Harold James: „In den USA drohen Weimarer Verhältnisse“
Berlin. In einer Zeit der Umbrüche wächst das Bedürfnis nach Orientierung, nach historischer Einordnung. Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank, zog zuletzt Parallelen zwischen der neuen Ära der Unsicherheit und den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Folgen einer Pandemie, zunehmender Protektionismus, geopolitische Spannungen: Vor hundert Jahren war die Welt ähnlich krisengeschüttelt wie heute – und taumelte in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs.
Der Princeton-Professor Harold James zählt zu den scharfsinnigsten Historikern der Gegenwart. Er hält Lagardes Warnung für berechtigt – und geht sogar noch weiter. „Wir erleben eine Globalisierung von Kriegen“, sagt er im Handelsblatt-Interview. Sorge bereiten ihm vor allem die USA, die bisherige Ordnungsmacht: „Wir erleben Weimarer Verhältnisse in den USA.“