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US-Newsletter „Zukunftslabor USA“New York versus Florida: Warum es Corona in den Bundesstaaten unterschiedlich leicht hat

In den USA liegt die Sieben-Tage-Inzidenz landesweit bei 284. Zwischen den Bundesstaaten gibt es jedoch große Unterschiede, was Infektions- und Todeszahlen angeht.Katharina Kort 18.08.2021 - 13:09 Uhr Artikel anhören

In Florida verbreitet sich die Delta-Variante nahezu ungebremst.

Foto: imago images/ZUMA Wire

New York. Während Biden in Kabul außenpolitisch sein modernes Saigon erlebt, muss er auch innenpolitisch auf der Covid-Front Misserfolge einstecken. Die Delta-Variante verbreitet sich rasant. Die 7-Tage-Inzidenz liegt mittlerweile landesweit bei 284 und ist damit siebenmal so hoch wie in Deutschland, nachdem sie im Frühsommer auf 30 gefallen war. Auch die Todeszahlen steigen, weil es vor allem die Impf-Verweigerer trifft, die dem Virus komplett schutzlos gegenüber stehen.

Aber das ist nur ein verzerrtes Bild. Die Lage in verschiedenen US-Staaten wie New York und Florida ist so unterschiedlich wie die von EU-Ländern wie Deutschland und Spanien. Im Juni hatte ich darüber geschrieben, wie unsere Stadt wieder einmal zum Feldversuch für das Coronavirus wird.

Nachdem die New Yorker im Frühjahr 2020 zu unfreiwilligen Versuchskaninchen dafür geworden waren, wie sich das Virus unter völlig ungeschützten Menschen ausbreiten kann, läuft jetzt ein neuer Versuch. Und der heißt: Welche Chancen hat die Delta-Variante in einer Stadt mit hoher Impfquote und hoher Durchseuchung, die fast alles wieder geöffnet hat?

Fast zwei Monate später fällt die Bilanz bisher relativ gut aus. Drei Viertel der Erwachsenen sind hier bereits geimpft, 62 Prozent der Gesamtbevölkerung haben mindestens eine Spritze erhalten. Außerdem sind eine Million New Yorker – also jeder Achte – bereits mit Covid infiziert worden. Und das sind nur die offiziell Infizierten. Antikörpertests im vergangenen Jahr haben in einzelnen Stadtvierteln zum Teil Verseuchungsquoten von bis zu 50 Prozent nachgewiesen.

Wir haben also zumindest eine gewisse Art von Herdenimmunität in New York und das – kombiniert mit der freiwilligen Vorsicht der New Yorker - scheint bisher ganz gut zu funktionieren. Beim Einkaufen im Supermarkt tragen hier weiterhin die meisten Maske, ebenso wie die Kinder in ihren Summer Camps. Das hilft.

Die Delta-Variante lässt zwar auch hier die Fallzahlen steigen. Aber längst nicht so stark wie in anderen Teilen des Landes, und die Todeszahlen steigen deutlich weniger. Wenig überraschend ist die Lage in den weniger geimpften Vierteln der Stadt am schlechtesten.

Im Vergleich zu Florida sind die Fallzahlen in New York jedoch fast lächerlich niedrig: Im gesamten Bundesstaat New York mit knapp 20 Millionen Einwohnern starben zuletzt durchschnittlich 19 Menschen täglich an Covid. Im Bundesstaat Florida mit seinen 22 Millionen Einwohnern waren es mit 170 Toten fast neun Mal so viele.

Warum das so ist, konnte ich jüngst in meinem Urlaub persönlich beobachten. Da wir wegen der Reisebeschränkungen immer noch nicht unsere Familie in Europa besuchen durften, sind wir innerhalb der USA gereist, unter anderem nach Florida. Gebucht hatten wir im Juni, als die Lage noch gut aussah. Erst in den Tagen nach unserer Ankunft stiegen die Zahlen immer schneller an.

Aus New York kommend waren wir geschockt: Keiner trug Maske, auch nicht in geschlossenen Räumen. Weder das Hotel-Personal, noch die Supermarkt-Angestellten oder die Kellner. Ein Bekannter wurde sogar direkt dazu aufgerufen, die Maske abzunehmen. „Wir sind hier frei!“ – so die Begründung.

Jedes Mal, wenn wir mit unseren KN95-Masken (unser Sohn ist zu jung, um sich impfen zu lassen) Aufzug fuhren, wurden wir wie Außerirdische angestarrt – meist von Menschen, die den klassischen Risikogruppen angehörten: übergewichtig, älter, Raucher oder alles zusammen. Wenn wir andere mit Maske sahen, waren es meist New Yorker. Gebrannte Kinder wie wir.

In den Wetlands, den Everglades, bei den Schildkröten, beim Schnorcheln und am Strand haben wir Florida im Freien bis auf die Taucherbrille dennoch maskenfrei genossen. Aber dass sich die Delta-Variante in dem Bundesstaat besonders gut verbreiten kann, das wundert uns nach diesem Urlaub überhaupt nicht.

Im Souvenir-Shop wollte eine vor drei Jahrzehnten nach Florida ausgewanderte New Yorkerin mit Raucherhaut von uns wissen, wie denn die Covid-Lage so sei in ihrer ehemaligen Heimat. Als ich daraufhin wahrheitsgemäß mit „besser als hier“ antwortete und darauf hinwies, dass ja auch schon drei Viertel geimpft seien, fing sie an wirr davon zu reden, dass man ja nicht wisse, was in dem Impfstoff sei und wie das mit dem Booster und Delta aussehe und überhaupt.

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Als ich ihr erzählte, dass auch meine Mediziner-Freunde alle geimpft seien, die besser als ich verstehen, was in dem Vakzin drin ist, wurde sie hellhörig. Sie wollte wissen, ob ich Nebenwirkungen gehabt hätte und ob das wirklich stimme, dass meine Wissenschaftler-Bekannten sich haben impfen lassen. Dass ihr eigener Gouverneur in Florida, der Impfpflicht-Gegner Ron DeSantis, auch geimpft ist, habe ich mir lieber verkniffen.

Ich will mir meine Hoffnung nicht nehmen lassen. Aber vielleicht konnte ich sie ja – ganz unpolitisch – überzeugen und sie hat sich vielleicht doch impfen lassen, bevor die Delta-Variante über ihre Stadt gefegt ist.

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