Tesla, Streetscooter, BMW: Für welche Automarken die meisten Elektroprämien gezahlt werden
Der elektrische Kleinwagen Zoe ist das Elektroauto, das in Deutschland die meisten Förderanträge produziert.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Die Bundesregierung will den Kauf von elektrischen und halbelektrischen Fahrzeugen fördern. Deswegen hat sie im Juli 2016 beschlossen, für Autos mit Batterie, Brennstoffzelle und Plug-in-Hybride einen zusätzlichen staatlichen Bonus auszuzahlen – auch Umweltbonus genannt.
Für rein batterieelektrische Fahrzeuge betrug dieser Bonus 4000 Euro, der jeweils zur Hälfte vom Bund und den Autoherstellern übernommen wurde. Bei Plug-in-Hybriden – also Autos, die sowohl einen Verbrennungsmotor als auch einen elektrischen Antrieb an Bord haben – betrug der Umweltbonus 3000 Euro. Allerdings galt für beide Fahrzeugarten ein Höchstpreis von 60.000 Euro. Lag der Wert des Wagens darüber, entfiel der Bonus der Regierung.
Der Knackpunkt: Die Prämie war bisher nur bedingt erfolgreich. Am 1. Januar 2019 waren etwa 83.200 Elektroautos in Deutschland zugelassen und damit weit weniger als die angepeilte Million Elektroautos, die bis 2020 auf deutschen Straßen fahren sollten.
Nun soll der Deckel entfallen. Künftig werden also auch teure Elektroautos mit einer Kaufprämie bedacht. Beim Autogipfel in Berlin Anfang November 2019 wurde darüber hinaus beschlossen, die Auszahlung der Prämie bis 2025 zu verlängern und zu erhöhen.
Für Autos mit einem Listenpreis unter 40.000 Euro sollen 6000 Euro für reine Elektroautos und 4500 Euro für Plug-in-Hybride fließen. Bei höherpreisigen Autos sollen 5000 Euro (Elektroautos) und 4000 Euro (Plug-in-Hybride) ausgezahlt werden.
Für die Förderung ab 2020 sind Bundesmittel in Höhe von 2,09 Milliarden Euro vorgesehen. Nach Informationen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) profitieren dabei einige Hersteller deutlich mehr als andere. Eine Übersicht, bei welchen Herstellern die Prämien im Jahr 2019 angekommen sind:
(Stand: 31. Oktober 2019)
Platz 10 – Mercedes Benz – 6993 beantragte Kaufprämien
Der elektrische Start der Schwaben verlief holprig. Schon kurz nach dem Produktionsstart musste der elektrische SUV EQC für einen Rückruf in die Werkstatt. Den Großteil der Förderprämien machen ohnehin die halbelektrischen Plug-in-Hybridmotoren aus. Förderfähig sind A-, C- und E-Klasse. Die S-Klasse war halbelektrisch bislang noch zu teuer, um gefördert zu werden. Doch auch 2020 dürfte sich die Aufholjagd der Schwaben schwierig gestalten. Nur die Transporter erhalten ein elektrisches Update.
Der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel das einzige reine Elektroauto seiner Premiummarke Mercedes-Benz, den EQC 400 4Matic.
Foto: ReutersPlatz 9 – Kia – 7054 beantragte Kaufprämien
Der koreanische Automobilhersteller gehört hierzulande zu den Elektrogrößen. Mit dem e-Soul und dem elektrischen Niro haben sie zwar reine Elektroautos im Angebot. Den kompakten SUV Niro und den Optima erhalten Kunden auch mit halbelektrischem Plug-in-Hybridmotor. Da alle Modelle deutlich unter der Preisgrenze von 60.000 Euro angeboten werden, kommen die Koreaner bislang in den vollen Genuss des Umweltbonus.
Der e-Soul war das erste reine Elektromodell der Koreaner.
Foto: ReutersPlatz 8 – Hyundai - 9184 beantragte Kaufprämien
Die Kia-Schwestermarke hat mit dem Ioniq und dem Kona zwei Modelle, die mit reinem Elektroantrieb oder Plug-in-Hybrid erhältlich sind. Darüber hinaus gehört Hyundai mit dem Nexo zu den Wasserstoffpionieren. Gerade der Ioniq soll die Zahl der Anträge steigern. Die Neuauflage im Herbst 2019 kommt auf eine Reichweite von 311 rein elektrischen Kilometern. Der Preis: bei einer erhöhten Prämie wird der Wagen vermutlich unter 30.000 Euro kosten.
Der Ioniq ist in drei Antriebsvarianten erhältlich: Als Hybrid, als Plug-in-Hybrid und rein elektrisch.
Foto: HandelsblattPlatz 7 – Tesla – 9781 beantragte Kaufprämien
Der kalifornische Elektropionier fiel über Jahre aus dem gesetzlichen Rahmen der Kaufprämie. Model S und Model X waren schlicht zu teuer. Eine abgespeckte Version kam beim Kunden kaum an und wurde schließlich gestrichen. Der Staat forderte von den Kunden sogar Kaufprämien zurück. Mit dem Model 3 und den neuen Regeln für die Kaufprämie werden nun auch Tesla-Fahrer finanziell unterstützt. Bis heute konnten 4875 Käufer des Model 3 eine Kaufprämie kassieren.
Mit dem Model 3 kommt der Elektropionier auch in den Genuss der deutschen Kaufprämie.
Foto: dpaPlatz 6 – Mitsubishi – 10.698 beantragte Kaufprämien
Der rein elektrische i-Miev des japanische Automobilherstellers war schon Geschichte, bevor die Elektroprämien eingeführt wurden. Dass die Japaner trotzdem einen hohen Anteil an den beantragten Prämien haben, geht auf das Konto eines einzigen Modells: Der Mitsubishi Outlander ist unter den SUVs mit Plug-in-Hybrid ein echtes Schnäppchen. In den Niederlanden war das Modell für ein Jahr das meistverkaufte Auto. Auch in Deutschland hat der halbelektrische Japaner viele Anhänger.
Der Outlander gehört zu den beliebtesten Hybrid-Modellen Deutschlands.
Foto: HandelsblattFür die Lieferfahrzeuge von Streetscooter ist die Kaufprämie für Elektroautos nicht nur ein Geschenk.
Foto: dpa
Platz 5 – Streetscooter – 11.224 beantragte Kaufprämien
Der Lieferwagen der Deutschen Post ist rein elektrisch unterwegs und damit durchaus erfolgreich. Allerdings ist die Elektroprämie für den kleinen Hersteller nicht unbedingt ein Segen. Da die Hälfte durch den Hersteller selbst finanziert und nicht durch Autos mit Verbrennungsmotor „subventioniert“ werden kann, sind die Preise im Vergleich zu der Transporter-Konkurrenz etablierter Anbieter weniger wettbewerbsfähig. Im preissensiblen Transportsegment ist das von Nachteil.
Die kleinen Elektroflitzer von Daimler werden ab der kommenden Generation in China gebaut.
Foto: ReutersPlatz 4 – Smart – 15.846 beantragte Kaufprämien
Die kleine Daimler-Tochter ist mit dem Smart EQ für einen Großteil der elektrischen Verkäufe des Konzerns verantwortlich. Sowohl der Smart forfour, als auch der Smart fortwo landen im Vergleich der beantragten Förderprämien weit vorne. Allerdings ist die Zukunft des kleinen Stromers chinesisch. Die nächste Generation, die 2022 auf den Markt kommt, soll dann in China gebaut werden.
Der E-Golf soll perspektivisch durch den ID.3 abgelöst werden.
Foto: ReutersPlatz 3 – Volkswagen – 16.724 beantragte Kaufprämien
Der größte deutsche Autohersteller bereitet sich auf die Elektrorevolution vor. Mit dem ID.3 will der Konzern seine Offensive starten und in den kommenden Jahren zum größten Hersteller von Elektroautos aufsteigen. In der aktuellen Statistik tauchen die neuen Modelle noch nicht auf. Den größten Anteil an den bisher beantragten Förderprämien haben daher der e-Golf und der halbelektrische Golf GTE. Darüber hinaus bietet der Konzern auch den kleinen Up als Elektroauto an. Der Passat ist als GTE-Version zu haben.
Der elektrische Kleinwagen Zoe ist das Elektroauto, das in Deutschland die meisten Förderanträge produziert.
Foto: HandelsblattPlatz 2 – Renault – 19.506 beantragte Kaufprämien
Kein Elektroauto in Deutschland zählt so viele Anträge auf Förderprämie wie das Modell Renault Zoe. Zusammen kommen die Modellvarianten auf fast 15.000 Anträge – doppelt so viele wie der VW E-Golf. Damit sind die Franzosen in Deutschland weit vorne. Im Vergleich der Hersteller reicht es aber nur für Platz zwei.
Die Münchener kassieren sowohl bei reinen Elektroautos als auch bei Plug-in-Hybriden.
Foto: dpaPlatz 1 – BMW – 24.113 beantragte Kaufprämien
Der Automobilhersteller aus München hat als reines Elektroauto nur das Modell i3 im Angebot. Der macht mit 7138 Anträgen aber nur etwa ein Drittel der Förderprämien aus, die bislang beantragt wurden. Die anderen Anträge gehen auf das Konto der halbelektrischen Varianten von 2er, 3er und 5er, die gerade bei Flottenkunden großen Anklang finden. Bislang ist BMW damit größter Profiteur der Kaufprämie.
Nun steht noch die Frage im Raum: Wie bekomme ich als Kunde die Umweltprämie ausgezahlt? Alle wichtigen Fragen von Fördervoraussetzungen bis zum Einreichen des Verwendungsnachweises liefert das Bafa online.