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TV-Debatte Jeder gegen jeden, alle gegen Bloomberg

Die TV-Debatte der US-Demokraten verkommt zum Klassenkampf. Die Präsidentschaftsbewerber fallen über den Milliardär Bloomberg her. Der Sieger heißt Donald Trump.
20.02.2020 Update: 20.02.2020 - 08:22 Uhr Kommentieren

TV-Debatte der Demokraten: Kritik aus eigener Reihe an Bloomberg

Washington Zu beneiden war Michael Bloomberg an diesem Abend nicht. Zwar galt dem New Yorker Milliardär bei seinem Debüt in einer TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber die ganze Aufmerksamkeit.

Aber Bloomberg wurde von seinem Parteikollegen in Las Vegas derart angefeindet, dass ihm irgendwann der Geduldsfaden riss. „Das Einzige, was wir mit solchen Debatten erreichen, ist, dass Donald Trump wiedergewählt wird“, sagte der 78-Jährige.

Tatsächlich glich die Diskussion drei Tage vor der nächsten Vorwahl in Nevada eher einem Klassenkampf als einer konstruktiven, inhaltlichen Debatte. „Dass ein Milliardär wie Bloomberg die Wahlen oder gleich das ganze politische System kaufen will, können wir nicht zulassen“, rief Bernie Sanders, der linke Senator aus Vermont. Bloomberg habe mehr Vermögen als 125 Millionen Amerikaner. „Das ist grotesk.“

Bloomberg konterte: „Ich habe das Geld hart erarbeitet und spende Millionen gerne für gute Zwecke.“ Und er benutze das Geld, „um den schrecklichsten Präsidenten, den Amerika jemals hatte“, aus dem Amt zu vertreiben.

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    Über weite Strecken war die Debatte ein Zweikampf zwischen dem „Frontrunner“ Sanders, der die landesweiten Umfragen mit 24 Prozent anführt, und dem „Newcomer“ Bloomberg, der inzwischen noch vor Joe Biden auf Platz zwei liegt und erst zum „Super Tuesday“ am 3. März in den Vorwahlkampf einsteigen wird. An diesem Tag werden Vorwahlen in 14 Staaten abgehalten, darunter so große und bevölkerungsreiche wie Kalifornien und Texas.

    Aber nicht nur Sanders, auch die anderen Bewerber übten sich in Klassenkampf: „Die Demokraten gehen ein großes Risiko ein, wenn sie nur einen arroganten Milliardär gegen einen anderen austauschen“, warnte Elizabeth Warren, die ebenfalls zum linken Flügel gehörende Senatorin aus Massachusetts. Aber nicht nur Bloomberg, sondern auch Pete Buttigieg, den ehemaligen Bürgermeister aus South Bend (Indiana), attackierte sie, weil er Millionenspenden von Konzernen annehme.

    Bloomberg geriet zwar im Verlauf der Debatte zunehmend in die Defensive, aber er schlug angesichts der Tatsache, dass seine Mitbewerber wie eine Meute über ihn herfielen, wacker. Anders als bei seinen bisherigen Wahlkampfveranstaltungen, wo der New Yorker unnahbar und steif wirkte, formulierte er halbwegs flüssig und zeigte sich zeitweise nachdenklich.

    Er versprach, seine Finanzen offenzulegen, plädierte erneut für eine Steuererhöhung für Reiche und entschuldigte sich für die in seiner Zeit als New Yorker Bürgermeister eingeführte Polizeitaktik „stop and frisk“. Bloomberg erlaubte damals den Polizisten der Metropole, Menschen willkürlich zu durchsuchen. Später wurde diese Praxis für verfassungswidrig erklärt.

    Schwach dagegen zeigte sich einmal mehr Biden, der ehemalige Vizepräsident unter Barack Obama. Unbeteiligt wie eine Statue stand der 77-Jährige zeitweise da. Wenn er sich zu Wort meldete, zeigte er sich fahrig, manchmal sogar selbstgerecht.

    Überzeugend wirkte allenfalls sein für seine Verhältnisse emotional vorgetragenes Bekenntnis zu den Klimazielen. Amerika müsse eine Führungsrolle im Kampf gegen die Erderwärmung übernehmen, forderte Biden.

    Der einstige Favorit der Demokraten hatte bei den ersten beiden Vorwahlen schlecht abgeschnitten. Sollte Biden nicht bald ein Sieg bei einer Vorwahl gelingen, dürfte seine Kandidatur scheitern.

    Eloquenter Buttigieg

    Buttigieg, der bei den bisherigen Vorwahlen in Iowa und New Hampshire ähnlich stark abgeschnitten hat wie Sanders, zeigte sich einmal mehr eloquent. Anspielend auf Trump und seine linken Mitbewerber Sanders und Warren, sagte der Harvard-Absolvent: Sollten die Bürger nach einem dritten Weg zwischen „Status quo und Revolution suchen“, dann sei er der richtige Mann.

    Und dann gab es doch noch ein Zeichen der Solidarität zwischen den zerstrittenen Bewerbern – zumindest unter den beiden Frauen der Runde. Als eine der Moderatorinnen Amy Klobuchar kritisierte, weil sie kürzlich in einem Interview nicht in der Lage gewesen war, den Namen des mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador zu nennen, eilte ihr Warren zur Hilfe. Das könne jedem passieren, verteidigte sie die etwas hilflos wirkende Senatorin aus Minnesota. Großer Applaus im Publikum – so groß war inzwischen das Bedürfnis nach einem versöhnlichen Signal aus der Runde.

    Am Ende dieser insgesamt aggressiv und polemisch geführten Debatte stellt sich einmal mehr die Frage, ob die Demokraten nicht den falschen Milliardär zum Feindbild gemacht haben. Und ob der eigentliche Sieger des Abends nicht ein Mann war, der gar nicht anwesend war: Donald Trump.

    Mehr: Auch als Unternehmer will Michael Bloomberg der Anti-Trump sein.

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