Interview: „Wenn es der Iran zur Atommacht schafft, ist es vorbei“
Düsseldorf. Drohende Eskalation in Nahen Osten, zunehmend schwierige Lage in der Ukraine und dann noch die mögliche Wiederwahl Donald Trumps: Als „Welt in Aufruhr“ beschreibt Herfried Münkler die geopolitische Lage.
Besonders fragil sieht der Berliner Politologe die Situation im Nahen Osten. Obwohl weder Israel noch der Iran ein Interesse an einem großen Krieg im Nahen Osten hätten, könnten die Parteien in einen solchen Krieg schlittern, weil sie auch aus innenpolitischem Kalkül handeln, sagt Münkler im Interview mit dem Handelsblatt.
Lesen Sie hier das komplette Interview mit Herfried Münkler:
Herr Münkler, Israel hat am Freitagmorgen offenbar auf den Angriff Irans reagiert. Ist das jetzt der gefürchtete Flächenbrand?
Das lässt sich im Augenblick kaum sagen. Es ist ja noch völlig unklar, was da in dem Gebiet bei Isfahan eigentlich passiert ist. Der Iran dementiert jedenfalls einen Angriff.
Der Iran hatte es zuvor gewagt, von seinem Territorium aus Israel direkt anzugreifen. War das eine Zäsur?
Die Frage der Zäsur ist in diesem Fall nur ein theoretisches Problem. Die iranischen Revolutionsgarden haben direkt angegriffen – und nicht, wie üblich, eine der Milizen wie Hisbollah, die Huthis oder Hamas. Die entscheidende Frage lautet: Steht Israel jetzt immer noch unter Reaktionszwang, oder hat sich das mit der jetzigen Operation erledigt?