Energiekrise: „Wir stellen uns auf Unterbrechungen der Gasversorgung ein“ – Industrie hofft auf zusätzliche Kohlekraftwerke
In der Praxis erweist sich die Inbetriebnahme als schwierig.
Foto: HandelsblattBerlin. Für Gilles Le Van ist die Sache klar: „Wir müssen alle verfügbaren heimischen Reserven ausschöpfen. Es müssen zum Beispiel die bestehenden und verfügbaren Kohlekraftwerke ans Netz gehen“, sagte der Vorsitzende des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) dem Handelsblatt. Der VIK ist die Stimme der großen, energieintensiven Unternehmen in Deutschland. Er repräsentiert rund 300 Unternehmen, die für etwa 80 Prozent des industriellen Energieverbrauchs stehen.
Die im VIK zusammengeschlossenen Unternehmen setzen sich dafür ein, dass möglichst schnell sehr viele eingemottete Kohlekraftwerke wieder ans Netz gehen. Denn das senkt den Gasverbrauch und dämpft das Strompreisniveau. Doch in der Praxis erweist sich die Inbetriebnahme von Kohlekraftwerken als schwierig. Le Van fordert: „Die sehr bürokratischen Vorschriften zur Wiederinbetriebnahme müssen kurzfristig gelockert werden.“
Grundsätzlich ist auch die Ampelkoalition der Auffassung, dass in der jetzigen Engpass-Situation Kohlekraftwerke aus der Reserve geholt werden müssen. Darum trat Anfang Juli das Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz in Kraft.
Auf Basis des Gesetzes können Verordnungen erlassen werden, mit denen zusätzliche Kohle- und Ölkraftwerkskapazitäten temporär an den Strommarkt zurückkehren dürfen. Ziel ist es, Erdgaskraftwerke zu verdrängen.