1. Startseite
  2. Politik
  3. International
  4. BIP: Chinas Wirtschaft soll 2025 um fünf Prozent gewachsen sein – Experten zweifeln

BIPChinas Wirtschaft soll 2025 um fünf Prozent gewachsen sein – Experten zweifeln

Chinas Staatsführung will mit den offiziellen Wachstumszahlen Resilienz und Stabilität signalisieren. Doch für Bevölkerung und Unternehmen ist eine Abkühlung spürbarSabine Gusbeth 19.01.2026 - 03:36 Uhr Artikel anhören
Ein Elektronikgeschäft in Shenzhen, China: Chinas Wirtschaft ist zum Ende des vergangenen Jahres langsamer gewachsen. Foto: Bloomberg

Peking. „Das Leben ist hart, das Geschäft läuft überall schlecht“, sagt die Kioskbesitzerin. „Die Leute sparen“, sagt der Kneipenbesitzer. „Jeder kämpft sich durch“, sagt der Fotograf. Die Aussagen aus Gesprächen, die das Handelsblatt in den vergangenen Wochen an verschiedenen Orten in China geführt hat, stehen im Widerspruch zu den offiziellen Wachstumszahlen, die China am Morgen vermeldete.

Demnach ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im vergangenen Jahr fünf Prozent gewachsen. Genauso viel, wie die Staatsführung es sich im Frühjahr zum Ziel gesetzt hatte. Allerdings schwächte sich das Wachstum zuletzt ab. Zwischen Oktober und Dezember betrug es nur noch 4,5 Prozent, so wenig wie seit dem Ende der Corona-Abschottung nicht mehr.

Ohnehin wachsen die Zweifel an den offiziellen Zahlen. Die Experten des US-Thinktank Rhodium schätzen, dass Chinas reales Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr bei lediglich 2,5 bis drei Prozent lag. Sie verweisen auf den Einbruch der Investitionen, die ein wichtiger Wachstumstreiber sind.

Wirtschaftswachstum als politisches Signal

Chinas Wirtschaftswachstum gilt weniger als ökonomische Kenngröße denn als politisches Signal. Mit dem offiziellen Erreichen des Wachstumsziels, will die Staatsführung Stabilität signalisieren. Dabei steht die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt vor zahlreichen ungelösten Problemen, allen voran die anhaltende Immobilienkrise, aber auch die Negativspirale aus Überkapazitäten und sinkenden Preisen. Hinzu kam der Handelskrieg mit den USA.

In der Vergangenheit haben vor allem Investitionen in Infrastruktur und Immobilien das Wachstum getrieben. Dies hatte dazu geführt, dass vielerorts um des Bauens willen gebaut wurde. Staatsführer Xi Jinping bezeichnet das daraus resultierende Wachstum inzwischen als „fiktiv“ und will, dass Investitionen stattdessen in die Modernisierung der Industrie und Zukunftstechnologien fließen.

Die daraus resultierende Immobilienkrise, die bereits seit vier Jahren anhält, hat nicht nur zur Folge, dass die Bauindustrie darbt. Die sinkenden Immobilienpreise haben auch zu einem Wohlstandsverlust vieler chinesischer Familien geführt, für die das Wohneigentum die wichtigste Altersvorsorge ist. Die Folge: Sie geben weniger Geld aus.

Trotz des schwachen Binnenkonsums haben viele Unternehmen ihre Produktion ausgeweitet. Das führt in Branchen wie der Autoindustrie, aber auch bei grünen Technologien zu hohen Überkapazitäten. Um Marktanteile zu sichern, liefern sich die Wettbewerber einen ruinösen Preiskampf. Die Folge: Seit fast 40 Monaten fallen die Fabrikpreise.

Chinas Staatsführung versucht, die Negativspirale zu stoppen, bislang ohne nachhaltigen Erfolg. Auch deshalb setzen immer mehr chinesische Unternehmen auf den Export. Doch im Ausland wächst die Kritik an der Exportflut.

Exporte als Hauptwachstumstreiber

So war im vergangenen Frühjahr der Handelskonflikt mit den USA eskaliert. Zwar hat sich der Streit wieder etwas entspannt. Doch nach wie vor erheben die USA hohe Importzölle auf Waren aus China. Ungeachtet dessen trugen Nettoexporte im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte zum Wirtschaftswachstum bei. Chinas Unternehmen exportieren nun verstärkt nach Europa, Asien und Lateinamerika.

Im November überstieg der Handelsbilanzüberschuss erstmals eine Billion US-Dollar. Im kommenden Jahr steige das Risiko von Gegenmaßnahmen aus Europa und den Schwellenländern, warnen die Rhodium-Experten.

Welthandel

„Es ist nahezu unmöglich, mitzuhalten“: Der China-Schock trifft Deutschland mit voller Wucht

„Peking zeichnet ein Bild wirtschaftlicher Resilienz, die Realität ist jedoch anders“, schreiben Rhodium-Mitgründer Daniel Rosen und seine Kollegen. Für 2026 hänge Chinas Wachstum weiter stark von den Exporten ab. Investitionen und Konsum bleiben dagegen schwach, prognostizieren sie. Pekings Rhetorik, den Binnenkonsum zu fördern, „sollte skeptisch betrachtet werden“.

Die Erfolge in Zukunftsindustrien, auf die die Staatsführung gerne verweist, können Experten „in den kommenden Jahren nicht genügend Investitionen generieren, um ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent zu erreichen“, schreiben Endeavour Tian, Logan Wright and Allen Feng in einer separaten Rhodium-Analyse.

Verwandte Themen
China
USA
Europa
Konjunktur
Wirtschaftspolitik

Das offizielle Wachstumsziel wird traditionellerweise Anfang März von Chinas Scheinparlament, dem Volkskongress, verabschiedet. Der Internationale Währungsfonds rechnet für 2026 mit einem Wachstum von 4,5 Prozent. Die Weltbank geht von 4,4 Prozent aus.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt