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Pandemie Der große Wettlauf zu einem Corona-Impfstoff

Der Stolz der deutschen Impfstoffforschung sind Curevac und Biontech. US-Milliardär Gates ist den deutschen Projekten jedoch skeptisch gegenüber eingestellt.
15.09.2020 - 19:15 Uhr Kommentieren
Absehbar ist, dass wirksame Corona-Impfstoffe in zwei Dosen verabreicht werden müssen, um einen ausreichenden Grad an Immunisierung zu erzielen. Quelle: imago images/ZUMA Wire
Potenzieller Covid-19-Impfstoff

Absehbar ist, dass wirksame Corona-Impfstoffe in zwei Dosen verabreicht werden müssen, um einen ausreichenden Grad an Immunisierung zu erzielen.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Düsseldorf, Berlin Gibt es einen Impfstoff – und wenn ja: wann und welches Mittel? Diese Frage treibt in der Corona-Pandemie Regierungen und Bürger um. Wissenschaft und Pharmaunternehmen verfolgen bei der Suche nach einem Impfstoff verschiedene Ansätze. Einige wählen etablierte Wege, bei denen entweder mit abgetöteten Krankheitserregern oder harmlosen Lebendviren geimpft wird, die dann eine Immunreaktion hervorrufen.

Eine neue Methode sind dagegen Mittel, die auf der mRNA-Technologie basieren. Dabei werden gentechnisch veränderte Botenstoffe verabreicht. Mit ihrer Hilfe werden Körperzellen darauf programmiert, Virusproteine zu produzieren, auf die dann das Immunsystem reagiert.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, dass die Bundesregierung „auf Nummer sicher“ gehe und im Rahmen der EU-Impfstoffinitiative mit Herstellern „aller aussichtsreichen Kandidaten“ Vorverträge abschließe. „Wir setzen nicht nur auf einen Impfstoff, nicht nur auf ein Entwicklerteam und auch nicht auf nur eine Technologie, sondern wir wollen ein breites Portfolio fördern“, sagte der CDU-Politiker.

Der Stolz der deutschen Impfstoffforschung sind aktuell Curevac und Biontech, die einen Impfstoff auf mRNA-Basis entwickeln. Die Firmen erhalten Geld aus dem Sonderprogramm zur Beschleunigung der Forschung an Impfstoffen gegen Sars-CoV-2, das vom Forschungsministerium Anfang Juni aufgelegt wurde. Der Fonds ist mit insgesamt 750 Millionen Euro ausgestattet.

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    Kurz vor dem Abschluss stehen zudem die Gespräche über eine Förderung mit IDT Biologika. Die Firma ist auf die Entwicklung und Fertigung von Virusimpfstoffen spezialisiert. Sie setzt nicht wie Curevac und Biontech auf die mRNA-Technologie, sondern die sogenannte Vektor-Methode. Dabei wird das Erbgut von Sars-CoV-2 über ein harmloses Virus in die Zellen des Geimpften eingeschleust.

    Gates setzt auf die Erfahrung großer Pharmakonzerne

    „Mit der Förderung sollen die drei Unternehmen in die Lage versetzt werden, ihre Projekte breiter aufzustellen und schneller voranzukommen“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU). Die Mittel dienen einerseits zur Erforschung eines Impfstoffs bis hin zur letzten klinischen Phase 3. Daneben dient das Geld auch dem Aufbau der Produktionskapazitäten, damit der Impfstoff im Erfolgsfall sehr schnell in großem Umfang produziert werden kann, sobald er zugelassen ist.

    Microsoft-Gründer Bill Gates erwartet schon zum Jahreswechsel ein wirksames Mittel gegen Corona. „Es gibt viele Impfstoffe, die vielversprechende Resultate in frühklinischen Tests erzielen“, sagte Gates im Interview mit dem Handelsblatt. Bereits im ersten Quartal 2021 könnten dann die ersten Impfstoffkandidaten zugelassen werden.

    Der Optimismus des Microsoft-Gründers und Stifters bezieht sich allerdings nicht auf die aktuellen Projekte der deutschen Unternehmen Curevac und Biontech. Er erwartet, dass deren Gentherapie-Impfstoffe nicht in kurzer Zeit in sehr hohen Mengen produziert werden können. Dafür fehle es an Erfahrung, sagte er.

    Seine Stiftung setzt daher auf die Projekte der klassischen großen Impfstoffspezialisten wie Johnson & Johnson und Sanofi. Zudem gelten die von den Pharmakonzernen derzeit entwickelten Mittel als kostengünstig: So soll der Corona-Impfstoff von Sanofi weniger als zehn Euro kosten.

    Grafik

    In Deutschland könnte nach Einschätzung von Spahn in den ersten Monaten des kommenden Jahres ein Impfstoff gegen Corona zur Verfügung stehen. Den Zugriff auf die ersten Dosen sollten Menschen mit Vorerkrankungen, ältere Menschen und Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege bekommen. Einzelheiten der Priorisierung müssten aber noch geklärt werden, sagte der Minister.

    Für die breite Masse der Deutschen werde es voraussichtlich erst Mitte des Jahres eine Impfung geben. Mit den Ländern werde derzeit besprochen, ob die Impfungen in Arztpraxen oder etwa regionalen Impfzentren stattfinden sollten. Diskutiert werde auch noch darüber, ob die Kosten für die Impfung vom Staat oder von den Krankenkassen übernommen würden.

    Mittel nicht aus politischen Gründen zulassen

    Spahn und Karliczek betonten, dass die Impfung freiwillig sein werde. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, müssten sich in Deutschland 55 bis 65 Prozent der Bürger impfen lassen. „Wir sind sehr, sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel einer ausreichend hohen Impfquote freiwillig erreichen“, sagte der Gesundheitsminister. Außerdem werde ein Impfstoff nur dann eingesetzt, wenn seine Wirkung und die Sicherheit in vollständigen klinischen Studien nachgewiesen worden seien.

    Das sei „Konsens in der EU“. Die europäischen Staaten versuchen auch gemeinsam, sich über Vorverträge mit Pharmaunternehmen den Zugriff auf potenzielle Impfstoffe zu sichern.

    Pharmaexperten warnen davor, Impfstoffe aus politischen Gründen vorschnell für die Vermarktung zuzulassen. US-Präsident Donald Trump verspricht im aktuell laufenden Wahlkampf bereits, dass im Dezember wirksame Mittel an die Amerikaner verteilt werden. Er macht damit Druck vor allem auf die US-Gesundheitsbehörde FDA, die die Freigabe erteilen muss.

    Die Entwickler von Corona-Impfstoffen sahen sich daher bereits zu einer öffentlichen Klarstellung genötigt: Sie sicherten vorige Woche in einer gemeinsamen Erklärung zu, dass die Projekte sorgfältig und nach allen wissenschaftlichen Standards vorangetrieben würden. Eine Zulassung oder Notfall-Genehmigung werde erst beantragt, wenn Sicherheit und Wirksamkeit in einer entscheidenden Phase-3-Studie nachgewiesen seien, die den üblichen regulatorischen Anforderungen entspreche.

    Immunisierung in zwei Schritten

    In der aktuell heißen Phase der Impfstoffentwicklung dürfte es immer wieder Rückschläge geben. Das zeigt der Fall Astra-Zeneca. Der britische Pharmakonzern entwickelt mit der Universität Oxford ein Mittel, das in den groß angelegten Tests am Menschen bereits gute Ergebnisse zeigte. Vorige Woche jedoch mussten die Briten das Projekt vorerst stoppen.

    Grund war die Erkrankung einer Probandin. Solche Fälle tauchen in der klinischen Pharmaentwicklung meistens auf. Das Astra-Zeneca-Projekt gilt daher nicht als tot, sondern wird mit den neuen Daten und Erkenntnissen weitergeführt. Die Briten haben die Testreihen bereits wieder aufgenommen.

    Die Minister betonten, dass die Impfung freiwillig sein werde. Quelle: AP
    Jens Spahn und Anja Karliczek

    Die Minister betonten, dass die Impfung freiwillig sein werde.

    (Foto: AP)

    Absehbar ist, dass wirksame Corona-Impfstoffe in zwei Dosen verabreicht werden müssen, um einen ausreichenden Grad an Immunisierung zu erzielen. Bei einer Weltbevölkerung von sieben Milliarden Menschen wäre also die Herstellung von 14 Milliarden Dosen notwendig. Die Produktion und die Verteilung der Impfstoffe ist eine ebenso riesige Herausforderung für die Pharmafirmen wie deren Entwicklung.

    Absehbar ist auch, dass medizinisches Personal und stark gefährdete Patienten die Mittel zuerst bekommen werden. Dass aber im kommenden Jahr schon der Großteil der Welt gegen Corona geimpft sein wird, bezweifeln viele Experten.

    Der weltgrößte Produzent von Impfstoffen ist die indische Firma Serum Institute. Deren Chef Adar Poonawalla warnt bereits, dass die Pharmabranche die nötigen Herstellungskapazitäten nicht schnell genug ausweiten würden. Nach derzeitigem Stand würde es seiner Einschätzung vier bis fünf Jahre dauern, bis die ganze Welt mit Impfstoffen versorgt sei.

    Mehr: Bill Gates sieht Corona erst 2022 überwunden: „Nächsten Sommer wird es überall Impfstoffe geben“.

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