Handelskonflikt: USA und China erweitern ihr Handelsabkommen
Washington. Shanghai. Die Vereinigten Staaten haben sich mit China auf Maßnahmen geeinigt, die den Handelsstreit und den Konflikt um Seltene Erden entspannen sollen. „Die Regierung und China haben sich auf eine zusätzliche Vereinbarung über den Rahmen für die Umsetzung des Genfer Abkommens geeinigt“, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses.
In der Vereinbarung gehe es darum, „wie wir die Lieferungen von Seltenen Erden in die USA wieder beschleunigen können“, so der Sprecher. Aus Regierungskreisen hieß es, die Vereinbarung sei bereits Anfang dieser Woche getroffen worden.
Ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums in Peking bestätigte die Vereinbarung am Freitagnachmittag (Ortszeit) und damit auch die Darstellung der amerikanischen Seite im Grundsatz. China werde die Exportanträge genehmigen, die die „Anforderungen nach Gesetzeslage erfüllen“, so der Ministeriumssprecher. Die US-Seite werde demnach eine Reihe restriktiver Maßnahmen gegen China aufheben, hieß es weiter. Das chinesische Außenministerium in Peking hatte zunächst nicht auf eine Handelsblatt-Anfrage geantwortet.
US-Handelsminister Howard Lutnick wurde von Bloomberg mit den Worten zitiert: „Sie werden uns Seltene Erden liefern.“ Sobald die Chinesen das täten, würden die USA auch Maßnahmen ergreifen, so Lutnick weiter. Laut der US-Seite soll China zugesagt haben, Seltene Erden zu liefern, die unter anderem für den Bau von Windturbinen und Düsenflugzeugen benötigt werden.
Während der Handelsgespräche zwischen den USA und China im Mai in Genf hatte sich Peking verpflichtet, die seit dem 2. April gegen die USA verhängten nichttarifären Gegenmaßnahmen aufzuheben, obwohl unklar war, wie einige dieser Maßnahmen zurückgenommen werden würden.
Chinas Industrieunternehmen unter Druck
Als Teil seiner Vergeltungsmaßnahmen gegen die neuen US-Zölle hatte China die Ausfuhr einer breiten Palette kritischer Mineralien, Seltener Erden und Magnete ausgesetzt und damit die Lieferketten von Automobilherstellern, Luft- und Raumfahrtunternehmen, Halbleiterfirmen und militärischen Auftragnehmern in aller Welt durcheinander gebracht.
Die US-Regierung reagierte mit eigenen Exportkontrollen, die die Lieferung von Halbleiterdesignsoftware, Flugzeugen und anderen Waren nach China verhinderten.
Anfang Juni berichtete Reuters, dass China Insidern zufolge vorübergehende Exportlizenzen für Seltene Erden an Zulieferer der drei größten US-Automobilhersteller erteilt hatte, da sich aufgrund der Exportbeschränkungen für diese Materialien Unterbrechungen in der Lieferkette abzeichneten.
Offenbar gab es auch Handlungsdruck auf chinesischer Seite: Chinas Industrieunternehmen geraten im Zollstreit zunehmend unter Druck. Im Mai verzeichneten sie den stärksten Gewinnrückgang seit Oktober, wie die neuesten Daten des nationalen Statistikamtes in Peking von Freitag dieser Woche zeigen. Demnach fielen die Industriegewinne im vergangenen Monat um 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die chinesischen Aktienmärkte – an den Festlandbörsen und in Hongkong – gaben nach der Veröffentlichung der Zahlen bis zum Mittag (Ortszeit) leicht nach.
Trump spricht von Handelsabkommen mit Indien
US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich angekündigt, die USA hätten am Mittwoch ein Handelsabkommen mit China unterzeichnet. Er präzisierte allerdings nicht, um was für eine Art von Abkommen es sich handelte. Trump kündigte zudem weitere Deals mit anderen Ländern an.
„Wir haben einige großartige Abkommen. Wir haben bereiten eines mit Indien vor, ein sehr großes“, sagte Trump bei einer Veranstaltung am Donnerstag im Weißen Haus.
Ein Team von indischen Vertretern soll unter der Leitung des Chefunterhändlers Rajesh Agarwal in dieser Woche zwei Tage lang mit Beamten in Washington zusammentreffen. Dabei wollen beide Seiten Differenzen auszuräumen und eine gemeinsame Basis zu finden, sagten mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Eine Forderung aus Washington hat die Gespräche zwischen den beiden Ländern zuvor belastet. Die US-Regierung wollte, dass der indische Markt für gentechnisch verändert Pflanzen geöffnet werden soll. Indien hat sich dagegen heftig gewehrt.
Erstpublikation: 27.06.2025, 06:26 Uhr.