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HDE-KonsumbarometerVerbraucher blicken mit Sorgen auf Herbst und Winter

Das HDE-Konsumbarometer für September sinkt angesichts der Energiekrise und der hohen Inflation weiter. Gleichwohl gibt es erste Lichtblicke für den Einzelhandel.Axel Schrinner 02.09.2022 - 14:49 Uhr Artikel anhören

Der Handel mit Kleidung hat sich deutlich erholt.

Foto: IMAGO/Michael Gstettenbauer

Düsseldorf. Die Zuversicht unter Deutschlands Verbrauchern ist weiter gesunken. Das signalisiert das HDE-Konsumbarometer für September, das gegenüber dem Vormonat um 0,28 Punkte abrutschte und damit ein neues Allzeittief erreichte. Das Barometer wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute für den Handelsverband HDE ermittelt und basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten.

Einen deutlichen Rückgang signalisiert das Barometer bei den Einkommenserwartungen der Verbraucher für die kommenden drei Monate. Ebenfalls stark rückläufig sind die Konjunkturerwartungen. Zudem stellen sich die Verbraucher mehrheitlich auf Zinserhöhungen ein, die den Konsum auf Pump verteuern dürften. Leicht zurück ging auch die Anschaffungsneigung.

Die Verbraucherstimmung spiegelt die schlechten Konjunkturdaten der vergangenen Tage wider. Das Ifo-Geschäftsklima fiel auf ein Zweijahrestief. Nach Einschätzung des Chefs des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, dürfte die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal schrumpfen. Der Konjunkturexperte des Forschungsinstituts DIW, Guido Baldi, sagte, es werde „immer wahrscheinlicher, dass wir eine Rezession bei gleichzeitig hoher Inflation durchmachen werden“.

Neben der unsicheren Energieversorgung im kommenden Winter belasten vor allem die stark steigenden Preise Wirtschaft und Verbraucher.

Nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamts betrug die Inflationsrate im August 7,9 Prozent. Gegenüber dem Vormonat verteuerte sich der durchschnittliche Warenkorb um 0,3 Prozent. Höher war die Inflation in Deutschland zuletzt vor 70 Jahren während des Koreakriegs. Besonders stark zogen die Energiepreise an, die um 35,6 Prozent höher als im Vorjahresmonat waren. Auch die Preise für Nahrungsmittel stiegen mit 16,6 Prozent überdurchschnittlich an.

Die Commerzbank rechnet für die kommenden Monate gar mit einer zweistelligen Inflationsrate, auch weil der Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket zum Monatsbeginn ausliefen und ab Oktober die neue Gasumlage greifen dürfte. Im Jahresmittel erwarten die Bankvolkswirte acht Prozent Teuerung in Deutschland, 2023 dann 7,2 Prozent und somit einen deutlich höheren Wert als in der übrigen Euro-Zone.

Allmählich scheinen sich die Verbraucher aber an die höheren Preise zu gewöhnen. Im Juli legte der Einzelhandelsumsatz real um 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat zu. Damit konnte sich insbesondere der Handel mit Lebensmitteln von den Umsatzeinbrüchen der vergangenen drei Monate etwas erholen. Gleichwohl wurden im Vergleich zum März im Juli aber noch 6,5 Prozent weniger Lebensmittel verkauft.

In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres lagen die Umsätze im gesamten Einzelhandel laut Statistischem Bundesamt real um 0,1 Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum. Deutlich im Minus waren Supermärkte und SB-Warenhäuser, ihre Umsätze sanken real um 6,8 Prozent.

Arbeitsmarkt ist Lichtblick für die Wirtschaft

Klar im Plus lag hingegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren, der real 51,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum umsetzte. Die Umsätze von Waren- und Kaufhäusern stiegen ebenfalls sehr deutlich an. Kein gutes Jahr dürfte 2022 hingegen für den erfolgsverwöhnten Internet- und Versandhandel werden. In den ersten sieben Monaten setzten die Onlinehändler real 9,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum um.

Der Onlinehandel hatte bislang ein eher schwaches Jahr.

Foto: dpa

Der große Lichtblick für die deutsche Volkswirtschaft bleibt der Arbeitsmarkt. „Trotz der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten ist der Arbeitsmarkt robust“, sagte die neue Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles.

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Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung hätten zwar im August erneut stärker zugenommen als jahreszeitlich üblich. Dies liege jedoch weiterhin an der Erfassung ukrainischer Geflüchteter in den Arbeitsmarktstatistiken. Die Nachfrage nach neuem Personal bewege sich weiter auf sehr hohem Niveau.

So stieg der Stellenindex BA-X der Bundesagentur für Arbeit im August um einen Punkt auf 135 Zähler an. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer sank hingegen geringfügig um 0,1 auf nunmehr 101,0 Punkte. Gleichwohl planten die Unternehmen immer noch, die Mitarbeiterzahl trotz vieler Unsicherheiten zu erhöhen. Der Fachkräftemangel mache es gleichzeitig jedoch schwierig, viele offene Stellen zu besetzen.

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