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Coronakrise Erst wenig Corona-Hilfen für die Reisebranche bewilligt

Die Corona-Überbrückungshilfen für Unternehmen laufen Ende August aus. Dabei wurden allein für die Reisebranche deutlich weniger als 50 Prozent der beantragten Mittel bewilligt.
24.08.2020 - 12:58 Uhr Kommentieren
Von den negativen Folgen der Coronakrise stark betroffen sind auch Reisebüros und Reiseveranstalter. Quelle: dpa
Demonstration in Dresden

Von den negativen Folgen der Coronakrise stark betroffen sind auch Reisebüros und Reiseveranstalter.

(Foto: dpa)

Berlin Aus dem Milliardentopf für Corona-Überbrückungshilfen an besonders betroffene Firmen ist bisher nur wenig bei der Reisebranche angekommen. Wie das Bundeswirtschaftsministerium auf Anfrage des Handelsblatts mitteilte, wurden in der Reisebranche (Beherbergungsgewerbe, Gastronomie, Reisebüros, Reiseveranstalter) insgesamt 11.691 Anträge mit einem Volumen von 299,2 Millionen Euro gestellt. Bewilligt wurden demnach Anträge mit einem Volumen von 113,9 Mio. Euro.

Die staatlichen Überbrückungshilfen laufen bisher bis Ende August. Die Antragsfrist war bis Ende September verlängert worden, Zahlungen sind auch rückwirkend möglich.

Der Grünen-Tourismuspolitiker Markus Tressel forderte angesichts der schwierigen Lage der Reisebranche Nachbesserungen bei den staatlichen Hilfen. „Damit die Strukturen der Touristik weiterhin bestehen bleiben, müssen die Überbrückungshilfen verlängert und dahingehend angepasst werden, wo sie die Rechts- und Wirtschaftsformen der Touristik noch nicht zielführend erreichen“, sagte der Bundestagsabgeordnete dem Handelsblatt. „Nur so können die Arbeitsplätze und die Infrastruktur erhalten bleiben.“

Die FDP sieht ebenfalls Handlungsbedarf. „Wenn wir unsere mittelständischen Touristikunternehmen, die gut gewirtschaftet haben und unverschuldet in diese Krise geraten sind, retten wollen, muss Schwarz-Rot jetzt sofort nach der Sommerpause eine Verlängerung der Überbrückungshilfen auf den Weg bringen“, sagte der Tourismusexperte der Liberalen, Marcel Klinge, dem Handelsblatt.

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    Zugleich mahnte Klinge einen verantwortungsvollen Umgang mit staatlichen Hilfen ab. „Die Gewährung einer weiteren Milliarde Staatskredite für Tui - ohne daran geknüpfte Auflagen - hat zu Recht viele Mittelständler in der Branche verärgert, die bis heute auf zielgenaue Hilfen warten.“

    Auch der Reiseverband trommelt für eine Verlängerung der Hilfen. „Um einer massiven Insolvenzwelle vorzubeugen und gerade spezialisierten mittelständischen Unternehmen den Fortbestand zu sichern, ist es dringend geboten, dass die derzeitigen Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen mit deutlichen Umsatzeinbußen mindestens bis Ende des Jahres fortgeschrieben und entsprechend angepasst werden“, sagte Verbandspräsident Norbert Fiebig dem Handelsblatt.

    Fiebig sprach von einer „besonderen Betroffenheit der Branche“. Nicht zuletzt wegen der weiterhin geltenden Reiseeinschränkungen werde es noch einige Monate oder Jahre dauern, bis die Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben würden.

    Länder wollen Verlängerung der Hilfen

    Mehrere Bundesländer wollen derweil eine Verlängerung der Überbrückungshilfen für den Mittelstand. „Wir fordern gemeinsam mit den norddeutschen Ländern, aber auch Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eine Verlängerung bis mindestens Jahresende“, sagte Kai Stührenberg, Sprecher der Bremer Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke), dem Handelsblatt. Vogt hat derzeit den Vorsitz der Wirtschaftsministerkonferenz inne.

    Das Thema Überbrückungshilfen des Bundes steht auch auf der Tagesordnung einer für Mittwochabend geplanten Videokonferenz der Länderwirtschaftsminister mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Beraten werden soll auch über ergänzende Hilfsangebote für besonders betroffene Unternehmen sowie über eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes. Zudem werden Berichte des Bundeswirtschaftsministeriums zum Konjunkturprogramm der Bundesregierung und zur Verlängerung der Insolvenzregelungen erwartet.

    Laut der Bremer Senatswirtschaftsverwaltung benötigen in bestimmten Branchen wie etwa im Bereich Messen und Veranstaltungen Unternehmen weiter „dringend“ Hilfen, damit diese die Krise überleben können. „Besonders betroffen ist nach wie vor die Hotellerie und Gastronomie, wo fast jedes Unternehmen Umsatzausfälle von mehr als 25 Prozent erwartet“, erklärte der Sprecher der Wirtschaftssenatorin. Auch in den anderen Branchen wie Verkehr, Logistik, Einzelhandel und Industrie werde die Lage weiterhin angespannt sein.

    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) macht sich inzwischen für eine Verlängerung der Corona-Hilfen bis Ende des Jahres stark. Das erfuhr das Handelsblatt aus dem Wirtschaftsministerium. Die Nachrichtenagentur dpa hatte zuerst darüber berichtet. Gerade der Mittelstand und seine Beschäftigten bräuchten weiterhin dringend Hilfe, um die schwierige Zeit zu überstehen, hieß es demnach aus dem Ministerium. In den von den Einschränkungen besonders betroffenen Bereichen sei die Lage weiter ernst.

    Für die direkten Soforthilfen hat der Bund 25 Milliarden Euro vorgesehen. Unterstützt werden sollen vor allem Soloselbstständige sowie kleine und mittelständische Firmen aus Branchen wie der Reisewirtschaft, dem Hotel- und Gaststättengewerbe oder den Schaustellern, die weiter erhebliche Umsatzeinbußen haben.

    Mehr: Warten auf den Wumms: Viele Förderprogramme hängen fest.

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