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Weltgrößter Bahn-Hersteller CRRCChinas Bahnriese mischt die Branche auf

Die Aufträge kamen bislang vor allem aus den USA, Indien und Kenia. Nun will Chinas Schienenfahrzeug-Hersteller CRRC auch den europäischen Markt erobern – und sorgt damit in der deutschen Bahnindustrie für Nervosität. 20.09.2016 - 14:25 Uhr Artikel anhören

Der chinesische Schienenriese ist im Sommer des vergangenen Jahres aus der Fusion der Staatsunternehmen CSR und CNR hervorgegangen.

Foto: dpa

Berlin. An Selbstbewusstsein fehlt es dem Management des weltgrößten Schienenfahrzeug-Herstellers CRRC nicht. „Was auch immer die europäischen Bahnkunden und die Fahrgäste in der Zukunft wünschen – wir können es bieten“, sagt Jilian Yang, der das chinesische Unternehmen in diesem Jahr auf der heute beginnenden Bahnindustrie-Messe Innotrans in Berlin vertritt.

„Wir haben aber nicht nur Europa im Blick, sondern die ganze Welt.“ Geht es nach den Planspielen von CRRC (China Railway Rolling Stock Corporation), werden die meisten Züge der Zukunft chinesisch sein.

Der Schienenriese ist im Sommer des vergangenen Jahres aus der Fusion der Staatsunternehmen CSR und CNR hervorgegangen – ein Konzern, anderthalbmal so groß wie die Bahnsparten der Konkurrenten Alstom, Bombardier und Siemens zusammen. Die Strategie des neuen Monopolisten: Die globalen Märkte gehörig aufmischen.

Der neue Hochgeschwindigkeitszug Fuxing soll ab September 2017 auf der Strecke Peking - Shanghai eingesetzt werden. Chinas Superzug ist 350 km/h schnell und darf diese Geschwindigkeit jetzt auch wieder fahren, nachdem es über Jahre hinweg ein „Tempolimit“ von 300 km/h auf Chinas Gleisen gab.

Foto: dpa

Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung war ein schwerer Unfall im Jahr 2011: Beim Zusammenstoß zweier Schnellzüge starben damals Dutzende Menschen.

Foto: AP

Ende 2017 soll die vierte Generation des ICE in den Regelbetrieb aufgenommen werden, mit besseren Klimaanlagen, größeren Fenster und Stellplätzen für Fahrräder. Kostenloses WLAN in der 2. Klasse wird es bis dahin schon geben – das verspricht jedenfalls die Bahn.

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In Italien konkurrieren zwei Anbieter von Schnellzügen um die Kunden. Neben der Staatsbahn Trenitalia gibt es seit 2012 auch die privaten Italo-Züge. Italo bedient mit seinen schnellen und modernen Zügen des französischen Konzerns Alstom weniger Strecken als Trenitalia, setzt aber vor allem auf Komfort und Service. So gibt es in der ersten Klasse Essen am Platz, dazu kommen WLAN und die Möglichkeit eines eigenen Unterhaltungsprogramms. (Foto: pr)

Foto: Handelsblatt

Trenitalia hat vor kurzem seinen neuen Frecciarossa 1000 präsentiert, der bis zu 400 Stundenkilometer schnell fährt. Die Freccia-Züge setzen eher auf gute Verbindungen, hohe Geschwindigkeit und wenige Haltepunkte. In den Schnellzügen beider Anbieter gilt generell eine Reservierungspflicht. (Foto: dpa)

Foto: Handelsblatt

In Spanien hebt das staatliche Eisenbahnunternehmen Renfe vor allem die Pünktlichkeit der mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 310 Stundenkilometern fahrenden Schnellzüge hervor. Ab Herbst sollen die Waggons zunächst auf der Strecke zwischen Madrid und Barcelona mit WLAN ausgestattet werden. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE hat im Juli 1,84 Millionen Reisende transportiert und damit einen neuen Rekord aufgestellt.

Foto: AP

Mit einem Streckennetz von knapp 3150 Kilometern ist das AVE-System im europäischen Highspeed-Sektor führend. In den kommenden Jahren soll das Netz für rund zwölf Milliarden um weitere 1850 Kilometer erweitert werden. Geplant sind außerdem 30 neue Züge im Wert von 2,65 Milliarden Euro.

Foto: Handelsblatt

In Frankreich soll 2022 eine neue Generation des Hochgeschwindigkeitszugs TGV in Betrieb gehen. Das Modell wird vom Bahnkonzern SNCF und dem Siemens-Rivalen Alstom gemeinsam entwickelt. Der neue TGV soll billiger und sauberer werden und in der Anschaffung sowie im Betrieb mindestens 20 Prozent günstiger sein. Geplant ist außerdem, den Energieverbrauch um mindestens ein Viertel zu senken.

Foto: dpa

Der erste TGV ging 1981 an den Start und war der Vorreiter der Hochgeschwindigkeitszüge in Europa. Er verbindet die wichtigsten Städte des Landes. Die mehr als 400 Kilometer von Paris bis Lyon schafft er mit teilweise über 300 Stundenkilometern in rund zwei Stunden. (Foto: dpa)

Foto: Handelsblatt

Der wohl bekannteste Schnellzug in Großbritannien ist der Eurostar, der Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde erreichen kann. Seit Ende 2015 ist das Modell e320 von Siemens im Einsatz und verbindet London, Paris und Brüssel.

Foto: Reuters

Auf der Hochgeschwindigkeitstrasse High Speed 1 (HS 1) zwischen London und dem Eurotunnel fährt aber auch der sogenannte Class 395 „Javelin“ der britischen Eisenbahngesellschaft Southeastern Railway, der 225 Stundenkilometer erreicht. Gestritten wird wegen hoher Kosten über eine Nord-Süd-Trasse (HS 2) zwischen London, Birmingham, Sheffield, Manchester und Leeds. Der Bau der Strecke soll 2017 beginnen – das Parlament hat aber bisher nur für einen Teil grünes Licht gegeben. (Foto: pr)

Foto: Handelsblatt

In Polen setzt die Staatsbahn PKP auf Schnelligkeit und Komfort. Für umgerechnet etwa sieben Milliarden Euro ließ das Unternehmen seit 2012 Schienennetz, Bahnhöfe und Züge erneuern. Zum Modernisierungsprogramm gehört etwa der Kauf der elektrischen Triebzüge ED250 Pendolino des Herstellers Alstom. Sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. (Foto: pr)

Foto: Handelsblatt

Für eine bequeme Reise sorgen ausziehbaren Sitze, individuelle Beleuchtung und Steckdosen an jedem Platz. Diesen Komfort in der Kategorie Express InterCity Premium (EIP) soll sich mittels Frühbucherrabatten jeder leisten können. Tickets gibt es ab umgerechnet 11 Euro. Ein Imbiss und sowie ein Getränk an Bord sind im Preis inbegriffen. (Foto: pr)

Foto: Handelsblatt

Japans derzeit schnellster Zug ist der Shinkansen. Da der Eisenbahnbetrieb auf nationaler Ebene seit den 1980er Jahren privatisiert ist, gibt es mehrere Betreiber für die Hochgeschwindigkeitszüge. Die meist befahrene Strecke zwischen Tokio und Osaka fällt unter die Zuständigkeit des Bahnunternehmens JR Tokai.

Foto: dpa

JR Tokai verfolgt angesichts des immer heftigeren Konkurrenzkampfes mit Billigfliegern die Ziele, schneller, komfortabler und sicherer zu werden, ohne dabei die Preise zu senken. Mit einem neuen Bremssystem sollen die rund 130 Züge zudem mit einer Höchstgeschwindigkeit von 285 km pro Stunde fahren können.

Foto: AFP

Während China jahrelang Bahntechnik importiert hat, ist sein eigener Markt heute weitgehend gesättigt. Die Zeichen stehen also auf Export. 2015 erwirtschaftete der Koloss 11 Prozent seines Umsatzes von rund 32 Milliarden Euro im Ausland. Dieser Anteil soll weiter steigen.

Der Plan hat Erfolg: Allein im ersten Halbjahr 2016 konnte CRRC die Aufträge aus Übersee auf knapp zwei Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Für Aufsehen hatte in der Branche zuletzt die Vergabe zweier namhafter Aufträge aus den USA gesorgt. Im März hatte der Betreiber des Nahverkehrsnetzes von Chicago, die Chicago Transport Authority, 846 Wagen bei den Chinesen bestellt.

Bereits im Oktober 2014 waren zuvor 284 Wagen für die U-Bahnen in Boston im Wert von 385 Millionen Euro geordert worden. Große Aufträge kamen im ersten Halbjahr 2016 auch aus Indien und Kenia. Für Bangkoks Hochbahn produziert CRRC 24 neue Züge, der Rivale Siemens 22.

In der deutschen Bahnindustrie hat sich nach der Mega-Fusion gelinde gesagt Nervosität breitgemacht. Einschätzungen zur Zukunft sind dementsprechend vorsichtig formuliert. „Wir sehen trotz des Zusammengehens der beiden chinesischen Anbieter perspektivisch gute Chancen im internationalen Umfeld für unsere Schnellzüge“, erklärt etwa Siemens-Manager Jochen Eickholt. Und weiter: Die Fusion verändere die Wettbewerbssituation „nicht grundlegend“.

Im Projekt „Next Generation Train“ untersuchen Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), wie Hochgeschwindigkeitszüge der Zukunft aussehen werden. (Foto: DLR)

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Ziel ist die Entwicklung zulassungsfähiger Hochgeschwindigkeitszüge mit stark reduziertem Energiebedarf sowie verbesserten Komfort- und Lärmeigenschaften. (Foto: DLR)

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400 Stundenkilometer schnell, leise und doppelstöckig soll der Next Generation Train (NGT) in die Zukunft fahren – und dabei noch 50 Prozent Energie einsparen. (Foto: DLR)

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Mit diesem Doppelstock-Zugmodell aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) messen die DLR-Wissenschaftler unter anderem den Lärm eines Hochgeschwindigkeitszuges. (Foto: DLR)

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Bei einer Messkampagne untersuchten DLR-Wissenschaftler die Informationsübertragung zwischen zwei Hochgeschwindigkeitszügen. Dazu unternahmen sie in Messfahrten auf einer Zugstrecke zwischen Neapel und Rom. Dieses Bild wurde vom Ende des vorausfahrenden Zuges aufgekommen und zeigt ein Überhol-Manöver bei einer Geschwindigkeit von ungefähr 230 Kilometern pro Stunde.

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Anhand von Windkanalmodellen (auf dem Bild silberfarben) werden insbesondere Seitenwindstabilität und Möglichkeiten zur Widerstandsoptimierung untersucht. Um die Zugstruktur zu verbessern, wurde ein Design-Entwurf errechnet (helle Gitterstruktur), aus dem auf die Hauptlastpfade im Wagenkasten geschlossen werden kann. (Foto: DLR)

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In der Tunnelsimulationsanlage des DLR in Göttingen werden Zugmodelle bis auf 400 km/h katapultiert. So kann das Fahrverhalten künftiger Hochgeschwindigkeitszüge unter realistischen Bedingungen getestet werden. (Foto: DLR)

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Mit der Seitenwind-Versuchsanlage kann simuliert werden, welche Kräfte und Drücke bei Seitenwind auf einen Zug wirken. (Foto: DLR)

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Mithilfe einer Laser-Lichtschnittanlage und Rauch werden die auftretenden Strömungsstrukturen sichtbar gemacht. (Foto: DLR)

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Wie verhalten sich Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen in einen doppelstöckigen Hochgeschwindigkeitszug? Welche Rolle spielt die Fahrzeugkonstruktion für die Optimierung der Abläufe im Zug und zwischen Zug und Bahnsteig? Die DLR-Wissenschaftler simulieren verschiedene Fahrzeugkonfigurationen, um das beste Konzept für einen störungsfreien Fahrgastfluss und zügigen Fahrgastwechsel zu ermitteln. (Foto: DLR)

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Faktoren wie Geländesteigung, Bevölkerungsdichte oder Wasserflächen bestimmen den Verlauf einer Hochgeschwindigkeitstrasse und beeinflussen die Baukosten maßgeblich. Ein von DLR-Wissenschaftler entwickeltes Trassierungstool berücksichtigt diese Aspekte und ermittelt anhand geographischer Daten die kostengünstigste Strecke zwischen zwei Städten. (Foto: DLR)

Foto: Fraunhofer FHR

Die DLR-Wissenschaftler entwickeln zudem Leichtbaustrategien für den Wagenkasten, die crashbedingt besonders betroffenen Triebzugnasen sowie für die Innenausstattung von Hochgeschwindigkeitszügen. (Foto: DLR)

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Sorgen bereitet den deutschen Anbietern hauptsächlich der starke Geldgeber hinter CRRC: der chinesische Staat. Das Unternehmen sei mit schier unerschöpflichen Mitteln für attraktive Finanzierungspakete weltweit ausgestattet, sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bahnindustrie in Deutschland (VDB), Ben Möbius. Die Regierung in Peking unterstütze die Bahnindustrie des Landes massiv.

CRRC kann daher in andere Märkte expandieren, ohne einen Kredit tilgen und hohe Zinsen zahlen zu müssen. Finanziell gut ausgestattet, müssen die chinesischen Export-Anfänger dennoch dazulernen: Ihnen fehlt es oft noch an Erfahrung in der Projektabwicklung, vor allem aber mangelt es an der genauen Kenntnis der vielen nationalen Vorschriften in der Eisenbahntechnik. Auch technologisch ist CRRC aus Sicht von Branchenkennern nicht auf dem Stand der seit langem international aufgestellten Konkurrenten Bombardier, Siemens, Alstom oder Stadler.

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Der chinesische Großkonzern reagiert auf den Rückstand mit einer eigenen Strategie, wie CRRC-Manager Yang bestätigt: „Wir müssen die Standards in Europa kennenlernen. Dafür müssen wir mit europäischen Firmen zusammenarbeiten.“ Das Unternehmen versucht, fehlendes Know-how einzukaufen, indem es ausländische Anbieter übernimmt.

Im März wurde bekannt, dass CRRC die sächsische Firma Cideon erworben hat – den Angaben zufolge der erste Einkauf der Chinesen in Europa. Das Bautzener Unternehmen bietet etwa die technische Neuentwicklung, Modernisierung oder Umrüstung von Schienenfahrzeugen an. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

Den deutschen Herstellern bleibt nichts anderes übrig, als sich der Herausforderung zu stellen. „Unsere Bahnindustrie ist globaler Technologieführer“, sagt Möbius. Die Politik müsse allerdings Farbe bekennen für einen starken Schienenverkehr. Außerdem sei China mit einem Volumen von jährlich 25 Milliarden Euro umgekehrt der weltweit noch immer wichtigste Markt für Deutschlands Bahnindustrie.

dpa
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