Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Türkei Sondertreffen der Nato nach Eskalation in Syrien

Nach dem Tod von 33 türkischen Soldaten in Idlib und anschließenden Vergeltungsangriffen löst die Türkei Artikel 4 aus – die Nato kritisiert Russland.
28.02.2020 Update: 28.02.2020 - 13:06 Uhr 2 Kommentare
Oppositionelle Milizen sollen mit türkischer Unterstützung den strategisch wichtigen Ort im Kampf um Syriens letzte große Rebellenhochburg um die Stadt Idlib unter Kontrolle gebracht haben. Quelle: dpa
Konflikt in Syrien

Oppositionelle Milizen sollen mit türkischer Unterstützung den strategisch wichtigen Ort im Kampf um Syriens letzte große Rebellenhochburg um die Stadt Idlib unter Kontrolle gebracht haben.

(Foto: dpa)

Istanbul Nach der Tötung von 33 türkischen Soldaten droht eine dramatische Verschärfung des Syrien-Konflikts mit unabsehbaren Konsequenzen auch für Europa. Der Nato-Rat kam am Freitag in Brüssel auf Antrag der Türkei zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Gleichzeitig kündigte ein türkischer Regierungsvertreter die Öffnung der Grenzen zur EU für Flüchtlinge aus der umkämpften syrischen Rebellen-Provinz Idlib an. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell warnte davor, „in eine große, offene internationale militärische Konfrontation zu rutschen“.

Die EU werde alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz ihrer Sicherheitsinteressen prüfen. Russland, das anders als die Türkei in Syrien die dortige Regierung unterstützt, beschloss die Verlegung von zwei mit Marschflugkörpern ausgestatteten Kriegsschiffen in die Gewässer vor der syrischen Küste.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte nach der Sitzung des Nato-Rats, die Bündnispartner stünden solidarisch zur Türkei. „Wir rufen Russland und das syrische Regime dazu auf, die rücksichtslosen Luftangriffe zu stoppen.“ Auch müssten sie das Völkerrecht achten.

Die Türkei hatte die Sitzung auf Basis von Artikel 4 des Nordatlantikvertrags beantragt, der Beratungen vorsieht, wenn ein Nato-Mitglied die eigene Sicherheit bedroht sieht. Der eigentliche Bündnisfall wird in Artikel 5 geregelt. Die Türkei forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, eine Flugverbotszone im Bürgerkriegsland Syrien einzurichten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Nach türkischen Angaben wurden die 33 Soldaten am Donnerstag bei einem Luftangriff syrischer Regierungstruppen in Idlib getötet. Seit einem Angriff kurdischer PKK-Rebellen im Jahr 1993 sind bei einem einzigen Zwischenfall nie mehr so viele türkische Soldaten umgekommen.

    Insgesamt starben damit im Februar in Idlib bereits 54 türkische Militärangehörige. Die Regierung in Ankara hat insgesamt Tausende Soldaten in die an die Türkei grenzende Region entsandt und unterstützt dort Rebellengruppen.

    Türkei widerspricht russischer Darstellung

    Russland ist dagegen der wichtigste militärische Verbündete von Präsident Baschar al-Assad, der seit fast zehn Jahren versucht, einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. Idlib ist die letzte verbliebene größere Rebellenhochburg. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat damit gedroht, syrische Soldaten zurückzuschlagen, sollten sie nicht aus dem Bereich türkischer Beobachtungsposten in der Region abziehen.

    Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur RIA, die getöteten türkischen Soldaten hätten nicht in dem angegriffenen Gebiet sein sollen. Ankara habe Moskau nicht vorab über ihre Position informiert trotz regelmäßig genutzter Kommunikationskanäle.

    Die syrischen Truppen hätten versucht, eine Rebellenoffensive abzuwehren. Russische Kampfjets seien an dem Angriff nicht beteiligt gewesen seien. Moskau habe alles versucht, um den Beschuss zu stoppen, als es von der Präsenz türkischer Truppen erfahren habe.

    Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar widersprach. Die Soldaten seien angegriffen worden, obwohl man sich mit russischen Vertretern am Boden abgestimmt habe, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu den Minister. Zudem seien die Angriffe trotz einer Warnung nach den ersten Einschlägen fortgesetzt worden. Auch Krankenwagen seien getroffen worden. Aus Vergeltung seien 309 syrische Soldaten getötet worden.

    Migranten auf dem Weg zur EU-Außengrenze

    Die Gewalt in Idlib hat inzwischen ein solches Ausmaß angenommen, dass die Vereinten Nationen vor einem „Blutbad“ warnen. Die Bundesregierung bemüht sich mit Frankreich um eine Entspannung. Doch auf den Vorschlag eines Viertreffens mit Erdogan sei Russland bislang nicht eingegangen, sagte Regierungssprecher Steffen Siebert in Berlin. Das Angebot bestehe noch. Der Kreml teilte mit, Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin hätten telefonisch vereinbart, dass versucht werden solle, ein Spitzentreffen zu organisieren.

    Die syrischen Einheiten treiben mit Unterstützung der russischen Luftwaffe ihre Offensive voran. Seit der Rückeroberung von Gebietsteilen im Dezember haben etwa eine Millionen Zivilisten ihre Städte und Dörfer aus Angst vor den Angriffen verlassen. Angesichts der jetzigen Eskalation rechnet die Türkei, die bereits 3,7 Millionen Menschen aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen hat, mit weiteren Flüchtlingen.

    Ankara hat jedoch wiederholt erklärt, nicht noch mehr Menschen Zuflucht bieten zu können. Einem Regierungsvertreters zufolge sind daher die Küstenwache und Grenzposten angewiesen worden, ab sofort Flüchtlinge, die in die EU gelangen wollten, nicht mehr aufzuhalten. Reuters-Reporter beobachteten, wie sich mehrere Gruppen auf den Weg zu den türkisch-griechischen und türkisch-bulgarischen Grenzen machten. Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis teilte mit, er habe die Lage mit Kanzlerin Angela Merkel telefonisch besprochen. Details wurden nicht genannt.

    Ein 2016 geschlossener Pakt zwischen der EU und der Türkei sieht eigentlich vor, dass Migranten, die die Ägäis überqueren, zurück in die Türkei geschickt werden. Im Gegenzug zahlt die EU der Türkei Hilfsgelder in Milliardenhöhe. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, die türkische Seite habe sich bezüglich einer Änderung ihrer Asyl- und Flüchtlingspolitik bisher nicht offiziell geäußert. Die EU erwarte, dass Ankara den Pakt von 2016 einhalte.

    Mehr: Die Angriffe auf türkische Soldaten sind ein geopolitischer Game Changer, meint Handelsblatt-Korrespondent Ozan Demircan.

    • rtr
    Startseite
    Mehr zu: Türkei - Sondertreffen der Nato nach Eskalation in Syrien
    2 Kommentare zu "Türkei: Sondertreffen der Nato nach Eskalation in Syrien"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das ist schon ein dicker Hund. Die Tuerkei marschiert in ein fremdes Land, verliert dabei
      Soldaten und ruft dann die Nato um Beistand an - der Gipfel der Chuzpe.

    • Der Aggressor Türkei, mit dem Despoten Erdogan, will die NATO mittels Artikel 4 des NATO-Vertrags in seinen Angriffskrieg gegen Syrien mit hinein ziehen.
      Da die Aggression eindeutig von der Türkei ausgeht, denn die Türkei ist in Syrien einmarschiert, muss die NATO das Ersuchen des Despoten Erdogan unverzüglich zurück weisen, denn es ist weder „die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien, hier Türkei, bedroht“. Die Türkei braucht sich nur auf ihr Hoheitsgebiet zurückziehen und der Spuk hat ein Ende.
      Keinesfalls darf die NATO die Türkei in irgendeiner Weise unterstützen. Wer sich die Suppe einbrockt löffelt diese auch selber aus.
      Hier heißt es wehret den ersten Anfängen, einen militärischen völkerrechtswidrigen Konflikt mit Russland vom Zaun zu brechen, wo keiner weiß wie er enden könnte. Russland wurde von dem souveränen Staat Syrien um Hilfe gebeten somit befindet sich Russland gemäß Völkerrecht zu Recht in Syrien, im Gegensatz dazu hat die Türkei das Völkerrecht mit dem unbegründeten Einmarsch in Syrien gebrochen.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%