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Fachkräfte-Nachwuchs Die Coronakrise führt auf dem Ausbildungsmarkt zu einer historischen Flaute

Die Zahl der neuen Lehrverträge ist im Corona-Jahr um elf Prozent eingebrochen und liegt nun erstmals unter einer halben Million. Experten warnen vor alten Fehlern.
15.12.2020 - 17:09 Uhr Kommentieren
Nicht nur in der Gastro-Branche fallen Lehrstellen durch die Coronakrise weg: Das Erfolgsmodell Ausbildung ist bedroht. Quelle: dpa
Ausbildung in der Gastronomie

Nicht nur in der Gastro-Branche fallen Lehrstellen durch die Coronakrise weg: Das Erfolgsmodell Ausbildung ist bedroht.

(Foto: dpa)

Berlin Bis Ende September dieses Jahres haben nur 467.500 junge Leute in Deutschland eine duale Ausbildung begonnen. Das waren 57.600 Auszubildende oder elf Prozent weniger als im Vorjahr. Damit liegt die Zahl der neuen Lehrverträge nun auch erstmals unter der Schwelle von 500.000. Das meldete das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), das die Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Kammern zum Ausbildungsjahr zusammenführt.

Wegen der sinkenden Zahl der Schulabgänger habe man bereits mit einem Rückgang der neuen Lehrverträge um etwa 10.000 gerechnet. Doch der Hauptgrund für den Rückgang sei die Corona-Pandemie, so das Institut. Rund 47.000 Verträge seien deshalb nicht zustande gekommen.

BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser warnte zugleich davor, sich auf eine automatische Neubelebung des Ausbildungsmarkts zu verlassen, wenn die Pandemie überwunden ist. „Denn die Finanzkrise 2008/2009 hat bereits gezeigt, dass eine einmal erfolgte Abkehr vom dualen Ausbildungssystem nur unter größten Anstrengungen wieder umzukehren ist“, sagt Esser. Davor hatten auch das Handwerk und der DGB gewarnt.

Die Coronakrise habe zwar nicht dem Ansehen des dualen Systems geschadet – auch weil hier viele systemrelevante Berufe ausgebildet würden, so BIBB-Chef Esser. Ob jedoch ein Lehrvertrag zustande kommt, hänge wesentlich davon ab, ob die Lehre auch störungsfrei ablaufen könne.

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    „Es muss daher alles dafür getan werden, dass sich die im Zusammenhang mit der Pandemie entstandene Verunsicherung nicht chronisch verfestigt“, appellierte Esser. Das laufende Ausbildungsjahr, also die Vermittlung für die Lehre ab Herbst 2021, „wird allein schon deshalb erneut äußerst schwierig“, warnte er.

    Angesichts der brisanten Lage hatten Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, bereits im Vorfeld gemeinsam an die Wirtschaft appelliert, noch mehr Azubis einzustellen. Das sei im Interesse der Unternehmen, denn andernfalls sei im Aufschwung nach der Pandemie die Versorgung mit Fachkräften gefährdet.

    Handwerk will gemeinsame Aktion von Betrieben, Schulen, Sozialpartnern und Politik

    Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer fordert eine gemeinsame Kraftanstrengung „von Betrieben, Schulen, Sozialpartnern und Politik, um den Ausbildungsmarkt nachhaltig zu stärken“. Auch er erinnerte daran, dass der ähnlich hohe Einbruch in der Finanzkrise 2008/09 nie vollständig kompensiert wurde. „Das darf uns in der Nach-Corona-Phase nicht noch einmal passieren.“

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    Wollseifer warb dafür, dass man auch jetzt noch jederzeit eine Ausbildung beginnen könne. In Baden-Württemberg sei sogar ein „konzertierter verspäteter Ausbildungsbeginn im Februar 2021“ im Gespräch.

    Die Vizevorsitzende des DGB, Elke Hannack, warnt vor „Langzeitschäden für berufliche Bildung“. Schon im Jahr 2020 sei das Minus bei den neuen Lehrverträgen stärker gewesen als in der Finanzkrise 2009. Und es sei zu erwarten, „dass das Ausbildungsjahr 2021 kaum besser wird“. Vor allem Bewerber mit niedrigem Schulabschluss drohten zu Verlierern zu werden.

    Das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ mit seinen Ausbildungsprämien sei nur eine erste Hilfe. Mittelfristig fordert der DGB erneut eine Ausbildungsgarantie - ähnlich wie in Österreich. Dort können Jugendliche, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz bekommen, das erste Jahr in einer außerbetrieblichen Ausbildung absolvieren.

    Das sei „allemal besser, als die Jugendlichen durch die zahllosen Warteschleifen im Übergangsbereich zu schleusen“, meint die DGB-Vizin. Dort waren zuletzt 255.000 junge Menschen untergebracht.

    Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) will  nun dafür sorgen, dass das Azubi-Prämien-Programm des Bundes „besser bei Betrieben ankommt“. Karliczek zeigte sich erfreut, dass zumindest die Chance der Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, unverändert günstig sei: Rein rechnerisch kommen bundesweit auf 100 Bewerber fast 106 Plätze. Ende September waren fast 60.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt.

    Mehr: So bremst der Mangel an IT-Fachkräften die deutsche Wirtschaft.

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