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Türkei Ausverkauf gewinnt an Dynamik: Türkische Lira fällt auf Rekordtief

Die Währung des Landes gehört zu den schwächsten der Welt – obwohl die türkische Wirtschaft robust aufgestellt ist. Ausschlaggebend ist der politische Einfluss.
28.05.2021 - 14:21 Uhr Kommentieren
Die Währung des Landes steht weiter massiv unter Druck. Quelle: Reuters
Lira-Geldscheine

Die Währung des Landes steht weiter massiv unter Druck.

(Foto: Reuters)

Istanbul Normalerweise verliert eine Währung an Wert, wenn es schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft zu verkünden gibt. Bei der türkischen Lira gehört der Verlust mittlerweile eher zum Tagesgeschäft. Am Freitag fiel der Kurs der Lira im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro jeweils auf ein Rekordtief. Am Vormittag wurden für einen Dollar bis zu 8,5981 Lira gezahlt. Ein Euro kostete bis zu 10,4745 Lira.

Die Türkei befindet sich in einer Spirale aus einer vergleichsweise hohen Inflation und einer Währung, die immer stärker abwertet. Im April war die Inflationsrate auf etwas über 17 Prozent gestiegen. Zuletzt hatte die Abwertung der Lira wieder Fahrt aufgenommen, nachdem die Führung der Zentralbank entlassen worden war. Damit zerschlug sich die Hoffnung auf eine konsequente Inflationsbekämpfung.

Am Freitag wird zudem die Bonitätseinstufung der Türkei durch Standard & Poor’s erwartet. Das könnte die akute Nervosität internationaler Anleger erklären. Doch der allgemeine Trend der schwachen Währung ist seit Monaten deutlich.

In der Türkei sind in den vergangenen Jahren die Wirtschafts- und Finanzpolitik in eine gefährliche Abhängigkeit von der Innen- und Außenpolitik des Landes geraten. Immer wieder sorgen politische Ereignisse dafür, dass die Währung des Landes, ihre Geldpolitik oder die Wirtschaftskraft türkischer Unternehmen Schaden nimmt.

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    Ein Putschversuch und eine Serie von Terroranschlägen, gefolgt von einer Verhaftungswelle, haben Investoren vergrault und damit die Finanzkraft des Landes geschwächt. Ein Streit mit den USA um einen inhaftierten Pastor hatte ebenfalls dafür gesorgt, dass Investoren plötzlich ihre Gelder abzogen, obwohl andere Makrodaten zu der Zeit stabil geblieben waren.

    Und schließlich hat die autoritäre Politik der Regierung unter Staatschef Recep Tayyip Erdogan Hunderttausende Urlauber aus Deutschland und anderen Ländern dazu gebracht, keinen Schritt mehr in ein Hotel an der türkischen Riviera setzen zu wollen. Damit fielen wichtige Deviseneinnahmen weg – zum Leidwesen der Hoteliers, die mit Politik nichts zu tun haben wollen.

    Die türkische Wirtschaft ist stark aufgestellt

    Dabei sind die Grundvoraussetzungen der türkischen Wirtschaft positiv. Das Land verfügt über mehrere starke Exportindustrien und damit gute Einnahmequellen. Neben dem Tourismus sind das der Maschinenbau, Baumwolle und andere Agrargüter sowie Rohstoffe. Auch der türkische Start-up-Sektor prosperiert und hat kaum Probleme, an frisches Geld aus dem Ausland zu kommen. Der störende Parameter ist und bleibt die Politik. Das zeigt sich auch jetzt.

    „Es wird mal wieder klar, dass sich der Wechselkurs nur selten nach den wirtschaftlichen Fundamentaldaten richtet“, sagt Commerzbank-Analyst Tatha Ghose. „Jeder Abwertungsschub könnte eine neue Lira-Krise auslösen, wenn dieser in eine höhere Inflation mündet.“

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    Die türkische Zentralbank (CBT), führt der Experte aus, könne aufgrund des politischen Drucks kaum gegensteuern. „Da sie die Zinsen nicht anheben kann, ist die CBT darauf angewiesen, dass sich die Teuerung durch externe oder andere Faktoren abkühlt, sodass zumindest eine kurze Phase der Stabilität gegeben ist.“

    Erdogan kämpft weiter gegen hohe Zinsen

    Hinzu kommen globale Entwicklungen. Die anziehenden Zinsen in den USA und ein Rekord-Konjunkturprogramm von US-Präsident Joe Biden ziehen viele Gelder an, die vorher in Schwellenländern angelegt waren.

    Doch selbst hier zeigt sich die gefährliche Verquickung von Machtpolitik und dem Wirtschaftsmanagement einer Regierung. Denn niemand traut der türkischen Zentralbank noch zu, diesem Trend entgegenwirken zu können. Präsident Erdogan hat in den vergangenen zwölf Monaten vier der sieben Gouverneure der Zentralbank ausgetauscht, inklusive dem Präsidenten der Notenbank. Eigentlich müssten die Geldwächter die Leitzinsen anziehen, um internationalen Investoren eine höhere Rendite für ihre Türkei-Investments anzubieten.

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    Doch Erdogan hatte in der Vergangenheit häufig klargemacht, dass er kein Freund hoher Zinsen ist. Anleger haben das längst registriert und meiden die Türkei weiterhin. Und wenn frisches Geld aus dem Ausland ausbleibt, dann schwächt das die Währung des Landes. Ein Teufelskreis, den nur Erdogan selbst beenden kann.

    Mehr: Erdogans Mann für den Kampf gegen die Zinsen

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