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USATruth Social oder Twitter: Trump steht vor einem Social-Media-Dilemma

Der Ex-Präsident hat mit der Übernahme durch Elon Musk gute Chancen, auf Twitter zurückzukehren. Doch eigentlich baut er gerade mit „Truth Social“ seine eigene Plattform auf.Katharina Kort 27.04.2022 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Das Twitter-Ende kam für Trump nach dem Sturm seiner Anhänger auf das US-Kapitol.

Foto: Reuters

New York. Kommt Donald Trump zurück zu Twitter oder nicht? Diese Frage stellt nicht nur der US-Fernsehsender Fox seinen Lesern der Website, seit Elon Musk und Twitter sich auf eine Übernahme des Onlineportals für 44 Milliarden Dollar geeinigt haben. Auch auf Twitter selbst und im politischen Washington wird das Thema heiß diskutiert. 

Der Tesla-Chef Elon Musk gilt zwar nicht als Trump-Fan, aber als absoluter Verfechter der Redefreiheit – und damit auch der des ehemaligen US-Präsidenten. In Washington jubeln die Republikaner bereits, während sich die Demokraten sorgen, was eine Rückkehr Trumps auf die Plattform für die Zwischenwahlen im November bedeuten könnte. 

Trump war nach dem Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 von Twitter, Facebook, Instagram und Snapchat verbannt worden. Twitter begründete sein Verbot damit, dass Trumps Tweets die gewalttätigen Proteste aufgeheizt hätten und dass ein „Risiko weiterer Aufwiegelung zu Gewalt“ bestehe. Damit wurde Trump, der mehr als 88 Millionen Follower auf Twitter hatte, sein wichtigstes Sprachrohr zur Außenwelt genommen. Musk hatte die Trump-Sperre damals offen kritisiert. Als neuer Twitter-Besitzer könnte er dieses Redeverbot wieder aufheben.

Für Trump ist das eigentlich eine gute Nachricht. Allerdings kommt die Chance auf eine Rückkehr zu einem heiklen Zeitpunkt. Der ehemalige US-Präsident ist schließlich erst am 20. Februar mit seiner eigenen Social-Media-Plattform „Truth Social“ auf den Markt gekommen. Nach einem holprigen Start mit technischen Problemen und jeder Menge Spott auf Twitter funktioniert das Medium nun auch für die meisten Abonnenten.

Aber jetzt stellt sich die Frage, ob Trump sein paralleles Kurznachrichten-Universum überhaupt noch braucht. Diese Sorge teilten am Montag auch die Investoren. 

Trump: „Ich gehe nicht auf Twitter. Ich werde bei Truth bleiben“

Als Musk und Twitter am Montag die Übernahme offiziell verkündet haben, brach der Aktienkurs des Investmentvehikels ein, mit dem Trump „Truth Social“ an die Börse bringen will: „Digital World Acquisition Corp“ (DWAC) verlor mehr als zwölf Prozent. Am Dienstag erholte sich der Kurs jedoch wieder, was wohl auch daran lag, dass Trump noch am Montag versicherte, dass er seinem eigenen Geschöpf treu bleiben will. 

Er will wie geplant noch in dieser Woche seinen ersten „Truth“ absetzen, wie die Tweets auf „Truth Social“ heißen. Bisher steht unter seinem Account lediglich: „Get ready! Your favorite President will see you soon!“

Donald Trump will sich mit dem Portal seine eigene Plattform schaffen.

Foto: IMAGO/ZUMA Wire

„Ich gehe nicht auf Twitter, ich werde bei Truth bleiben“, sagte Trump gegenüber Fox News. „Ich hoffe, Elon kauft Twitter, weil er das verbessern wird und weil er ein guter Mann ist. Aber ich werde bei Truth bleiben“, beteuerte er dort. „Wir gewinnen Millionen Menschen, und wir finden, dass die Reaktion auf Truth viel besser ist als auf Twitter.“

Seiner Ansicht nach stehen Twitter und Truth Social auch nicht wirklich in Konkurrenz. „Truth ist eine Plattform für meine Stimme und für meine Unterstützer“, stellt Trump klar. „Aber ich will, dass alle zu Truth kommen: Konservative, Liberale, wer immer.“

Twitter könnte für die Wahlen wichtig sein

Ob Donald Trump wirklich dauerhaft an seiner Absage an Twitter festhalten wird, daran haben Beobachter ihre Zweifel. Schließlich könnte Twitter vor den Zwischenwahlen im November und den Präsidentschaftswahlen 2024 als Sprachrohr wichtig sein.

Der republikanische Meinungsforscher Frank Luntz sagte gegenüber Bloomberg, er glaube nicht, dass Trump der Verführung widerstehen könne, zu Twitter zurückzukehren. „Er will da sein, wo die Menschen sind, und die Menschen sind auf Twitter“, sagt Luntz. „Ich gehe klar davon aus, dass Donald Trump jede mögliche Bühne nutzen wird.“

Mehr zur Übernahme von Twitter:

Auch Kathleen Hall Jamieson, Direktorin des Annenberg Public Policy Center an der University of Pennsylvania sieht die Plattform im Wahlkampf als extrem wertvoll an. Wenn er im Wahlkampf Kandidaten unterstützen will, hätte er mit Twitter und den 88 Millionen Followern eine Gratis-Werbe-Plattform, erklärt sie. 

Die Politikwissenschaftlerin Lauren Wright von der Princeton Universität dagegen ist zwar überzeugt, dass Twitter Trump ein weiteres Megafon geben würde. Aber sie weist auch darauf hin, dass seine polarisierenden Tweets bei der Mehrheit der Amerikaner nicht gut ankommen. Damit könnte sich eine Rückkehr zu Twitter politisch vielleicht gar nicht auszahlen, argumentiert sie.

Elizabeth Warren kritisiert den Twitter-Kauf

Die Demokraten sind auf jeden Fall nervös. „Dieser Deal ist gefährlich für unsere Demokratie“, twitterte die Demokratin Elizabeth Warren. „Milliardäre wie Elon Musk spielen nach anderen Regeln, indem sie Macht für ihren eigenen Vorteil anhäufen.“

Die Republikaner dagegen begrüßen den neuen Besitzer. „Glückwunsch @elonmusk! Freue mich auf ein auf Redefreiheit ausgerichtetes Twitter“, twitterte die republikanische Abgeordnete Yvette Herrell aus New Mexico. 

Auch auf „Truth Social“ feiern Trumps Fans die geplante Twitter-Übernahme: „Jetzt wo Elon Musk offiziell Twitter kaufen wird, gehe ich davon aus, dass jetzt jeder zurückkommen kann“, schreibt etwa „Gun Totin Patriot“ mit dem Spitznamen @livintheamericandream.

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„Und einfach so macht die Redefreiheit ihr Comeback. Danke, Elon Musk“, kommentiert Anthony Caliguri. Tommy Morrison amüsiert sich, dass CNN klinge, „als würden sie eine Beerdigung covern“. Und MContla schreibt: „Wir müssen den ganzen Linken danken, die Teslas gekauft und damit Elon Musks Übernahme von Twitter möglich gemacht haben.“

Die Leser von Fox News scheinen jedenfalls überzeugt zu sein, dass Trump doch noch zu Twitter zurückkehren wird: In der Umfrage auf der Website rechnen 83 Prozent damit.

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