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Olympische Spiele in Tokio IOC-Präsident Thomas Bach steckt in der Zeitfalle

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees zögert die Entscheidung über Tokio 2020 weiter hinaus. Mit fatalen Folgen für die Sportler.
15.03.2020 - 15:21 Uhr Kommentieren
Der IOC-Präsident will sein Hochglanz-Event retten. Quelle: Reuters
Thomas Bach

Der IOC-Präsident will sein Hochglanz-Event retten.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Es ist Thomas Bach, der noch immer kategorisch daran festhält, die Olympischen Spiele in diesem Sommer in Tokio stattfinden zu lassen. Nahezu die gesamte Sportwelt ist im Zuge der Coronakrise zusammengebrochen. Fußball-Bundesliga, Formel 1, Champions League, der Giro d‘Italia – alle abgesagt. Gar eine Verschiebung der Fußball-Europameisterschaft im Juni und Juli ist jetzt im Gespräch. Krisensitzung statt Stadionbesuch.

Nur einen Tag nach seinem Start im antiken Olympia in Griechenland ist der Fackellauf abgebrochen worden. Doch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) mit dem Deutschen Bach an der Spitze scheint man unbeirrt. Man höre zwar auf die Ratschläge der Weltgesundheitsorganisation (WHO), heißt es aus der IOC-Zentrale im schweizerischen Lausanne.

Die Lage werde „täglich, 24 Stunden, sieben Tage die Woche“ beobachtet, so äußerte sich Bach kürzlich. Und betonte: „Wir arbeiten mit vollem Engagement auf den Erfolg dieser Spiele mit der Eröffnungsfeier am 24. Juli hin und tun alles dafür, damit sich auch die Athleten entsprechend vorbereiten können.“

Dabei hat der 66-Jährige schon jetzt große Probleme mit der Machbarkeit der Veranstaltung. Denn bislang wurden über den Globus verteilt bereits so viele nationale Vorentscheidungen abgesagt, dass sich erst 50 Prozent der mehr als 10 000 teilnehmenden Sportler überhaupt für die Spiele qualifiziert haben. Man wolle da jetzt flexibel sein und Wettkämpfe noch nachholen, sagte Bach am Wochenende in den „Tagesthemen“ – doch derzeit ist nicht klar, wie das unter fairen Bedingungen überhaupt umsetzbar ist.

Die Unsicherheit der Athleten ist riesig. Neben der Angst vor den Auswirkungen des Coronavirus müssen viele bei einer Absage der Olympischen Spiele um ihre Existenz bangen. In Deutschland hängen nahezu alle Leistungssportler, die nicht gerade Fußball, Tennis oder Golf spielen, am Tropf der nationalen Sportförderung. Die ist wiederum an Leistung geknüpft. Sprich: Wer keine Medaillen gewinnt, der verdient auch wenig Geld. Zur Einordnung: Leichtathleten, Ruderer, Ringer bekommen hierzulande meist weniger als den Mindestlohn.

Es sind die Olympischen Spiele, die diesen Sportlern die Möglichkeit geben, in den Medien eine größere Aufmerksamkeit zu erlangen und Sponsoren zu gewinnen. Alle vier Jahre einmal.

Bach kennt die Befindlichkeiten der Sportler

Bach, einer der mächtigsten Sportfunktionäre der Welt, weiß aus eigener Erfahrung um die Befindlichkeiten der Sportler. Er selbst war Florettfechter, wurde 1976 Olympiasieger und Weltmeister. Doch ihm ist auch klar, was eine Absage wirtschaftlich für das IOC – das im aktuellen Olympiazyklus von 2017 bis 2020 mehr als sechs Milliarden Dollar umsetzt – bedeuten würde. Ein Großteil wäre zwar über Ausfallversicherungen und Notfall-Fonds abgedeckt, die komplette Summe allerdings nicht. Und: Die Gelder, die das IOC während des Vier-Jahres-Zyklus aus der Vermarktung einnimmt, müssen zum Teil an die nationalen Komitees ausgezahlt werden. Absage hin oder her.

Es sind mehrere Milliarden Euro, die sich mit den fünf Ringen verdienen lassen. Und über die Bach herrscht. Seit 2013 steht er bereits dem IOC vor. Es ist die Position, die er lange angestrebt hatte. Mit viel Ehrgeiz und Akribie, aber auch mithilfe eines weltweit gespannten Netzwerks hat er sich nach oben gearbeitet.

Der Jurist aus Tauberbischofsheim war Mitglied beim Nationalen und Internationalen Olympischen Komitee, beim Deutschen Olympischen Sportbund, beim Sportgerichtshof CAS, er saß im Aufsichtsrat des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006 und wollte die Winterspiele 2018 nach München holen. Letzteres ohne Erfolg.

Bach, der Freund von Russlands Präsident Wladimir Putin, von Scheichs und Oligarchen, gilt als ungemütlich, als hartnäckiger Taktierer. Als einer, der umsetzt, was er sich in den Kopf gesetzt hat. Die Herausforderung, vor der er aktuell steht, ist wohl die größte in seiner Karriere.

Bach muss sein Hochglanzevent am Leben halten, er muss den Sportlern gerecht werden – und am Ende die Verantwortung für die Entscheidung tragen, ob die Olympischen Spiele im Sommer tatsächlich stattfinden. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr.

Mehr: Der Profisport kommt durch das Coronavirus zum Erliegen. Und das ist erst der Anfang.

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