Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Coronakrise Stau im Stall: Bauernverband fordert Termin für Neustart von Tönnies

Wann bei Tönnies wieder geschlachtet werden kann, bleibt weiter unklar. Der Bauernverband schlägt Alarm: Er will Planungssicherheit.
08.07.2020 - 09:08 Uhr Kommentieren
Wann in dem Werk wieder gearbeitet werden kann, ist weiter unklar. Quelle: dpa
Fleischfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück

Wann in dem Werk wieder gearbeitet werden kann, ist weiter unklar.

(Foto: dpa)

Berlin Die anhaltende Schließung der Fleischfabrik Tönnies im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück stellt die Landwirtschaft vor wachsende Probleme. „Die Bauern brauchen Planungssicherheit“, sagte Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, dem Handelsblatt. „Daher muss jetzt ein Starttermin für die Wiederaufnahme des Schlachtbetriebs festgelegt werden.“ Das sei dringend nötig, da jeder zusätzliche Tag den Betrieben große Probleme bereite.

Schlachtwirtschaft und Schlachtviehvermarkter müssten sicherstellen, dass die schlachtreifen Tiere verteilt werden, sagte Krüsken weiter. „Die Fleischwirtschaft muss jetzt die notwendigen Hygienemaßnahmen mit Hochdruck umsetzen.“

Derzeit können aufgrund der Schließung von Tönnies nach Angaben des Bauernverbandes 70.000 Schweine pro Woche nicht geschlachtet werden. Tönnies ist der größte Schlachtbetrieb für Schweine in Deutschland, in seinem Werk in Rheda-Wiedenbrück werden normalerweise 25.000 Schweine täglich geschlachtet.

Doch eine Wiedereröffnung des Werks ist nach dem Corona-Ausbruch Mitte Juni weiterhin nicht absehbar. „Ich wage keine Prognose, wann das Werk wieder arbeiten kann“, sagte der Landrat von Gütersloh, Sven-Georg Adenauer (CDU), am Montag.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Den Takt geben die Behörden vor“, machte Adenauer klar. „Das Unternehmen hat das zu tun, was das Gesetz fordert.“ Er habe Verständnis, dass die Landwirte unter Druck seien. Aber die Gesundheit habe oberste Priorität. Alle Bereiche des Werks würden derzeit abgegangen, sagte Adenauer. Man sei in konstruktiven Gesprächen, doch Tönnies werde erst dann wieder aufgemacht, wenn davon weder für die Mitarbeiter noch für die Bevölkerung eine Gefahr ausgehe.

    Forderung nach schrittweiser Öffnung

    Anne Bunte, Leiterin der Abteilung Gesundheit im Landkreis Gütersloh, erklärte, es handele sich um den größten Ausbruch des Virus in einem fleischverarbeitenden Betrieb nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Am 16. Juni waren erste Tests gemacht worden, einen Tag später war bereits in mehreren Hundert Fällen das Virus nachgewiesen worden. Danach war der Schlachtbetrieb bis auf Weiteres gestoppt worden. Insgesamt wurden im Kreis Gütersloh bislang 2.467 laborbestätigte Corona-Infektionen erfasst.

    Auch der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) kritisierte die Planungsunsicherheit für die Bauern. Auch wenn die Gesundheit der Beschäftigten und der Bevölkerung vor Ort bei allen Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens weiterhin oberste Priorität habe, müsse 14 Tage nach Schließung des Schlachthofs die Frage erlaubt sein, warum immer noch nicht klar ist, wann der Betrieb in Rheda – zumindest schrittweise – wieder aufgenommen werden könne, hieß es bereits am Freitag. Ein vergleichbares Problem im Westfleisch-Schlachthof Coesfeld hätten Politik, Verwaltung und Unternehmen vor Kurzem innerhalb von gut einer Woche gelöst.

    Die Schweinezucht in Deutschland ist in der Regel genau getaktet: Die Sauen werden gedeckt, ihre Ferkel aufgezogen, an Züchter verkauft, gemästet und dann weiter an den Schlachter gegeben, weil sie Platz für die nächsten Tiere machen müssen. Jetzt stauen sich die Schweine im Stall. Nach Angaben von Bauernvertretungen ist es den Landwirten möglich, die Tiere einige Zeit länger auf den Höfen unterzubringen – doch diese Zeit läuft zunehmend ab. 

    Grafik

    Eine einfache Lösung für das Dilemma gibt es nicht. „In fast allen Betrieben mussten die Tierzahlen vor allem bedingt durch die Infektionsschutzauflagen reduziert werden“, heißt es beim Verband der Fleischwirtschaft (VDF) auf Nachfrage. Hinzu komme aktuell die Urlaubszeit, die den Arbeitnehmern nach monatelangem Durcharbeiten wegen der Reisebeschränkungen nicht verwehrt werden könne. Dadurch seien auch die Arbeitskapazitäten derzeit stark begrenzt. Betriebe, die vielleicht genügend Arbeitskräfte hätten, lägen wiederum an ihrer zulassungsbedingten maximalen Produktionsgrenze. „Die beste Lösung wäre, wenn der Betrieb in Rheda schnellstmöglich wieder anlaufen könnte.“

    Die Coronakrise habe erneut die massiven Probleme in der Fleischindustrie verdeutlicht, sagte Katrin Wenz, wissenschaftliche Mitarbeiterin Agrarpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND). Vor allem die die Megaschlachthöfe führten nicht nur zu langen Transportwegen und Tierleid, sondern auch zu massiven Verstößen gegen das Arbeitsrecht und bei den Hygienemaßnahmen.

    Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) müsse endlich beginnen, die Tierhaltung umzubauen, forderte der BUND. „Dazu gehören auch dezentrale kleine Schlachthöfe, damit die Wertschöpfung für Landwirte erhöht wird und Tiere weniger leiden.“

    Mehr: Ein Schlachtbetrieb kann erfolgreich sein, wenn er seine Mitarbeiter fest anstellt. Das beweist die Firma Brand aus Lohne, die nun expandiert.

    Startseite
    Mehr zu: Coronakrise - Stau im Stall: Bauernverband fordert Termin für Neustart von Tönnies
    0 Kommentare zu "Coronakrise: Stau im Stall: Bauernverband fordert Termin für Neustart von Tönnies"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%