Barry Eichengreen: „Das ist die handelspolitische Kriegserklärung der USA an die Welt“
Herr Eichengreen, die USA erleben eine politische und auch ökonomische Zäsur. Was bereitet Ihnen mehr Sorgen: die aggressive Handelspolitik sowie die Spekulationen um eine neue Dollarpolitik oder die politische Ungewissheit und die Frage, ob die USA ein autokratisches System werden könnten?
Ich weiß nicht, ob ich es Autokratie nennen würde. Aber ich bin tief besorgt um die Rechtsstaatlichkeit, die Gewaltenteilung und überhaupt wegen des mangelnden Respekts vor der Justiz. Rechtsstaatlichkeit bildet die Basis für unseren ökonomischen, sozialen und politischen Erfolg. Die US-Regierung untergräbt dieses Fundament. Ohne Rechtsstaatlichkeit gibt es in der langen Sicht keinen ökonomischen Erfolg. Das gilt auch für die USA.
Am „Liberation-Day“ hat Trump nun pauschale Zölle für alle US-Importe, gestaffelt nach handelspolitischem Sündenregister der jeweiligen Länder, erhoben. Wie bewerten Sie das?
Das ist die offene Erklärung eines globalen Handelskriegs durch den US-Präsidenten. Es droht eine Zollspirale wie in den 1930er-Jahren. Und Trumps Rhetorik ist völlig außer Kontrolle geraten: „Fremde Länder, Freund wie Feind, haben unser Land vergewaltigt und geplündert“, sagt er. Ich kann mich nur schämen, solche Rhetorik von einem US-Präsidenten im Rosengarten des Weißen Hauses zu hören.