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Deutsche BahnBahn will pünktlicher und wirtschaftlicher werden – wieder mal

Der Bahn-Vorstand hat sein neues Sanierungsprogramm vorgelegt. Teile des Aufsichtsrats äußern Kritik – müssen sich aber selbst Vorwürfe gefallen lassen.Josefine Fokuhl, Christoph Schlautmann 19.09.2024 - 18:57 Uhr Artikel anhören
Volle Bahnsteige, verspätete Züge wie hier in Hamburg: Die Bahn steht massiv in der Kritik und gelobt Besserung – nimmt sich dafür drei Jahre Zeit. Foto: IMAGO/Nikita

Berlin, Düsseldorf. Die Deutsche Bahn reagiert auf die massive Kritik der vergangenen Monate: Am Mittwoch hat der Vorstand dem Aufsichtsrat des Staatskonzerns ein neues Sanierungsprogramm vorgelegt.

In drei Feldern will sich die Bahn in den kommenden drei Jahren deutlich verbessern: Infrastruktur, Betrieb und Wirtschaftlichkeit. Bahn-Chef Richard Lutz sagte in Berlin, man wolle endlich dahin kommen, wo man schon vor Jahren hätte sein wollen: „Einen stabilen Eisenbahnbetrieb, eine funktionierende Infrastruktur.“

Die Maßnahmen wurden erarbeitet, nachdem Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) nach der desaströsen Halbjahresbilanz des Konzerns konkrete Forderungen an das Management der Bahn gestellt hatte. Wissing hatte mehrere Bereiche definiert, in denen die Bahn seiner Ansicht nach erhebliche Fortschritte erzielen müsse. Auch der Verkehrsminister schien nach langer Zeit mit seiner Geduld am Ende.

Bis 2027 will jetzt der Vorstand die „Leistungsfähigkeit der Schiene“ wiederherstellen. In diesem Zeitraum sollen infrastrukturbedingte Verspätungen um 20 Prozent gesenkt werden. Zudem plant die Deutsche Bahn eine Verbesserung der Pünktlichkeit im Fernverkehr auf 75 bis 80 Prozent. Zuletzt meldete die Deutsche Bahn für den August eine Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr von nur noch 60,6 Prozent.

„Die Sanierung von Infrastruktur und Betrieb sowie die wirtschaftliche Erholung des Unternehmens sind klar formulierte Ziele, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Gatzer. Der Aufsichtsrat erwartet nun ein konkreteres Gesamtprogramm für die Sitzung im Dezember und will die Fortschritte laut Gatzer kontinuierlich begleiten.

Deutsche Bahn

Alle drei Monate ein Bericht – Wissing erhöht Druck auf die Bahn

Derzeit läuft bereits eine Generalsanierung wichtiger Streckenkorridore, die mit der Riedbahn im Juli begann, der Schienenverbindung zwischen Frankfurt und Mannheim. 40 sogenannte Hochleistungskorridore sollen folgen. Dadurch soll die Infrastruktur weniger störanfällig werden und Züge wieder pünktlicher fahren. Allerdings zeichnet sich jetzt schon ab, dass die Arbeiten an der Riedbahn teurer werden als geplant, wie das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen erfuhr.

Zusätzlich zu der schon geplanten Sanierung der Infrastruktur sollen störanfällige Anlagen im gesamten Bahnnetz ausgetauscht werden, insbesondere 200 alte Stellwerke. Dafür legt die Bahn eigens ein Sofortprogramm auf.

Um die wirtschaftliche Lage zu verbessern, hat sich die DB zum Ziel gesetzt, bis 2027 ein operatives Ergebnis (Ebit) von zwei Milliarden Euro zu erwirtschaften. Außerdem soll die sogenannte Tilgungsdeckung, also das Verhältnis von operativem Cashflow zu adjustierten Nettofinanzschulden, von 5,2 Prozent 2023 auf zwölf Prozent bis 2027 gesteigert werden.

Im Fernverkehr sollen dafür neue Kundenangebote, unter anderem im Geschäftskundenbereich, geschaffen werden. Der grenzüberschreitende Verkehr soll attraktiver werden. Außerdem will die Bahn die Auslastung ihrer Züge erhöhen. Zu den Sparmaßnahmen gehört, dass Investitionen in Zugflotten und Werke in den nächsten drei Jahren zurückgefahren werden. Auch die Personalaufwandsquote soll von heute 52 Prozent auf 50 Prozent gesenkt werden.

Vor wenigen Wochen hatte die Bahn angekündigt, in den nächsten Jahren 30.000 Stellen zu streichen. Schon dieses Jahr soll es 1500 Jobs weniger im Konzern geben. Nach den jetzt vorgelegten Plänen will der Konzern sein Personal in zwei Phasen reduzieren. So sollen bis 2027 Stellen in den Bereichen Verwaltung und Vertrieb abgebaut werden.

„Entlassungen sind nicht vorgesehen, die Regelungen zur Beschäftigungssicherung gelten uneingeschränkt weiter“, heißt es. Genutzt werden sollen die natürliche Fluktuation, der konzerninterne Arbeitsmarkt und eine freiwillige Altersteilzeit.

Gewerkschaft kritisiert fehlende Transparenz beim Jobabbau

Im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung am Mittwoch zeigte sich jedoch Gatzers Vize und Chef der Eisenbahner-Gewerkschaft EVG, Martin Burkert, vom Sanierungskonzept enttäuscht. „Die Aufsichtsratssitzung hat leider keine ausreichende Transparenz zum geplanten Stellenabbau bei der Deutschen Bahn gebracht“, monierte Burkert. „Wir vermissen klare Aussagen.“

Für die Arbeitnehmer sei klar: Beim betriebsnotwendigen Personal dürfe es keine Personaleinsparungen geben. Es seien jetzt schon zu wenige Kolleginnen und Kollegen für den laufenden Betrieb. „Überstunden sind draußen die Regel“, sagte Burkert.

Auch kritisierte Burkert, der DB-Vorstand könne nicht nachvollziehbar darstellen, wie er die Ziele des Sanierungsprogramms erreichen wolle. Das gelte auch für die dringend notwendige Erneuerung von 200 Stellwerken.

Ebenfalls gebe es keinen nachvollziehbaren Plan, wie die hochdefizitäre Güterbahntochter DB Cargo wieder in die Gewinnzone kommen soll, monierte Burkert.

Die EU-Kommission hatte der Bahn untersagt, ab dem Jahr 2025 ihren Schienengüterverkehr aus Wettbewerbsgründen weiterhin zu subventionieren. Da die Konzerntochter seit Jahren Verluste in dreistelliger Millionenhöhe einfährt – im ersten Halbjahr 2024 waren es 261 Millionen Euro –, steht die weitere Finanzierung daher auf der Kippe. „Ohne mehr Güter auf der Schiene keine ökologische Verkehrswende“, mahnte Burkert.

Kritik am Aufsichtsrat der Deutschen Bahn

Kritik am Sanierungsplan kam auch vom verkehrspolitischen Sprecher der Union, Thomas Bareiß. „Die letzten drei Jahre waren für die Bahnfahrer leider verlorene Jahre“, so Bareiß.

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Bemängelt wird inzwischen auch die Arbeit des Aufsichtsrats der Bahn, wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr. Das Kontrollgremium trage eine Mitschuld an der derzeitigen Situation, weil es seine Rolle nicht gewissenhaft genug ausgefüllt habe, heißt es in Berlin.

Doch die Kritik an seiner Arbeit hielt den Aufsichtsrat des kriselnden Konzerns nicht davon ab, in seiner Sitzung am Mittwoch die Verträge von zwei Bahn-Vorständen um jeweils fünf Jahre zu verlängern: Michael Peterson (Vorstand für den Fernverkehr) und Evelyn Palla (Regionalverkehr) bleiben damit weiter im Amt

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