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Wettlauf in der Halbleiterindustrie Die alte Chipgroßmacht Japan will die heimische Branche wieder stärken

Nach den USA, Europa und Korea gibt auch Tokio industriepolitische Hilfestellung. In welchen Sektoren und mit welchen Partnern sich das Land Chancen ausrechnet.
19.05.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die japanische Regierung will die heimische Produktion wieder stärken - und mit den USA und europäischen Staaten stärker kooperieren. Quelle: AFP
Chipproduktion von Renesas in Hitachinaka

Die japanische Regierung will die heimische Produktion wieder stärken - und mit den USA und europäischen Staaten stärker kooperieren.

(Foto: AFP)

Tokio Im weltweiten Wettlauf um die Ansiedlung der Halbleiterbranche steigt nun auch Japan in den neuen Subventionswettlauf ein. In den kommenden Wochen wird das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (Meti) einen Plan vorlegen, wie die nationale Chipindustrie gestärkt werden kann, sagte Kazumi Nishikawa, der zuständige Meti-Beamte, dem Handelsblatt.

Japan werde nicht nur Forschung und Entwicklung subventionieren, sondern auch die Ansiedlung ausländischer Firmen im Chipdesign und der Fertigung. „Wir müssen die Kapazitäten verbessern, aber gemeinsam mit anderen Ländern“, sagt Nishikawa. Zu den diskutierten Fördersummen für Japans Aufholjagd wollte er sich nicht äußern.

Doch das globale Wettwerben um die Ansiedlung von Chipproduktion hat Japans Strategen aufgeschreckt. „Wir fürchten, dass alle Bereiche der Chipindustrie außerhalb Japans sein werden, wenn wir jetzt nichts tun“, sagt der Experte des Ministeriums.

Die Herausforderung ist hoch in einem Markt, dessen Volumen sich nach Einschätzung des Meti bis 2030 auf 750 Milliarden Euro verdoppeln wird. China bemüht sich schon seit Längerem, eine eigene Lieferkette für Chips aufzubauen. Doch mittlerweile haben auch die USA, die Europäische Union und Südkorea die Halbleiterbranche als Spielfeld der Industriepolitik entdeckt. Im Vergleich zu den USA oder der Europäischen Union hinke Japan etwas hinterher, sagt Nishikawa.

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    Vorige Woche legte Südkorea, Japans Nachbarland und Erzrivale, die „K-Halbleiterstrategie“ zum Vorstoß in die Computerchipproduktion vor. Bis 2030 will die Regierung damit Investitionen von 370 Milliarden Euro anregen.

    Im Chipkrieg will sich Japan auf seine starken Industrien konzentrieren

    Die Rhetorik von Japans Wirtschaftsministerium unterscheidet sich allerdings von der anderer Länder. Die Diskussionen in China, den USA oder Europa drehen sich oft allein um die Stärkung der lokalen Lieferketten. Südkorea will gar seine dominante Stellung in der Speicherchipherstellung nutzen, um zu einem der weltgrößten umfassenden Halbleiterhersteller aufzusteigen. Davon ist in Japan nicht die Rede.

    Die ehemalige Chiphochburg Japan – heute wird ein Großteil der Computer- und Speicherchips in Südkorea, China und Taiwan hergestellt – will Nishikawa zufolge ihre begrenzten Ressourcen auf eine gezielte Förderung spezifischer Anwendungen fokussieren, in denen Japan stark ist. Dazu zählen vernetzte Geräte und Maschinen, Autos, Künstliche Intelligenz und Sensoren sowie Umwelttechnologien und Materialwirtschaft.

    Die Vorstellung, alle Prozesse der Chipfertigung in Japan anzusiedeln, hält die Regierung in Tokio angesichts der technischen Entwicklung für unrealistisch. Mehr als 100 Prozesse seien notwendig, um einen Chip zu produzieren, erläutert Nishikawa. Und ein Auto beherberge heute schon 1000 Halbleiter.

    Zudem würden im Zeitalter Künstlicher Intelligenz immer mehr Halbleiter für vernetzte Maschinen, Geräte, Sensoren und smarte Städte benötigt. „Kein einzelnes Land kann diese Zahlen liefern“, ist der Experte des Wirtschaftsministeriums überzeugt. „Man braucht eine globale Lieferkette.“

    Jede strategische Investition in Japan werde begrüßt, wirbt Nishikawa. Die Wirtschaftsplaner erwarten nicht, dass sich Zulieferer von kleinen, energieeffizienten Hochleistungsprozessoren etwa für Apple in der Inselnation ansiedeln. „Aber wenn ich versuche, Chips für autonome Autos zu entwickeln, könnte ich Japan wählen“, meint der Beamte. Ähnlich verhalte es sich bei emissionsärmeren, hocheffizienten Datenzentren oder der Verbesserung von 3D-Logikchips, für die starke Materialwissenschaften notwendig seien.

    Japan prüft Chip-Lieferkette mit USA und Europa – Wirtschaftsministerium will Chips für Autobranche standardisieren

    Japans Regierung will die Zukunft der heimischen Halbleiterbranche auf den Grundmauern seiner einst starken Chipproduktion errichten. Als großer Hersteller von Computern und Unterhaltungselektronik hat Japan eine Industrie aufgebaut, die vom Design über Materialien, Bauteile und Produktionsanlagen bis hin zur Fertigung reichte.

    Das Fachwissen und die Infrastruktur sollen nun für die Halbleiterstrategie von Nutzen sein. Es sei relativ einfach, zu reinvestieren, um neue Fabriken zu schaffen, sagt Nishikawa. Das Erbe aus der bisherigen industriellen Entwicklung mache optimistisch, dass es gelinge, Chipproduktion wieder vermehrt anzusiedeln.

    Kioxia, einst Toshibas Halbleitersparte, ist noch immer einer der größten Speicherchiphersteller. Renesas hält die Produktion von Chips besonders für die Autoindustrie aufrecht. Stärker ist allerdings Japans Rolle bei den Herstellern von Produktionsanlagen und vor allem Materialien für die Chipherstellung geblieben.

    Dies wurde deutlich, als Japan in einem Streit um Schadensersatzzahlungen für koreanische Zwangsarbeiter japanischer Konzerne während des Zweiten Weltkriegs Südkoreas Exporterleichterungen für drei Schlüsselchemikalien strich, die für die Chipproduktion unabdingbar sind. Korea wertete dies als gezielte Attacke auf den wichtigsten Exportzweig des Landes, denn die japanischen Chemikalien sind zentral für die Chipfertigung.

    Die regierende Liberaldemokratische Partei will zudem den Aufbau von Chip-Lieferketten mit befreundeten Ländern wie den USA und Staaten in Europa untersuchen. Sie hat zur Stärkung der heimischen Halbleiterindustrie eine parlamentarische Allianz gegründet. Als Berater fungieren der frühere Ministerpräsident Shinzo Abe und der jetzige Finanzminister Taro Aso. Bis zum Herbst wollen die Politiker Vorschläge vorlegen, die in den Haushaltsentwurf für 2022 übernommen werden sollen.

    Auch spezifisch in der Autobranche wird die Japan AG aktiv, um dem Chipmangel zu begegnen. So werden das Wirtschaftsministerium Meti und die 14 Auto- und Nutzfahrzeughersteller des Landes Diskussionen darüber beginnen, den Herstellungsprozess für Halbleiter in der Kraftfahrzeugindustrie so weit wie möglich zu standardisieren. Ziel ist, im Falle von Krisen schneller auf alternative Hersteller oder Werke von Halbleitern umschalten zu können.

    Wie Japan Cyberattacken und dem Chipmangel begegnen will

    Japan müsse zudem Unternehmen in Japan stärken, die Chips verwenden, erläutert Nishikawa. Nur so könne der Kreislauf gestärkt werden. Denn die Chiphersteller siedeln sich vor allem dort an, wo es auch große Kunden gibt.

    Nishikawa sieht in der Halbleiterstrategie keine Neuentdeckung der Industriepolitik, sondern deren Ausdehnung auf einen weiteren Bereich. Regierungen hätten schon immer strategische Produkte gefördert wie Öl, Energie und Nahrung. Jetzt sei digitale Infrastruktur für viele Länder ein essenzielles Gut und eine Dienstleistung für die Gesellschaft.

    Die wachsende Anfälligkeit der Infrastruktur für Cyberattacken wie gerade eine Ölpipeline in den USA sowie der expandierende Technikkrieg zwischen China und den USA wirken dabei als Beschleuniger, auch in Japan.

    Wie Japans Wirtschaftszeitung Nikkei am Dienstag berichtete, will die Regierung die Betreiber und Hersteller strategisch wichtiger Infrastruktur in 14 Bereichen auffordern, beim Kauf von Technologien und Bauteilen aus dem Ausland Fragen der nationalen Sicherheit zu bedenken. Die wachsende Bedeutung chinesischer Hersteller schürt dabei die Angst, dass Daten abfließen könnten.

    Insbesondere will die Regierung die Unternehmen dem Bericht zufolge verpflichten, Probleme zu untersuchen, die sich aus der Nutzung ausländischer Geräte oder Dienste ergeben könnten. Dazu gehören Datenspeicherung in der Cloud und Verbindungen zu Servern im Ausland.

    Mehr: Warum Südkoreas neue Chipstrategie Europa noch mehr unter Zugzwang setzt

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