Energieversorgung: Dreht Russland am Gashahn, um Nord Stream 2 zu erzwingen?
Ein Wegweiser steht vor der Erdgasempfangsstation der Ostseepipeline in Mecklenburg-Vorpommern.
Foto: dpaBerlin. Für Oliver Krischer ist die Sache klar: „Gazprom und Putin haben die Gaslieferungen in Richtung Westen gekürzt, um die unnötige Pipeline Nord Stream 2 schneller und an den europäischen Spielregeln vorbei in Betrieb zu nehmen“, sagte der Grünen-Fraktionsvize dem Handelsblatt.
Ähnlich sieht das Sergej Sumlenny, früherer Leiter des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in der Ukraine. Putin weigere sich, mehr Gas über die Ukraine zu verkaufen. „Die Ukraine hat davor gewarnt, und Angela Merkel ignorierte dies bewusst“, kritisierte Sumlenny kürzlich im „Tagesspiegel“.
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Doch hält die These, die Russen würden gezielt Gas zurückhalten, um die umstrittene Ostseepipeline in Betrieb nehmen zu können, einer genaueren Überprüfung stand? Wissenschaftler, Branchenexperten und Marktakteure sind zurückhaltend. Es gibt eine Reihe von Argumenten, die dafürsprechen, dass die Russen nicht Täter, sondern eher selbst Opfer sind. Gleichwohl spielt ihnen die Situation in die Hände.
Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) fasst die Situation so zusammen: „Die Lage ist durchaus kritisch. Allerdings warne ich davor, die Verantwortung dafür allein in Richtung Russland zu schieben. Vielmehr funktioniert der Markt jetzt genau so, wie sich die EU-Kommission das immer gewünscht hat“, sagte Westphal dem Handelsblatt.