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World Liberty FinancialDonald Trump wird „Chief Crypto Advocate“ bei eigenem Krypto-Start-up

Der republikanische Präsidentschaftskandidat und seine Söhne sind an einem neuen Krypto-Start-up beteiligt. Demokraten wittern Interessenkonflikte – und auch aus der Branche selbst gibt es Kritik.Astrid Dörner 18.09.2024 - 04:23 Uhr Artikel anhören
Donald Trump war ursprünglich ein Krypto-Gegner, hat seine Meinung aber mittlerweile geändert. Foto: AP, Imago [M]

Frankfurt. Donald Trump hat sich bereits vor Monaten als „Kryptopräsident“ im US-Wahlkampf positioniert. Nun veröffentlichte er Details zu seinem nächsten großen Projekt in der Branche: Er ist Mitgründer des Krypto-Start-ups World Liberty Financial und soll dort den Titel „Chief Crypto Advocate“ tragen.

Wie genau das Projekt aussehen soll, ist indes unklar. Kryptowährungen gehören zu den Dingen, die wir machen müssen“, sagte Trump während eines Livestreams im sozialen Netzwerk X (ehemals Twitter). „Ob wir es mögen oder nicht, ich muss es tun.“

Nur kurz nach einem Attentatsversuch auf ihn warb Trump für das neue Projekt. An der Seite des republikanischen Präsidentschaftskandidaten waren seine beiden ältesten Söhne, Donald Jr. und Eric, sowie zwei wenig bekannte Kryptounternehmer sowie der Immobilieninvestor Steve Witkoff, ein Freund der Trump-Familie. Auch Trumps jüngster Sohn Barron wird involviert, er trägt den Titel „Defi-Visionär“. „Mit Kryptowährungen begrüßen wir die Zukunft und lassen die langsamen und veralteten Großbanken hinter uns“, sagte er im Vorfeld des Events.

Wie genau das Start-up aussehen soll, ist noch unklar. Es soll sich jedoch an das sogenannte dezentrale Finanzsystem (Defi) anlehnen. Nutzer können sich dort im Prinzip ganz ohne Banken Kryptowährungen leihen und verleihen. Die Grundidee war, dass diese Dienste von jedem genutzt werden können – ohne vorherige Prüfung von Identitäten. Solche Projekte erlebten im Sommer 2021 einen großen Boom, eckten seitdem jedoch immer wieder bei Regulierungsbehörden an, weil sie unter anderem gegen Vorschriften zur Geldwäsche und Terrorbekämpfung verstoßen.

Eine eigene Kryptowährung, die ähnlich wie Bitcoin oder Dogecoin frei handelbar ist, soll es vorerst nicht geben. Trumps Unterstützer und X-Chef Elon Musk ist ein großer Fan der Spaßwährung Dogecoin und hat ihr in den vergangenen Jahren immer wieder zu großen Kurssprüngen verholfen. World Liberty Financial will lediglich einen sogenannten Governance-Token herausgeben.

Dieser gebe den Besitzern Stimmrechte, um über die weitere Richtung des Projekts zu entscheiden, sei jedoch nicht handelbar, wie es hieß. Er könne zudem nur von Profiinvestoren in den USA gekauft werden, um bestehende Wertpapiergesetze nicht zu verletzen. Für die Gründer sind 20 Prozent der Tokens vorgesehen. 63 Prozent sollen an Investoren verkauft werden. Der Rest steht für eine Art Anreizsystem bereit, um Nutzer auf die Plattform zu locken – das ist in der Branche üblich.

Mögliche Interessenkonflikte für Trump

Es ist ungewöhnlich, dass ein US-Präsidentschaftskandidat so kurz vor der Wahl ein neues Projekt vorstellt, bei dem sich Interessenkonflikte zwischen seinen Geschäftsinteressen und seiner politischen Haltung abzeichnen.

Nur kurz nach einem versuchten Attentat auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten warb Trump für das neue Projekt. Foto: AP

US-Präsident Joe Biden gilt als Kryptogegner und hat Gary Gensler zum Chef der Börsenaufsicht gemacht, der seine Skepsis teilt. Gensler hat gegen viele große Kryptoanbieter Verfahren eingeleitet und ist zur Hassfigur der Branche geworden. Trump dagegen versprach bei einem Auftritt auf einer Konferenz Ende Juli eine große Kryptoinitiative, falls er gewählt werden sollte. Eine Reihe von einflussreichen Tech-Unternehmern und Risikokapitalgebern hat sich danach für ihn ausgesprochen.

Das Thema ist längst ein Fokus im Wahlkampf geworden. Auch Trumps Gegnerin Kamala Harris ist zuletzt auf die Branche zugegangen. World Liberty Financial sorgte am Dienstag indes für heftige Kritik vonseiten der Demokraten. „Für diejenigen von uns, denen die Verhinderung von Geldwäsche und der Schutz von Investoren am Herzen liegen, ist es unerlässlich, dass wir diesen jüngsten Schwindel der Familie Trump genauestens untersuchen“, sagte der Abgeordnete Sean Casten aus Illinois, ein Demokrat im Ausschuss für Finanzdienstleistungen des Repräsentantenhauses. Sollten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewinnen, wären sie in der Lage, umfassende Untersuchungen einzuleiten.

Skepsis in der Krypto-Branche

In der Branche selbst regt sich ebenfalls Skepsis. Die maßgeblichen Manager des Projekts, Chase Herro und Zachary Folkman, sind weitgehend unbekannt. Sie sitzen in Puerto Rico, der Inselstaat in der Karibik lockt seit Jahren mit wenig Regulierung und geringen Steuern Kryptounternehmer an.

Herro hat sich einst als „Drecksack des Internets“ beschrieben und blickt auf eine turbulente Vergangenheit zurück. Wegen Cannabis-Handels habe er eine Zeit im Gefängnis gesessen, wie er in Youtube-Videos erzählt. Später wurde er durch Onlinemarketing in den sozialen Medien reich. Vor zwei Jahren trat er in einem Kryptoseminar gemeinsam mit dem Betrüger Jordan Belfort auf, der die Inspiration zum Film „The Wolf of Wall Street“ lieferte.

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Folkman hatte einst ein Dating-Unternehmen mit dem süffisanten Namen „Date hotter Girls“. Die beiden sollen Medienberichten zufolge auch hinter Dough Finance gestanden haben, einem Defi-Projekt, das vergleichsweise wenig Nutzer auf sich zog und später gehackt wurde. „Ich würde da sehr vorsichtig sein“, warnt ein Kryptoinvestor.

Trump war ursprünglich ebenfalls ein Kryptogegner, hat seine Meinung aber mittlerweile geändert – auch durch seine Söhne. Der 18-jährige Barron „hat vier Wallets oder so etwas“, sagte Trump am Montag. Gemeint sind digitale Geldbörsen, in denen Kryptowährungen aufbewahrt werden. „Er kennt dieses Zeug in- und auswendig.“

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