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China-USAFrage nach Ursprung des Corona-Virus rückt wieder ins Zentrum der Geopolitik

Unter Trumps neuem CIA-Direktor hält der US-Auslandsgeheimdienst einen Laborunfall für wahrscheinlich. Die Kritik an Chinas Blockade einer unabhängigen Aufklärung wächst.Sabine Gusbeth 27.01.2025 - 15:11 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Ein Sicherheitsbeamter im Januar 2020 vor dem abgeriegelten Huanan-Markt in Wuhan, von dem sich die Coronapandemie weltweit verbreitete. Foto: AFP

Peking. Natürlicher Ursprung oder Laborunfall? Fünf Jahre nach dem Ausbruch der Coronapandemie ist die Herkunft des Sars-CoV-2-Virus weiter ungeklärt. Ein Grund dafür ist, dass Chinas Staatsführung eine unabhängige Aufklärung verhindert.

Die Kritik an dieser Blockadehaltung wächst. Und unter US-Präsident Donald Trump und seiner neuen Regierung kommt die Frage nach dem Ursprung des Virus wieder aufs politische Tapet.

Am Samstag hatte der US-Auslandsgeheimdienst CIA in einer Mitteilung an verschiedene US-Medien erklärt, dass die Behörde nun eher davon ausgeht, dass das Virus durch einen Laborunfall freigesetzt wurde, wenngleich „mit geringer Sicherheit“. Zuvor hatte die CIA die Einschätzung vertreten, dass ein natürlicher Ursprung wahrscheinlicher sei.

Warum es zu der geänderten Einschätzung kommt, wurde bislang nicht bekannt. Am Donnerstag hatte der Trump-Vertraute John Ratcliffe die Leitung der CIA übernommen.

Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums forderte die USA am Montag auf, sofort damit aufzuhören, die Forschung nach dem Ursprung „zu politisieren und als Waffe einzusetzen, sowie andere zum Sündenbock zu machen“. Indirekt wiederholte sie bereits früher von Chinas Offiziellen und in Staatsmedien geäußerte Vorwürfe, wonach das Virus aus einem Labor der US-Armee stamme.

Trump gibt Pandemie Schuld an verlorener Wiederwahl 2020

Experten wie Chinakenner Scott Kennedy vom US-Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) hatten bereits kurz nach der Wahl Trumps prognostiziert, dass die Frage nach dem Ursprung der Coronapandemie wieder ins Zentrum der Geopolitik rücken könnte. Trump sei davon überzeugt, dass er die Präsidentschaftswahl 2020 aufgrund der Pandemie verloren habe.

Er könnte noch immer einen „persönlichen Groll gegen China“ hegen, sagt der Experte. Einige der ersten Amtshandlungen Trumps deuten nun darauf hin, dass die Pandemie für ihn tatsächlich weiterhin ein wichtiges Thema ist.

Der Ex-Chef der US-Seuchenschutzbehörde Anthony Fauci (vorn) und der damalige US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus im Februar 2020. Foto: Carolyn Kaster/AP/dpa

Bereits an seinem ersten Tag im Amt erklärte Trump den Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation WHO. Am Freitag entzog er dem ehemaligen Pandemiebeauftragten Anthony Fauci, der nach eigenen Angaben „glaubwürdige Todesdrohungen“ erhielt, den Personenschutz durch den US-Geheimdienst.

Der frühere Chef der Seuchenschutzbehörde hatte während der Pandemie immer wieder Trumps laxe Coronapolitik kritisiert und schärfere Schutzmaßnahmen sowie mehr Impfungen gefordert. Für die verhängten Lockdowns und die damalige Wirtschaftskrise machen die Republikaner Fauci verantwortlich. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit hatte US-Präsident Joe Biden Fauci vorsorglich begnadigt – aus Sorge, Trump könnte Vergeltung üben wollen.

Impfgegner soll US-Gesundheitsminister werden

Zudem hat Trump den erklärten Impfgegner Robert F. Kennedy Jr. als Gesundheitsminister nominiert. Der Neffe des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy bezeichnete Covid-19-Impfstoffe als den „tödlichsten Impfstoff, der je hergestellt wurde“. Er zeigte sich zudem überzeugt, dass Impfungen Autismus verursachen können. Für beide Behauptungen gibt es keine wissenschaftliche Grundlage.

In seiner ersten Amtszeit hatte Trump Chinas Staatsführung scharf für den Umgang mit der Coronapandemie kritisiert. Er bezeichnete Sars-CoV-2 als „chinesisches Virus“ und drohte, China müsse einen „hohen Preis“ dafür bezahlen, dass sich von dort die Pandemie verbreitet habe. In den USA starben mehr als eine Million Menschen an oder mit Covid. Die Debatte über die Notwendigkeit von Impfungen und Lockdowns zerriss damals die Gesellschaft.

Jahrestag

Der Corona-Lockdown von Wuhan – „Sie haben uns nicht erlaubt, zu weinen“

Nach dem Ausbruch der Coronapandemie 2020 hatte sich Trumps Chinapolitik geändert. In der ersten Phase des Handelskriegs 2017 hatte er mit Zöllen und Sanktionen Druck aufgebaut und bewegte Chinas Staatsführung zu einem Deal, in dem sie unter anderem versprach, mehr US-Agrarprodukte wie Sojabohnen zu kaufen. Unter anderem infolge der Pandemie wurde der Deal jedoch nie umgesetzt.

Nachdem die Pandemie 2020 die USA erreicht hatte, verhängte Trumps Regierung zahlreiche Sanktionen und Strafen gegen die Volksrepublik, ohne den Versuch, eine Verhandlungslösung zu finden. Dabei sei es nur darum gegangen, Druck auszuüben, sagt Chinaexperte Kennedy.

China blockiert Aufklärung

Auch außerhalb der USA wächst die Kritik an Chinas Blockadehaltung für eine ordnungsgemäße Aufklärung. Bereits Ende Dezember hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO China erneut aufgefordert, Daten über den Ursprung der Coronapandemie zu teilen. Die sei ein „moralisches und wissenschaftliches Gebot“.

Deutschlands bekanntester Virologe, Christian Drosten von der Berliner Charité, hält einen natürlichen Ursprung immer noch für wahrscheinlich. „Das nehmen auch fast alle Wissenschaftler an, die mit dem Thema befasst sind“, sagte er in einem Interview mit der Zeitung „taz“. Er fügte jedoch hinzu: „Annehmen heißt aber nicht wissen.“ Drosten forderte die Politik auf, gegenüber China deutlicher Beweise einzufordern, dass das Virus aus der Natur stammte.

Unbestritten ist, dass sich das Virus vom Huanan-Lebendtiermarkt in Wuhan in die Welt verbreitete. Wie das Sars-CoV-2-Virus auf den Markt kam, ist allerdings bis heute ungeklärt. Die meisten Experten halten es für wahrscheinlich, dass das Virus auf dem Markt auf natürliche Weise von einem Wirtstier auf Menschen übertragen wurde. Es gibt jedoch auch die Theorie, dass das Virus durch einen Laborunfall in die Welt gelangte.

Der abgeriegelte Huanan-Großhandelsmarkt in Wuhan im Januar 2025. Foto: Handelsblatt

Vertreter der Labortheorie gehen davon aus, dass das Virus aus Laboren des Wuhan-Instituts für Virologie stammt, das etwa 30 Autominuten vom Huanan-Markt entfernt liegt. Es ist eine der führenden Forschungseinrichtungen für Coronaviren und unterliegt der höchsten Schutzstufe vier. Das heißt, Forscher dürfen nur mit speziellen Ganzkörperschutzanzügen in luftdicht abgeriegelten Bereichen an Viren forschen.

Anfang 2020 hatte eine Gruppe internationaler Gesundheitsexperten unter Führung von WHO und China in Wuhan recherchiert, um den Ursprung der Pandemie zu klären. Doch schon damals gab es Kritik an China, unter anderem weil den Wissenschaftlern Rohdaten vorenthalten wurden und Gespräche von Sicherheitsbehörden überwacht wurden. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus unterzeichnete deswegen den Abschlussbericht nicht, der zu dem Schluss kam, dass das Virus wahrscheinlich natürlichen Ursprungs sei.

NIC hält China für unsicher und frustriert

Auch verschiedene US-Geheimdienste haben sich mit dem Ursprung des Virus beschäftigt. Einer Meta-Analyse des US-Geheimdienstrats NIC zufolge, die im Juni 2023 veröffentlicht wurde, geht die Mehrheit der Experten der US-Behörden davon aus, dass das Virus auf natürliche Weise übertragen wurde. Lediglich eine Minderheit hielt einen Laborunfall für die wahrscheinlichere Erklärung. Nun hat das CIA unter neuer Führung seine Einschätzung geändert.

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Die Staatsführung Chinas verhindere eine unabhängige Untersuchung aus „Unsicherheit darüber, wohin eine Untersuchung führen könnte, sowie aus Frustration, dass die internationale Gemeinschaft die Angelegenheit nutzt, um politischen Druck auf China auszuüben“, heißt es in dem NIC-Bericht.

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