karosse hineingezogenen Scheinwerfer und die auffällige Chromspange darüber strecken die Linienführung.
Foto: Frank G. HeideCitroën zeigt mit der Anordnung und dem Design vieler Schalter, dass wir Autofahrer echte Gewohnheitstiere sind. Das beweist uns der DS5 auch mit der Sitzheizung, deren Schalter sich am Sitz selbst befindet und so unbeleuchtet im Dunkel bleibt wie die Fahrstufenskala. Hat man sie endlich gefunden, braucht sie eine kleine Ewigkeit, um aus dem Sitz auch nur den Ansatz einer wohlig warmen Sitzunterlage zu machen.
Doch wo so viel Schatten ist, muss auch Licht sein. Ungewöhnlich gut finden wir zum Beispiel, dass der Testwagen ein (optionales) Head-up-Display hat, das uns während der Fahrt die wichtigsten Funktionen auf eine kleine Kunststoffscheibe projiziert, ohne dass wir den Blick vom Verkehr abwenden müssen. Chapeau!
Doch dann das Déjà-vu: Der Bedienknopf fürs HUD liegt unter der Decke. Klar, in der unnötig breit ausfallenden Mittelkonsole war ja kein Platz mehr wegen der Fensterheber.
Für die hochwertigste Ausstattung mit Semianillinleder veranschlagen die Franzosen 3.200 Euro extra. Dem Preis entsprechend ist alles sehr hochwertig und gut verarbeitet, zeigt nette Kontrastnähte und eine ungewöhnliche Optik. Bitte nicht vergessen: Die absolut empfehlenswerte Sitzmassage für beide Vordersitze als Extra zu ordern.
Foto: Frank G. Heide
Runde Geburtstage legendärer Automobile werfen ihre Schatten voraus. 2015 jährt sich die Vorstellung des Citroen DS zum 60. Mal. Die Limousine setzte formal wie technisch Meilensteine, wie die Botschafterin aus einer fernen automobilen Zukunft. Das Auto erhielt unmittelbar nach der Präsentation am 5. Oktober 1955 die Kosenamen „die Göttliche“ (la déesse).
Foto: PRDie DS repräsentierte nicht nur die Marke, sondern die gesamte französische Autoindustrie für zwei Jahrzehnte im automobilen Oberhaus. Freilich verhielt sich die aufwendige Technik der DS oftmals weniger göttlich als vielmehr gerne garstig.
Foto: PRCitroen war seit jeher die Marke der Avantgarde. Bereits Firmengründer André Citroen hatte mit seinen Fahrzeugen stets technische Innovationen verknüpft. So war die Limousine „Traction Avant“ als erster PKW der Welt mit Frontantrieb 1932 in Serie gegangen.
Unmittelbar nach dem Krieg verband der 2CV automobilen Minimalismus mit kultigen Fahreigenschaften zum erfolgreichen Großserienprodukt. Anfang der Fünfziger reifte der Plan, für den besonders formal in Jahre gekommenen „Traction Avant“ einen Nachfolger zu schaffen, der die Innovationskraft und den Mut der Marke zu deren Umsetzung besonders nachhaltig umsetzen sollte.
Foto: PRWährend in den frühen Fünfzigern die prägenden stilistischen Merkmale amerikanischer Autos wie Heckflossen, Panoramascheiben oder üppige Chromzier auch das Gros europäischer Autos, wenn auch im verkleinerten Maßstab beherrschte, entschieden sich der verantwortliche Designer Flaminio Bertoni für eine extrem futuristische, aerodynamisch ausgeklügelte Form für das künftige Flaggschiff. Die vier Meter lange viertürige Limousine warf mit ihrem fließenden Heckabschluss alle gängigen Normen über den Haufen.
Foto: PRFür den Antrieb waren im Lauf des langen DS-Lebens ausschließlich Reihenvierzylinder zuständig. Zur Premiere genügte ein 1,9-Liter mit 55 kW / 75 PS. 140 km/h Höchstgeschwindigkeit galten vor 60 Jahren als ausgezeichneter Wert.
Foto: PRHerausragendes technisches Merkmal des DS war jedoch die hydropneumatische Federung. Sie überragte andere technische Neuerungen wie innenliegende Scheibenbremsen an der Vorderachse, Zweikreisbremsanlage mit einer Zentralhydraulik, die die Bremskraft mit Hochdruck servo-unterstützte.
Foto: PRAußergewöhnlich wie die Fahrwerkstechnik war auch der Karosserieaufbau, der sich grundlegend von den meisten anderen Fahrzeugen unterschied. Die tragende Karosseriestruktur war mit einem Plattformrahmen, der als Fahrgestell diente, verschweißt. Hauben, Türen, Dach und Kotflügel waren als nichttragende Teile mit der Struktur verschraubt.
Ungewöhnliche Wege ging Citroen auch bei den Werbemaßnahmen, die Aerodynamik und Fahrkomfort betonten.
Foto: PRAls diese Aufnahme 1959 entstand, war die Göttliche längst ein Bestseller, auf den auch viele Wettbewerber neidisch blickten.
Foto: PRDie Hydropneumatik übernahm quasi die Arbeit klassischer Federn und Dämpfer. Das System arbeitete automatisch als Niveauregulierung. Es verlieh der DS unter den Aspekten des Fahrkomforts Qualitäten, die sogar die automobile Elite der Zeit aus den Häusern Rolls Royce und Mercedes Benz übertrumpfen konnte. Beide Hersteller erwarben augenblicklich das Patent der Hydropneumatik von Citroen.
Foto: PRErstmals kamen bei einem Großserienfahrzeug zur Reduzierung des Gewichts große Mengen von Leichtmetall und Glasfaserverstärktem Kunststoff zum Einsatz. Die Motorhaube der DS war seinerzeit das größte aus Aluminium gefertigte Karosserieteil.
Foto: PRDie Vierzylinder erstarkten in angemessenen Schritten. Die Buchstabenkombination „ie“ in den letzten Versionen DS 21 ie und DS 23 ie (126 PS) lieferten den Hinweis auf eine D-Jetronik von Bosch, die in den Siebzigern die Rolle der Gemischaufbereitung übernommen hatte.
Foto: PRGewöhnlich war aus damaliger wie aus heutiger Sicht an der DS eigentlich gar nichts.
Foto: PRNach Angaben der Pressestelle von Citroen sollen bereits am Abend des 5. Oktober 1955 rund 12.000 Bestellungen für eine DS vorgelegen haben. Citroen bot das Fahrzeug als viertürige Limousine „Berline“ an und in drei verschiedenen Kombiversionen. Hier im Bild: Ein SM als Staatslimousine.
Foto: PREin in kleiner Stückzahl gefertigtes Cabrio rundete das Modellportfolio ab. Es zählt heutzutage bei Sammlern zu den gesuchtesten Citroen-DS-Exemplaren, für das sechstellige Summen aufgerufen werden.
Foto: PRDarüber hinaus schneiderten im Laufe der Modellgeschichte zahlreiche Spezialfirmen unterschiedlichste Versionen von der Staatlimousine bis zum Coupé.
Foto: PRSo vielseitig das Angebot und so zeitgemäß die technische Ausstattung war, so gerne offenbarte die Göttliche auch ihre dunkle Seite. Vor allem die technisch anspruchsvolle Hydropneumatik bereitete den Kunden jede Menge Verdruss. Doch angesichts der technischen und formalen Ausnahmestellung drückten die Fans der DS lieber ein Auge zu, als sich automobiler Einheitsware zuzuwenden.
Foto: PRIn den Siebzigern hatte die Zeit die DS schließlich doch eingeholt. Mit dem CX stellte Citroen bereits im Spätsommer 1974 das Nachfolgemodell vor. Wieder als Limousine und extrem geräumigem Kombi und natürlich mit einer hydropneumatischen Federung. Die Ölkrise mahnte schließlich sparsame Motoren an, was das Ende der geplanten Spitzenmotorisierung durch einen 170 bis 180 PS starken Wankelmotor bedeutete.
Auch die Fertigung musste deutlich rationeller als bei der DS ausfallen. Geräumig und komfortabel gelang es dem CX bis zum Produktionsende 1991 nach 1.170.645 Einheiten die Fahne der Marke in der Obernklasse noch einigermaßen hoch zu halten.
Foto: PRDer XM, von 1989 bis 2000 produziert, verlor dagegen rasch an Boden in einer besonders imageträchtigen Fahrzeugklasse, die das deutsche Trio Mercedes E-Klasse, BMW Fünfer und Audi A6 immer stärker dominierte. Es nutze Citroen auch wenig, dass schließlich beim XM als Topmotorisierung ein Dreiliter-V6 mit 200 PS zum Einsatz kam, denn hartnäckige Qualitätsprobleme, vor allem bei elektronischen Bauteilen hatten bereits ab 1992 zu drastischen Verkaufseinbrüchen geführt.
Foto: PR2005 wagte Citroen mit dem C6 den Letzten Versuch, in der Oberklasse Fuß zu fassen. Doch der Versuch, die technische Schmach des XM durch konzentrierte Qualität zu tilgen und an die guten Tage des CX und vor allem an die glorreichen der DS anzuknüpfen, scheiterte. Bis 2012 baute Citroen vom C6 gerade 23.384 Einheiten.
Foto: PRDoch der Nimbus DS wird am Leben erhalten, soll sogar zur luxuriösen Nebenmarke von Citroen ausgebaut werden. Die neuen DS-Modelle versuchen, ebenso wie das Concept Car Divine DS, zumindest beim Design den Anschluss an die avantgardistische Ahnenreihe zu halten.
Foto: PREine DS umwehte stets das Image kultivierter Individualität und gehobener Klassenlosigkeit. In Filmen spielte die DS mehr Hauptrollen als die Bardot, Deneuve oder Signoret zusammen. Nachdem Anfang 1976 die letzte von 1.456.115 DS als Krankenwagen vom Band gelaufen war, endete eine Ära. Die Nachfolger der DS konnten nie wirklich an den Erfolg der „Göttlichen“ anknüpfen.
Foto: PRNun gehört es bei der französischen Marke aber seit 1955 zur Tradition, en passant vieles anders zu machen als andere Marken. Das wurde klar, als die erste DS präsentiert wurde, der beste Citroën aller Zeiten, und zu Recht auch heute noch einfach als die Göttliche bekannt.
Heute beschwört die seit 1975 zum PSA-Konzern zählende Marke diese glorreiche Vergangenheit mit Absichtserklärungen und seit 2013 mit der Submarke DS. Doch der Anspruch ist hoch, und die Gemeinsamkeiten mit dem göttlichen Erbe noch verschwindend gering. Als erster merkt das ein Passant an, der sieht, wie wir den Testwagen in Empfang nehmen. Er bleibt stehen, schaut lange auf den Citroën, der auch noch „Limited Edition 1955“ heißt, und meint: „Früher waren die mal richtig schön.“
Das Lenkrad erschien uns zu groß und zu sportlich, der Monitor des Infotainments als zu klein und die Analoguhr bleibt in der großen Kunststofffläche des Armaturenbretts ein Fremdkörper.
Foto: Frank G. HeideWeil Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt, sagen wir dazu mal nur cést la vie. Und nehmen die andere große DS-Errungenschaft unter die Lupe: Den sagenhaften Federungskomfort, der dank Hydropneumatik den Begriff Fahren wie Gott in Frankreich prägte. Übrig geblieben ist davon freilich nichts, die chice Hülle des modernen DS verbirgt seinen harten Kern.
Schlechter Asphalt wird akustisch wie auch physisch an alle Insassen durchgereicht, der Federungskomfort erinnert an einen laienhaft auf sportlich getrimmten Golf. Vor allem bei langsamer Fahrt fühlt sich alles unnötig hart und rumpelig an.
Andererseits ist die Geräuschkulisse bei hohen Reisegeschwindigkeiten deutlich besser, weil ruhiger als der Durchschnitt. Unterm Strich hatten wir beim Flaggschiff der Marke, die die Hydropneumatik erfunden hat, ein wenig mehr erwartet als gehobenen Durchschnittskomfort.
Herausstechen kann auch die Diesel-Spitzenmotorisierung nicht. Mit dem 133 kW starken Diesel ist der BlueHDI 180 Automatik gut unterwegs, es gebricht ihm nie an Leistung. Aber die 400 Newtonmeter maximales Drehmoment, die ab 2.000 Umdrehungen zur Verfügung stehen, drängen sich auch nie auf. (Motor-)Sport sollen andere treiben, dieser Franzose ist ganz der entspannten Fortbewegung verpflichtet. Alternativ stehen für den DS5 auch ein 120- und ein 150-PS-Diesel sowie zwei Benziner mit 165 oder 210 PS zur Wahl.
Das Lenkrad ist für unseren Geschmack optisch zu sehr auf Sport getrimmt, denn der Crossover aus Van und Coupé ist vieles, aber kein Sportwagen. Außerdem ist das unten extrem abgeflachte Volant schlicht zu groß geraten. Großen Fahrern wird so das Erreichen der optimalen Sitzposition erschwert. Kleine Fahrer bemängeln, dass sie die im Lenkrad liegenden Knöpfe schlecht erreichen. Die Lenkung selber ist leichtgängig, fast schon nervös.
Der Automatik-Wählhebel zeigt eine sehr kleine Beschriftung, beleuchtet ist hier leider gar nichts. Die Schalter für die elektrischen Fensterheber liegen ebenfalls in der Mitte, wo die meisten sie seit den 80er Jahren nicht mehr vermuten.
Foto: Frank G. HeideUnterwegs fällt uns schnell auf, dass es an kleineren Ablageflächen mangelt, dafür gibt es aber ein riesiges Staufach in der Mittelkonsole, in das man seinen Arm bis zum Ellenbogen versenken kann, um nach herumpolternden Kleinkram zu fischen.
Wir hatten mittig fatalerweise mal einen vollen XXL-Kaffeebecher platziert, der im dafür vorgesehenen Platz in der Seitentasche nicht halten wollte. Dort passen nur Espressotässchen hinein. Natürlich schwankt und und kippt das Gefäß schon in der ersten Kurve. Die Sauerei bewies: Das Staufach in der überbreiten Mittelkonsole ist nicht nur gekühlt, sondern auch wasserdicht. Das schwarze Gold schwappt munter plätschernd hin und her. Sich ausbreitender Koffeinduft regt uns zu erneuter Verbalhysterie à la de Funès an: „Neiiin! Doch? Oooh!“
Passanten wird das breite und sportlich wirkende Heck vermutlich besser gefallen als dem Fahrer innen. Denn der muss beim Blick über die Schulter mit schlechter Übersicht fertig werden. Die Rückfahrkamera hat einen sehr kleinen Monitor und lässt sich Zeit, bis sie das Bildsignal überträgt.
Foto: Frank G. HeideAuch hinten gibt es Verbesserungsbedarf: So wird im Auto gar nicht darauf hingewiesen, dass man erst die Sitzflächen der Rücksitze nach vorn klappen muss, um durch anschließendes Umlegen der Rückenlehnen eine ebene Ladefläche zu erhalten, die 1.288 Liter schluckt. Bleiben die Sitze aufrecht, so passen aber nur magere 468 Liter in den Kofferraum obwohl das Fahrzeug stolze 4,53 Meter lang ist.
Unauffällig verrichtet die Automatik ihren Dienst. Die Gänge werden sanft gewechselt, allerdings vermissten wir die Paddles, um das vom Lenkrad aus selber tun zu können. Eine Start-Stopp-Automatik hilft wirksam dabei, den Verbrauch zu reduzieren. Wir blieben im Alltag rund zwei Liter über den als Norm genannten 4,5 Litern Durchschnitt. Beschleunigung und Drehmomententwicklung sind nicht von schlechten Eltern, aber keinesfalls so, dass sie deutsche Premiumwettbewerber in Verlegenheit bringen könnten.
2013 gegründet, soll die Marke 2017 ihr erstes eigenes Auto auf den Markt bringen. Bis dahin ist der DS5 das größte Modell. An den hydropneumatischen Federungskomfort der alten DS kann das neue Modell aber auch nach dem Facelift nicht heranreichen.
Foto: Frank G. HeideDS-Markendirektor Yves Bonnefont sagt, der Anspruch des Wagens sei, wieder an die französische Oberklasse anzuknüpfen. Und eine einzige Gemeinsamkeit mit der göttlichen DS hat er, der DS5: Er ist definitiv en vogue für Andersfahrer, die Spaß am Design und Umdenken haben. Es muss ja nicht alles besser oder praktischer sein. Seine ungewöhnliche Form allein sichert ihm schon eine gewisse Alleinstellung.
Ein billiges Vergnügen ist er aber nicht, unter 31.500 Euro Einstandspreis ist nichts zu machen. Die von uns gefahrene Limited Edition 1955 als „BlueHDI 180 Start&Stop EAT6“ lässt sich mit Leichtigkeit auf mehr als 42.000 Euro konfigurieren.
Dieser innen zu eng möblierte Mittelklasse-Citroën, der mit seinen Chromelementen äußerlich Haute Couture zeigt, wird auch nach seinem Facelift im Straßenbild ein Exot bleiben, der kaum schöner, aber viel stimmiger sein könnte. Bei vielen Kleinigkeiten dominiert der Eindruck, Citroën will es nicht unbedingt besser machen, Hauptsache anders. Der Fahrer wird es schon noch lernen, während der hart gefederte Wagen ihn so durchrüttelt, dass er die richtigen Stellen im Touchscreen nicht trifft. Unverständlich bleibt, warum eine Hydropneumatik – wie im C5 – für den DS5 noch nicht mal für Geld und gute Wort zu bekommen ist.
Es stimmt schon: Wir Deutsche haben einen enormen (überzogenen?) Anspruch an das möglichst perfekte Auto, bei dem jedes Detail passen soll. Andere Nationalitäten sagen „Laissez-faire“, verstecken Bedienknöpfe, sparen beim Licht. Wer solche Exotik entspannt goutiert, darf seine Baskenmütze schwenken und „Vive la France“ jubelnd auf den DS5 abfahren.