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StrafzölleHandelsstreit zwischen USA und China trifft auch die deutsche Wirtschaft

Washington und Peking überziehen sich mit neuen Strafzöllen. Die neuen Einfuhrabgaben bergen weitere Risiken – auch für deutsche Unternehmen.Annett Meiritz, Nicole Bastian, Franz Hubik und Florian Kolf und Donata Riedel, Sha Hua 18.09.2018 - 18:34 Uhr Artikel anhören

Auf die jüngsten US-Strafzölle reagierte China umgehend.

Foto: imago/Christian Ohde

Washington, Berlin, Düsseldorf. Die Antwort folgte auf dem Fuß: Keine 24 Stunden zuvor hatte US-Präsident Donald Trump seine Strafzölle von zehn Prozent auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar angekündigt, da schoss die chinesische Führung zurück.

Fünf bis zehn Prozent werden Pekings Strafzölle auf US-Güter im Wert von 60 Milliarden Dollar ab kommender Woche betragen, darunter Zölle auf Kaffee und Honig, Industriechemikalien und Flüssiggas. Es ist eine Eskalation mit Ankündigung, die sich seit Jahresbeginn zwischen Washington und Peking abspielt.

Eine Eskalation, die mittlerweile die deutsche Industrie alarmiert. „Die neuen Zölle treffen auch deutsche Unternehmen als Teil der weltweiten Produktions- und Wertschöpfungsketten“, warnte BDI-Präsident Dieter Kempf. Konkret betroffen sehen sich unter anderem Autoteilehersteller, Elektronikproduzenten und Maschinenbauer. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sieht die deutsche Wirtschaft von dem Handelskonflikt gar ähnlich hart getroffen wie die USA selbst, denn fast alle chinesischen und amerikanischen Exporte enthielten Vorleistungen von deutschen Unternehmen.

Neben der direkten Auswirkung über die Lieferketten befürchten Manager und Ökonomen makroökonomische Risiken für den chinesischen Markt oder in den Schwellenländern, etwa einen Wachstumsrückgang. „Die Schwellenländer sind am verletzlichsten, vor allem wenn sie über China in die USA exportieren“, sagte der Außenhandelsexperte Gabriel Felbermayr dem Handelsblatt.

Als gutes Zeichen mag gelten, dass die USA nur zehn und nicht gleich 25 Prozent an Strafzöllen erhoben haben. Damit drohen sie für den Jahresbeginn 2019. Bis dahin könnten die USA und China noch den Deeskalationsmodus finden.

Doch viele chinesische Unternehmer sind mittlerweile von Trotz erfüllt. „Ich hoffe, dass China hart gegenüber den USA bleibt. Sie legen uns Steine in den Weg, deswegen sollten wir ihnen auch das Leben schwermachen“, sagt beispielsweise Li Linghui. Dabei sollte Li eigentlich auf eine baldige Einigung im Handelskonflikt hoffen. Denn der Fabrikbesitzer aus dem südchinesischen Guangzhou ist ein Hersteller von Koffern und Taschen – Produkte, die sich auf der Liste finden, die von den neusten amerikanischen Strafzöllen in Höhe von zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar betroffen sind.

Mehr als die Hälfte von Lis Bestellungen kommen aus den USA. In Erwartung der jetzt verkündeten Einfuhrabgaben hat er sich nicht mehr getraut, in die USA zu liefern. „Denn wenn die Zölle in Kraft treten, dann wird die versandte Ware vermutlich zurückgeschickt“, meint er. Seither verzeichnet seine Fabrik einen monatlichen Verlust von 20.000 Dollar.

Autoabsatz in China geht zurück

Es sind solche Beispiele, die zeigen, dass der Handelsstreit zwischen China und den USA sich bereits wirtschaftlich niederschlägt in China. Auch auf dem wichtigen Automarkt. Die Einfuhrabgaben für Autos haben Washington und Peking bereits im Juli drastisch angehoben. Nun geht die Zahl verkaufter Autos in China seit drei Monaten zurück.

Allein im August sank sie im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent auf 1,76 Millionen Stück. Seit Juli sind die Einfuhrtarife auf Autos aus amerikanischer Produktion auf bis zu 40 Prozent angehoben worden.

Dies trifft auch Daimler und BMW hart. Beide Konzerne produzieren im Süden der USA jährlich Zehntausende Autos, die vor allem nach Fernost verschifft werden. Daimler fertigt in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama seine sportlichen Geländewagen (SUV) für den Weltexport. Konkurrent BMW betreibt in Spartanburg in South Carolina das größte Werk des Konzerns mit einer Jahreskapazität von künftig 450.000 Autos.

Bei der Pkw-Sparte Daimlers sorgt der Handelsstreit schon für erhebliche Einbußen. In Stuttgart sah man sich Ende Juni gar veranlasst, eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr auszugeben. „Ich bin zutiefst beunruhigt über den drohenden Nationalismus – nicht nur in Amerika“, sagte Daimler-Vorstand Martin Daum, der bei den Schwaben das Geschäft mit Lastwagen verantwortet, am Dienstag. Jede Form der Abschottung sei schädlich. Noch überlagere die gute Konjunktur die protektionistischen Einschläge. Doch längst werden in Stuttgart und München Planspiele gewälzt, wie sich Zölle umgehen lassen.

Ähnliche Auswirkungen auf ihre Lieferketten prüfen auch Maschinenbauer und Hersteller von Elektronikteilen. Auch Handelsunternehmen sind betroffen. Der Textildiscounter Kik etwa hat wegen der amerikanischen Zoll-Politik seinen geplanten Start in den USA komplett abgesagt, produziert er doch einen großen Teil seiner Ware in Fernost.

Wachstumsbremse für China

Die neue Eskalation im Handelsstreit könnte die deutsche Wirtschaft zudem über den möglichen Einbruch der Konjunktur treffen. Beispiel Autobranche: „Die weltweite Automobilnachfrage wird durch den eskalierenden Handelsstreit abnehmen“, warnt Ferdinand Dudenhöffer. „Der Effekt wird unterschätzt“, sagt der Leiter des Center Automotive Research (CAR). Insbesondere im Reich der Mitte drohen Verwerfungen. „China ist seit mehr als einem Jahrzehnt die Lokomotive für den Weltautomarkt. Diese Lokomotive wird nun langsamer fahren, und das werden alle spüren.“

Das Ifo-Institut rechnet damit, dass die zusätzlichen Zölle das chinesische Wachstum um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte senken könnten. Sollten die Zölle auf 25 Prozent steigen, wie US-Präsident Donald Trump für den Jahreswechsel angedroht hat, könnte dies die chinesische Wirtschaft um immerhin 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte bremsen.

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Rolf Langhammer, Außenwirtschaftsexperte beim Institut für Weltwirtschaft Kiel, fürchtet vor allem weitere Eskalationsschritte. „Weil die Chinesen bald nicht mehr exakt gleich auf Trumps Zölle reagieren können, weil sie nicht so viele Güter aus den USA importieren, werden sie wohl amerikanische Dienstleistungsunternehmen in China behindern. Dies könnte die USA sichtbar treffen und den Konflikt weiter anheizen“, sagte Langhammer dem Handelsblatt.

In seiner Mitteilung am Abend erwähnte das Handelsministerium neben den Zöllen keine „qualitativen“ Maßnahmen wie Exportbeschränkungen, die einige chinesische Politiker in Erwägung gezogen hatten. Da China 2017 nur US-Waren im Gesamtwert von 130 Milliarden importierte, kann Peking in dieser Runde die Summe der Amerikaner nicht mehr spiegeln. Auch weitere Verhandlungen sagte Peking nicht ab. Chinas Präsident Xi Jinping soll sein Team angewiesen haben, weiterhin Verhandlungen und Gespräche mit den Amerikanern zu suchen.

Innovationsbremse für die USA

US-Präsident Donald Trump ist von seinem radikalen Handelskurs überzeugter denn je. „Erinnert ihr euch an die alten Zeiten?“, sagte er am Montag vor Arbeitgeberverbänden im Weißen Haus. „Damals haben wir unsere Produkte selbst hergestellt. Jetzt kaufen wir sie auf der ganzen Welt ein. Ehrlich gesagt, das können wir auch allein schaffen, und es wird uns wirtschaftlich noch bessergehen. Viele amerikanische Unternehmen werden zurückkehren.“ Wenige Stunden später verkündete er die bislang umfangreichsten Importzölle gegen China. Diese zielen ins Herzstück der chinesischen Industrie.

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Doch die neuen Strafzölle könnten auch der US-Wirtschaft schaden – und zwar stärker als vorangegangene Maßnahmen. Erstmals könnte der US-Durchschnittskunde die Folgen des Handelskonflikts im Portemonnaie spüren. Denn die neuen Einfuhrabgaben betreffen vor allem Konsumgüter, darunter Kühlschränke, Klimaanlagen, Möbel, Fernsehgeräte, Koffer und Spielwaren.

Die Zölle könnten zudem erhebliche Auswirkungen auf den wichtigen Technologiesektor haben – und damit in einer extrem zukunftsträchtigen Branche langfristigen Schaden anrichten. Zwar wurden sogenannte Connected Consumer Products, wie Apple Watches und die Kopfhörer Air Pods, verschont. Doch die Liste der Strafzölle, die knapp tausend Elemente aufzählt, wimmelt von Tech-Produkten wie Routern und elektronischen Bauteilen.

Die Vereinigung für Verbrauchertechnologie kritisierte Trumps Strafzölle als „schlechte Politik“. Die Vergeltungszölle aus China „werden unsere globale Führungsposition im 5G-Ausbau ersticken, Unternehmen faktisch mit einer Internetsteuer belegen und Unsicherheit schüren“, teilte die Gruppe mit. „Keiner gewinnt in einem Handelskrieg“, meint Jay Timmons, der dem US-Verband der fertigenden Industrie vorsteht: „Jetzt ist die Zeit gekommen zu verhandeln.“

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