Nato: Deutsche Brigade in Litauen soll spätestens 2028 voll einsatzfähig sein
Eine Panzerhaubitze 2000 nimmt im Juni an der Nato-Übung „Griffin Storm“ teil, bei der etwa 1000 Bundeswehrsoldaten zusammen mit der litauischen Armee die Verteidigung der Nato-Ostflanke trainierten.
Foto: dpaBerlin. Deutschland will rasch mit der Stationierung der zugesagten Brigade in Litauen beginnen. Die geplante Stärke von 3500 Soldatinnen und Soldaten wird sie aber voraussichtlich erst im Zeitraum 2026 bis 2028 erreichen. Das sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Mittwoch, nachdem er die Abgeordneten des Verteidigungsausschusses über den Stand der Planungen informiert hatte.
Die Bundeswehr will mit der Brigade einen Beitrag zum Schutz der Nato-Ostflanke leisten. Die dauerhafte Stationierung in dem baltischen Land, das an die russische Exklave Kaliningrad und Weißrussland grenzt, sei das größte Projekt in der Geschichte der Bundeswehr und „das sichtbarste Leuchtturmprojekt der Zeitenwende“, betonte der Minister.
Die robuste Kampfbrigade soll aus bestehenden Truppenteilen in Deutschland neu zusammengesetzt werden, bis Ende dieses Jahres wird in einer „Roadmap“ festgelegt, welche das sind. Neben Panzern und Panzergrenadieren wird sie auch Unterstützungskräfte umfassen, also beispielsweise Aufklärer und Logistiker. Als Stationierungsorte sind Vilnius und Kaunas im Gespräch.
Geplant ist, im zweiten Quartal nächsten Jahres ein Vorauskommando zu schicken und bis zum vierten Quartal den Aufstellungsstab aufzubauen. Ende 2024 soll dann eine niedrige dreistellige Zahl von Soldatinnen und Soldaten vor Ort sein.
Bundesverteidigungsminister Pistorius informierte am Mittwoch über den Stand der Planungen für die deutsche Brigade in Litauen.
Foto: dpaWie rasch der Rest der Truppe folgen könne, hänge auch vom Aufbau der notwendigen Infrastruktur ab, sagte Pistorius. Dabei geht es nicht nur um Munitions- und Treibstoffdepots, Übungsgelände oder Wartungsstandorte, sondern auch um Kindergärten oder Schulen für die mitreisenden Familienangehörigen. „Das Engagement auf litauischer Seite könnte nicht höher sein“, sagte der Minister zu den bereits erzielten Fortschritten.
Pistorius setzt auf Freiwilligkeit bei der Verlegung
Pistorius geht davon aus, dass sich genügend Freiwillige finden, die zur Stationierung in Litauen bereit sind. Aber am Ende zähle natürlich das Ergebnis, betonte er.
Das heißt, dass gegebenenfalls auch Soldatinnen und Soldaten gegen ihren Willen verlegt werden können. Derzeit wird in der Bundeswehr noch über Zulagen und ähnliche Anreize geredet.
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Generalinspekteur Carsten Breuer betonte, dass die geplante Brigade Teil der Division 2025 sein werde, die Deutschland der Nato zugesagt hat. Und die in Litauen stationierten Bundeswehrtruppen können im Spannungsfall auch in andere Länder verlegt werden, falls der Nato-Oberkommandierende in Europa (Saceur) sie anfordern sollte.
In die Brigade sollen laut Breuer auch Kräfte integriert werden, die Deutschland bereits im Rahmen der schnellen Eingreiftruppe der Nato in Litauen stationiert hat. Norwegen und die Niederlande, mit denen Deutschland in Litauen bereits zusammenarbeitet, haben Interesse signalisiert, sich zu beteiligen. Dabei wird sowohl über ein Rotationsmodell als auch eine feste Stationierung diskutiert.
Unklar ist bisher die Finanzierung der Brigade. Die genauen Kosten der Aufstellung ließen sich noch nicht beziffern, sagte Pistorius. Klar sei aber, dass in der mittelfristigen Finanzplanung des Bundeshaushalts Vorsorge getroffen werde und der Verteidigungshaushalt anwachsen müsse.