Interview: IfW-Präsident Stefan Kooths: „Der Euro ist für Deutschland nicht alternativlos“
„Ohne stabile Staatsfinanzen kommt die Geldpolitik immer wieder in die Lage, Dinge zu tun, die sie mit Blick auf die Währungsstabilität nicht tun sollte“, sagt der IfW-Forscher.
Foto: Imago ImagesBerlin. Erst seit Anfang Dezember ist Stefan Kooths einer von zwei Interimspräsidenten des einflussreichen Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Schon fordert der Ökonom die neue Bundesregierung zu einer rigorosen Maßnahme auf.
Die Regierung müsse klarmachen, „dass der Euro für Deutschland nicht alternativlos ist“, sagte Kooths im Interview mit dem Handelsblatt. Kooths befürchtet andernfalls deutliche Preissteigerungen und fundamentale Schäden für die europäische Wirtschaft.
Als Auslöser dafür sieht Kooths die schwindende Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgrund der hohen Staatsverschuldung vieler Euro-Länder. Die EZB setzt seit Jahren auf extrem niedrige Zinsen. „Ohne stabile Staatsfinanzen kommt die Geldpolitik immer wieder in die Lage, Dinge zu tun, die sie mit Blick auf die Währungsstabilität nicht tun sollte“, erklärte Kooths. So drohe das Abdriften in ein „Inflationsregime“. Die jüngsten Entscheidungen der EZB machten wenig Hoffnung auf Besserung.
Ein freiwilliger Austritt eines Landes aus dem Euro-Raum ist vertraglich nicht vorgesehen. Kooths aber dringt darauf, daran etwas zu ändern. „Wenn hochverschuldete Staaten wissen, ein Land wie Deutschland schaut nicht ewig zu, dass die Notenbank den Ausputzer spielen soll, würde sie das fiskalisch disziplinieren“, sagte er.