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Covid-19 Sieben Todesfälle gemeldet – Coronavirus versetzt Norditalien in Ausnahmezustand

Firmen werden geschlossen, Modeschauen ohne Publikum abgehalten – der Anstieg der Viruserkrankten trifft die wirtschaftsstarken Regionen Lombardei und Venetien.
24.02.2020 Update: 24.02.2020 - 23:09 Uhr 1 Kommentar
Das Coronavirus hat Italien fest im Griff. Quelle: AP
Touristen mit Schutzmasken in Mailand

Das Coronavirus hat Italien fest im Griff.

(Foto: AP)

Rom Es war eine Modenschau ganz ohne Blitzlichtgewitter: Die neue Kollektion des Modeschöpfers Giorgio Armani am Sonntag war nur online zu sehen, denn die Schau in Mailand fand hinter verschlossenen Türen und ohne Publikum statt.

Wie Armani machte es auch die römische Stilistin Laura Biagiotti – ein lange geplantes, aufwendiges Spektakel nun ganz ohne Applaus. Alle übrigen für Montag geplanten Veranstaltungen der Mailänder Modemesse wurden abgesagt. Das hatte es noch nie gegeben in der italienischen Modemetropole.
Aber die Zeiten sind auch höchst ungewöhnlich. Italien ist quasi über Nacht zu der Nation mit den meisten Ansteckungen hinter China und Südkorea geworden. 229 Betroffene zählten die italienischen Behörden am Montagabend, sieben Menschen starben bereits an dem Virus. Das Land ist im Krisenmodus.

Am Samstag war die Zahl der Infizierten plötzlich in die Höhe geschnellt. „Patient Nummer eins“ ist ein 38-jähriger Mann aus der Kleinstadt Codogno, die knapp 60 Kilometer von Mailand entfernt liegt. Er hatte sich am 1. Februar zum Essen mit einem befreundeten Manager getroffen, der gerade aus Schanghai zurückgekehrt war.

Aber von ihm kommt das Virus nicht. In Italien wird nach „Patient null“ gesucht, denn erst, wenn er identifiziert ist, können dessen Kontakte aufgespürt und kann die Epidemie eingedämmt werden.

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    Elf Ortschaften unter Quarantäne

    Die Regierung in Rom reagierte sofort mit drastischen Maßnahmen: Elf Ortschaften, in denen die meisten Fälle aufgetreten sind, stehen unter Quarantäne – zehn in der Lombardei und eine in Venetien. Rund 500 zusätzliche Sicherheitskräfte sind auf dem Weg in den Norden, um die 35 Sperren zu den betroffenen Städten zu kontrollieren.

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    Premier Giuseppe Conte bereitete die Italiener auf einen weiteren Anstieg an Infizierten vor. „Ich glaube nicht, dass die Quarantänemaßnahmen in ein paar Tagen wieder aufgehoben werden können“, sagte er.

    An diesem Dienstag findet in Rom ein Krisentreffen von Ministern und Industriellen statt, bei dem es auch um finanzielle Ausgleichsmaßnahmen für betroffene Firmen gehen soll

    Die Lombardei und Venetien sind der ökonomische Motor des Landes. Sie erzielen zusammen 31 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung, rund 550 Milliarden Euro. Norditalien ist außerdem exportstark, mit einem Anteil von 40 Prozent des gesamten Exports.

    Allein die beiden nun unter Quarantäne gestellten Städte Codogno und Castelpusterlengo erwirtschaften 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. In der Nähe von Codogno stehen ein großes Werk des Mineralöl- und Energiekonzerns Eni und eines der großen Logistikzentren von Amazon.

    Maßnahmen um Ausbreitung vorzubeugen

    Die Firmen ergreifen nun Vorsichtsmaßnahmen. Seit Montag sind alle Fabriken, Ateliers und Büros von Armani für eine Woche geschlossen. Der Modeschöpfer war einer der Ersten, die auf die sprunghafte Ausbreitung des Coronavirus reagierten.

    Alle großen Unternehmen, die in Mailand und Umgebung sitzen – darunter die Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo oder der Reifenhersteller Pirelli, aber auch zahlreiche Modekonzerne –, zogen nach, machten ganz zu oder verordneten ihren Mitarbeitern Homeoffice.

    Sie sagten alle Dienstreisen in Italien und ins Ausland ab, um die Gefahr zu minimieren, das Virus weiterzuverbreiten. Aber auch die Stadt Mailand ergriff drastische Maßnahmen.

    Der Dom und die Mailänder Scala sind geschlossen, der Unterricht in Schulen und Universitäten fällt die ganze Woche aus. Die kaufkräftigen Touristen aus China bleiben schon seit Wochen aus, seitdem das Virus sich zu Jahresbeginn im Reich der Mitte ausgebreitet hat. Zur Mailänder Modemesse kamen nur noch die Hälfte der Einkäufer aus China.

    Die vorzeitig beendete Modemesse ist nicht die einzige, die dem Virus zum Opfer fällt. Die größte Brillen- und Optikermesse Mido, die in dieser Woche starten sollte, wurde auf Ende Mai verschoben, und gerade überlegen die Veranstalter, auch die große Designermesse „Salone del Mobile“ abzusagen, die im April stattfindet.

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    Der Ausbruch trifft Italiens Wirtschaft zur Unzeit: Das hochverschuldete Land mit seiner chronischen Wachstumsschwäche steht kurz vor einer neuen Rezession. Die Industrieproduktion ist jüngst dramatisch gesunken.

    Die Nachrichten aus Italien versetzen auch die übrigen Europäer in Sorge. Die EU schickt an diesem Dienstag Experten des europäischen Präventionszentrums ECDC und der WHO nach Italien. Anhand von deren Erkenntnissen werde man die Situation erneut bewerten und notfalls nicht zögern, weiter gehende Maßnahmen zu ergreifen, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Nach WHO-Einschätzung handele es sich bislang nicht um eine Pandemie, sondern Epidemien in einzelnen Ländern.

    EU-Krisenschutzkommissar Janez Lenarcic lobte die „schnelle und professionelle Reaktion der italienischen Behörden“. Grenzkontrollen im Schengenraum hält die Behörde derzeit für noch nicht geboten. Bislang habe die WHO nicht empfohlen, grenzüberschreitende Reisen oder den Güterhandel zu beschränken, sagte Kyriakides. „Wir müssen die Situation ernst nehmen, aber dürfen nicht in Panik verfallen und Desinformationen aufsitzen.“

    Bislang 16 Infektionen in Deutschland

    Doch vor allem die Nachbarstaaten fürchten eine weitere Ausbreitung des Coronavirus. Österreich ist im Notfall zu schnellen Grenzsperrungen bereit. „Bei Verdachtsfällen werden wir sofort einen Stopp erlassen“, kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) an. „Wir können nicht davon ausgehen, dass Corona um unser Land einen Bogen macht.“ In Österreich sind bislang keine Infektionen bekannt.

    Ebenso wenig wie in der Schweiz, wo ebenfalls die Sorge wächst. Im Kanton Tessin an der italienischen Grenze fordern erste Politiker Fiebertests beim Zoll oder gar eine komplette Sperrung der Grenzübergänge. Doch so weit will die Regierung des Landes nicht gehen: Grenzkontrollen soll es nicht geben, so Gesundheitsminister Alain Berset.

    „Die Corona-Epidemie ist in Europa angekommen“

    Nachbar Frankreich, wo es zwölf Infizierte gibt, bereitet sich ebenfalls auf eine Coronavirus-Epidemie vor. Die Verhaltensmaßnahmen, die für Gesundheitsbehörden, Krankenhäuser und Arztpraxen gelte, wurden angepasst. Alle Verdachtsfälle werden in besonders vorbereiteten Krankenhäusern behandelt, die bereits seit Wochen identifiziert und vorbereitet sind.

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hob die Bedeutung einer engen Abstimmung in der EU hervor, um die Ausbreitung zu stoppen. Es sei „gut, dass die italienische Regierung schnell und entschlossen gehandelt hat“.

    Am Dienstag will Spahn auf Einladung der italienischen Regierung zu einem Treffen mit anderen europäischen Gesundheitsministern nach Rom fliegen. In Deutschland wurden bislang 16 Infektionen gemeldet.

    Unentdeckte Infektionen in Deutschland

    Allerdings gehen Experten davon aus, dass es auch in Deutschland sehr wahrscheinlich unentdeckte Infektionen gibt. Das Robert-Koch-Institut hält das Risiko für beherrschbar: „Gegenwärtig gibt es noch keine Hinweise auf eine anhaltende Viruszirkulation in Deutschland.“ Es sei zudem zweifelhaft, ob in Deutschland ganze Städte unter Quarantäne gestellt werden könnten. In China sei dies nur mit dem Einsatz von Militär gelungen.

    Spahn sagte, er sei „weiterhin fest davon überzeugt, dass wir bestmöglich vorbereitet sind“. Das deutsche Gesundheitswesen bewältige jedes Jahr Grippewellen, die das System vor „vergleichbare Herausforderungen“ stellen würden. Spahn sagte auf die Frage, ob auch in Deutschland ganze Städte abgeriegelt werden könnten, theoretisch sei vieles denkbar. Notwendig sei so ein Schritt nicht. „Von der Absage von Großveranstaltungen (...) bis zum kompletten Abriegeln ganzer Städte gibt es ja auch noch viele Zwischenstufen.“

    Wahr sei allerdings auch, dass noch nicht alles über das Coronavirus bekannt sei. Deshalb müssten die Forschung zu dem Virus und die Suche nach einer Therapie und einem Impfstoff verstärkt werden.
    Die EU-Kommission stellte 232 Millionen Euro aus dem EU-Budget für den Kampf gegen das Virus zur Verfügung. Die weitaus meisten Fällen konzentrieren sich auf China. Die Behörden dort meldeten am Montag aber einen Rückgang der Neuinfektionen.

    Fast alle neuen Ansteckungen stammten aus der am meisten betroffenen Provinz Hubei. Dennoch entschied China, das für den 5. März geplante Treffen des Nationalen Volkskongresses auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

    Mehr: Nach dem sprunghaften Anstieg der Infiziertenzahl herrscht in Italien Alarmstimmung. Südkorea ruft wegen des Virus die höchste Alarmstufe aus.

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    1 Kommentar zu "Covid-19: Sieben Todesfälle gemeldet – Coronavirus versetzt Norditalien in Ausnahmezustand"

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    • "eine zulässige Belastung für den hoch verschuldeten Staat"? Was soll das heißen?

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