1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Langsamer als im EU-Durchschnitt: Deutsche Arbeitskosten legten 2021 um 1,2 Prozent zu

BeschäftigungNoch keine Lohn-Preis-Spirale: Arbeitskosten steigen langsamer als im EU-Schnitt

Die Arbeitskosten legten 2021 nach einer IMK-Studie um 1,2 Prozent zu. In einer Branche aber ist Deutschland teurer.Frank Specht 05.07.2022 - 10:00 Uhr Artikel anhören

Im verarbeitenden Gewerbe hat Deutschland im EU-Vergleich die vierthöchsten Arbeitskosten hinter Dänemark, Belgien und Schweden.

Foto: dpa

Berlin. Die Arbeitskosten in der Privatwirtschaft in Deutschland sind im vergangenen Jahr nach einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) um 1,2 Prozent gestiegen und haben sich damit vergleichsweise moderat entwickelt.

„Die von manchen beschworene Preis-Lohn-Spirale ist bislang kein Thema“, sagt Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK, das zur gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gehört. Durch die Lohnentwicklung drohe auch keine Gefahr für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, betonen die Studienautoren.

Im ersten Coronajahr 2020 hatten die Arbeitskosten, zu denen neben dem Bruttolohn auch die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen, die Aufwendungen für Aus- und Weiterbildung und bestimmte Steuern zählen, noch um 2,2 Prozent zugelegt. Im Durchschnitt der EU-Länder stiegen die Arbeitskosten im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent und damit etwas stärker als hierzulande. In der Euro-Zone legten sie um 1,0 Prozent zu.

Unter den EU-Ländern lag Deutschland nach Daten des europäischen Statistikamts Eurostat im vergangenen Jahr mit Arbeitskosten von 37,30 Euro pro Stunde an siebter Stelle hinter Dänemark, Luxemburg, Schweden, Belgien, Frankreich und Österreich, wo Beträge zwischen 37,70 Euro und 48,30 Euro fällig wurden.

Im besonders im internationalen Wettbewerb stehenden verarbeitenden Gewerbe rangierte Deutschland aber mit Arbeitskosten von 41,90 Euro pro Stunde im EU-Vergleich auf Rang vier – nach Platz drei im Vorjahr.

Die Arbeitskosten in Deutschland seien vergleichsweise moderat gestiegen, obwohl viele Unternehmen wegen der anhaltenden Coronapandemie und der Lieferkettenprobleme auch im vergangenen Jahr noch auf Kurzarbeit gesetzt hätten, schreiben die IMK-Forscher. Diese erhöht tendenziell die Arbeitskosten, weil die Lohnkosten in der Regel nicht proportional zu den Arbeitsstunden sinken.

Aussagekräftiger als die Arbeitskosten sind aber ohnehin die Lohnstückkosten, die die Arbeitskosten ins Verhältnis zur Produktivitätsentwicklung setzen. Sie legten 2021 um 0,8 Prozent zu – nach 3,4 Prozent im Vorjahr. Nehme man beide Pandemiejahre zusammen, seien die Lohnstückkosten im Jahresdurchschnitt um 2,1 Prozent gestiegen.

Damit hätten sie fast genau dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) entsprochen, das eine Preissteigerung von 2,0 Prozent vorsieht, schreiben die Forscher. Trotz des vergleichsweise kräftigen Anstiegs 2020 hätten die Lohnstückkosten seit der Jahrtausendwende im Jahresschnitt nur um 1,3 Prozent zugenommen – und damit langsamer als im Durchschnitt der übrigen Mitglieder der Euro-Zone mit 1,9 Prozent.

Kumuliert lag die Entwicklung der Lohnstückkosten hierzulande seit dem Jahr 2000 demnach um 5,3 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt des Euro-Raums.

Dass von einer Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Lohnstückkosten keine Rede sein könne, zeige schon der enorme deutsche Leistungsbilanzüberschuss, der sich 2021 auf 238 Milliarden Euro oder 6,7 Prozent der Wirtschaftsleistung belief, heißt es in der Studie weiter.

>> Lesen Sie den Kommentar des Handelsblatt-Chefökonomen: Die Welt wird neu geordnet – und das ist teuer

Verwandte Themen
EZB
Deutschland
Europäische Union

Da sich das wirtschaftliche Umfeld durch die Pandemie und den Ukrainekrieg drastisch verändert habe, werde es künftig aber stärker darauf ankommen, die Binnennachfrage zu stärken. „Eine Lohnentwicklung, die sicherstellt, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am gesellschaftlichen Wohlstandsfortschritt auch in diesen Zeiten des Wandels ausreichend partizipieren, ist hierfür unerlässlich.“

IMK-Direktor Dullien weist aber darauf hin, dass die derzeit hohen Inflationsraten nicht allein mit Mitteln der Lohnpolitik ausgeglichen werden können: „Hier wird die Wirtschaftspolitik als Ganzes gefragt sein.“ Direkte Entlastungszahlungen an Haushalte mit niedrigen bis mittleren Einkommen würden Druck aus den Tarifverhandlungen nehmen und das Risiko reduzieren, dass doch noch Preis-Lohn-Spiralen in Gang kommen, so Dullien.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt