Junge Unternehmen: Neue Startup-Strategie der Ampel: Weniger konkret als erhofft
Die Bundesregierung will die Start-up-Förderung auf europäischer Ebene vorantreiben.
Foto: ReutersBerlin. Die Bundesregierung hat am Mittwoch ihre neue Start-up-Strategie verabschiedet. Sie umfasst zahlreiche bereits bekannte Ziele der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP. Die Maßnahmen sollen in der laufenden Wahlperiode umgesetzt werden.
Der Start-up Verband kritisiert die Strategie im Vergleich zum Entwurf allerdings als zu vage. Wichtige Punkte wie der Fachkräftemangel und die Mitarbeiterkapitalbeteiligung würden nicht ausreichend konkretisiert.
„Die in Teilen erkennbare Diskrepanz zwischen dem vom Bundeswirtschaftsministerium präsentierten Entwurf und der finalen Strategie offenbart Widerstände einzelner Ressorts, wenn es darum geht, eine zukunftsorientierte Politik entschieden voranzutreiben“, heißt es vom Verband.
Im internationalen Standortwettbewerb um die klügsten Gründer und innovativsten Start-ups läuft Deutschland nach Ansicht der Branche seit Jahren einem Rückstand hinterher. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte daher im Juni einen Entwurf für eine deutsche Start-up-Förderung vorgelegt.
Im Vergleich zum Strategieentwurf klammert das jetzt verabschiedete Papier einige strittige Punkte aus. Dazu zählt beispielsweise die Frage, inwieweit auch Rentenversicherer und Pensionskassen in Wagniskapital investieren müssen. Hierzu hatte es im Vorhinein rechtliche Bedenken gegeben.
Dieser Punkt solle jetzt außerhalb der Strategie geklärt werden, erläuterte Start-up Beauftragte Anna Christmann (Grüne) am Mittwoch in Berlin. In Deutschland wurden 2021 rund 15 Milliarden Euro an Wagniskapital in neu gegründete Unternehmen investiert. Anfang 2022 gab es hierzulande 25 „Einhörner“ – Start-ups mit einer Marktbewertung von mindestens einer Milliarde Dollar.
Keine finanzielle Aufstockung
Außerdem will die Bundesregierung die Milliardenbeträge zur Förderung von Start-ups zunächst nicht aufstocken. „Wir knüpfen natürlich an den Zukunftsfonds an“, sagte Christmann. Dieser noch von der Großen Koalition initiierte Fonds hat ein Volumen von zehn Milliarden Euro bis 2030. Die Summen seien noch nicht ausgegeben. „Insofern gibt es im Moment auch nicht die Notwendigkeit, da über weitere Mittel zu sprechen.“
Die Gelder müssten zunächst gezielt genutzt werden. Zusammen mit privaten Investoren sollen in dem Zeitraum 30 Milliarden Euro an Wagniskapital für junge und wachstumsstarke Unternehmen mobilisiert werden.
Ein neuer Schwerpunkt der Strategie soll die stärkere Förderung von Klimatechnologien sein. Ein spezieller Fonds – der sogenannte DeepTech & Climate Fonds – soll junge Tech-Firmen stärken, die sich durch eine besonders effiziente Verwendung von Ressourcen auszeichnen. „Wir wollen gute Bedingungen für die Entwicklung von Klimatechnologien in Deutschland schaffen.“
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Außerdem soll die Förderung von Start-ups stärker europäisch vorangetrieben werden. Deutschland, Frankreich und mehr als ein Dutzend weiterer EU-Staaten hatten zuletzt bereits angekündigt, Technologie-Start-ups mit öffentlichen Geldern voranbringen zu wollen.
Insgesamt ist ein Volumen von zehn Milliarden Euro vorgesehen.
Foto: picture alliance/dpa/dpa-ZentralbildDeutschland und Frankreich wollen dafür zunächst jeweils eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Insgesamt ist ein Volumen von mindestens zehn Milliarden Euro vorgesehen. Start-ups sollen unabhängiger von Investoren aus den USA und Asien werden.
Speziell geht es bei der Initiative um bereits länger am Markt befindliche Jungunternehmen, die in der Regel schon mehrere Finanzierungsrunden durchlaufen haben, nun aber einen weiteren Schub benötigen, um in neue Größenordnungen vorzustoßen.
Wie aus der Start-up-Strategie der Bundesregierung weiter hervorgeht, sollen künftig unter anderem mehr Frauen bei Gründungen im Digitalbereich beteiligt sein. Zudem soll es mehr Unternehmensgründungen aus dem universitären Kontext geben und die Kapitalbeteiligung von Mitarbeitern an Start-ups verbessert werden.
Verband: Bundesregierung muss Strategie auch umsetzen
Der Chef des Start-up-Verbands Christian Miele sieht die Strategie zunächst als gute Arbeitsgrundlage für die nächsten drei Jahre. „Aber klar ist auch: Eine Strategie ist nur so gut wie ihre Umsetzung.“ Die Bundesregierung müsse ihre Vorhaben konsequent voranbringen und dürfe sich „nicht hinter Prüfaufträgen verstecken“.
Konkret kritisierte der Verband die vagen Regelungen, mit denen Unternehmen leichter Fachkräfte anwerben können sollen. So spricht die Strategie davon, „möglicherweise“ Hürden bei der Anerkennung von ausländischen Bildungs- und Berufsabschlüssen zu senken.
Eine zu unspezifische Formulierung findet der Verband. Auch beim Thema Mitarbeiterkapitalbeteiligungen würde erst der kommende Gesetzgebungsprozess zeigen, wie ernst es die Regierung mit einer Reform wirklich meine.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Dürr lobte gegenüber dem Handelsblatt die verabschiedete Strategie. Deutschland brauche mehr Wachstumsimpulse und mehr Gründungen. „Die Start-up-Strategie von Christian Lindner und Robert Habeck, die heute im Kabinett verabschiedet wurde, sieht daher die grundsätzliche Erneuerung und Stärkung von Start-up-Ökosystemen vor“, sagte Dürr.
Um die Start-ups selbst weiter an der Mitgestaltung der konkreten Gesetzgebung zu beteiligen, kündigte Dürr gemeinsame Fachrunden für die kommenden Wochen an.
Mit Agenturmaterial