Booster-Impfung gegen Corona: Wann kommt die dritte Impfung mit dem Biontech-Vakzin – und wie wirkt sie?
Weltweit hat der Kampf gegen die Delta-Variante begonnen.
Foto: dpaFrankfurt. Biontech und Pfizer haben angekündigt, in den nächsten Wochen Daten für eine Auffrisch-Impfung mit ihrem Covid-Vakzin bei den Zulassungsbehörden einzureichen. Parallel dazu wollen sie auch einen auf die Delta-Variante zugeschnittenen Impfstoff in klinischen Tests prüfen.
Die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die dritte Impfdosis:
Wird eine dritte Impfung auf jeden Fall nötig sein?
Das ist noch nicht ganz geklärt. Aber es mehren sich die Hinweise, dass eine solche Auffrisch-Impfung oder eine Impfung mit einem modifizierten Covid-Impfstoff von großem Vorteil sein könnte, um die Immunität der Menschen zu stärken, insbesondere gegen neue Varianten des Covid-Erregers – etwa die Delta-Variante. Denkbar erscheint auch, dass man solche Booster-Impfungen zunächst vor allem auf Personen mit erhöhtem Risiko konzentriert.
Was spricht für eine dritte Impfdosis?
Zum einen die generelle Beobachtung, dass die Konzentration von Antikörpern gegen Sars-CoV-2 sowohl bei Geimpften als auch bei genesenen Covid-Patienten im Zeitverlauf wieder nachlässt. Zum anderen die Tatsache, dass die Wirkung der Impfstoffe gegenüber neuen Varianten des Coronavirus im Vergleich zur Ursprungsvariante offenbar etwas schwächer ausfällt.
Wie stark verringert sich der Impfschutz im Zeitverlauf?
Das bisher deutlichste Warnsignal in dieser Hinsicht lieferten vor wenigen Tagen Daten aus Israel. Demnach hat sich die Schutzwirkung des Biontech-Impfstoffs gegenüber Covid-Infektionen generell und gegenüber symptomatischen Covid-Infektionen im letzten Monat auf 64 Prozent verringert. In dieser Zeit bestimmte die Delta-Variante bereits maßgeblich das Infektionsgeschehen in Israel. Zuvor lagen die Werte bei etwa 94 Prozent.
Eine britische Beobachtungsstudie war zuvor zum Ergebnis gelangt, dass sich die Schutzwirkung des Vakzins unter dem Einfluss der Delta-Variante auf 79 Prozent verringert hat, gegenüber 92 Prozent bei der Alpha-Variante.
Sowohl die britische Analyse als auch die Daten aus Israel bescheinigten dem Impfstoff allerdings eine nach wie vor hohe Schutzwirkung von mehr als 90 Prozent gegenüber schweren Covid-Erkrankungen und Krankenhauseinweisungen.
Wie stark wirkt die Auffrisch-Impfung?
Die dritte Dosis hat laut Biontech und Pfizer nach bisherigen Daten Antikörper-Konzentrationen bewirkt, die fünf- bis zehnmal höher sind als nach den ersten beiden Impfungen. Das spricht für eine sehr gute Schutzwirkung.
Die beiden Unternehmen gehen davon aus, dass sich ein entsprechender Effekt auch mit Blick auf die Delta-Variante ergibt. Allerdings ist bisher noch nicht klar, wie lange in diesem Fall der erhöhte Schutz anhalten wird.
Ab wann könnte eine Auffrisch-Impfung möglich sein?
Im Rahmen eines sogenannten Off-Label-Einsatzes ist eine dritte Impfung mit den zugelassenen Impfstoffen theoretisch auch jetzt schon möglich, wenn der jeweilige Arzt das als sinnvoll erachtet und der Patient einverstanden ist.
Eine offizielle Zulassung könnte im Spätsommer oder Herbst erfolgen, wenn Biontech und Pfizer wie geplant in den nächsten Wochen die Daten ihrer Studie einreichen und diese von den Arzneimittelbehörden in Europa (Ema) und den USA (FDA) akzeptiert werden.
Wie sieht es mit modifizierten Impfstoffen aus?
Diese dürften noch etwas mehr Zeit bis zu einer Zulassung benötigen. Biontech und Pfizer wollen im August mit der klinischen Studie für einen modifizierten Impfstoff starten, der speziell auf die Delta-Variante abgestimmt ist. In diesem Vakzin ist nach Angaben der Unternehmen der Bauplan für das vollständige Spike-Protein der Delta-Variante enthalten. Die erste Charge der neuen mRNA für die Studie sei bereits in Mainz produziert worden.
Wer arbeitet noch an Booster-Impfstoffen?
Neben Biontech und Pfizer noch eine Reihe weiterer Firmen. Auch Astra-Zeneca und die Universität Oxford meldeten Ende Juni, dass ihr Impfstoff nach einer dritten Dosis im Abstand von 30 Wochen zur zweiten Dosis bei Studienteilnehmern höhere Antikörper-Konzentrationen erzeugte als nach den ersten beiden Dosen.
Der US-Biotechkonzern Moderna hat bereits im März eine Studie gestartet, bei der Auffrisch-Impfungen sowohl mit einer halbierten Dosis des bereits zugelassenen Impfstoffs mRNA-1273 als auch mit einer an die Beta-Variante (Südafrika) angepassten Modifikation des Impfstoffs getestet werden. Die Antikörper-Konzentrationen bei den Testpersonen waren nach Angaben des US-Unternehmens nach der dritten Impfung durchweg höher oder mindestens gleich hoch wie unmittelbar nach der zweiten Impfung.
Darüber hinaus setzen auch Nachzügler im Impfstoff-Wettlauf – etwa Sanofi, Glaxo-Smithkline oder Curevac – darauf, dass ihre Impfstoffe als Ergänzung zu den bereits etablierten Vakzinen fungieren können.
Was würde eine dritte Impfung für die Versorgungssituation bei Impfstoffen bedeuten?
Sollte eine dritte Impfung zur Regel werden, wird sich der globale Impfstoffbedarf nochmals deutlich erhöhen. Allerdings sind zumindest die meisten westlichen Länder im Prinzip bereits auf eine solche Entwicklung eingestellt. Sie haben in aller Regel ein Volumen an Impfstoffen geordert, das zusätzliche Impfungen unterstellt und weit über die notwendigen Dosen für die primäre Immunisierung der Bevölkerung hinausgeht.
Die EU zum Beispiel hat ergänzend zu den für 2020 und 2021 georderten 600 Millionen Dosen bereits weitere 900 Millionen bei Biontech und Pfizer fest bestellt – und darüber hinaus noch eine Option auf weitere 900 Millionen. Allein diese Mengen würden ausreichen, um den rund 450 Millionen EU-Bürgern vier weitere Folgeimpfungen zu ermöglichen.
Hinzu kommen Impfstoffbestellungen bei weiteren Herstellern. So hat die EU jüngst auch bei Moderna weitere 150 Millionen Dosen bestellt und das gesamte Ordervolumen bei dem US-Unternehmen auf 460 Millionen Dosen aufgestockt.