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BörsengangNach Tonies-Erfolg: Ex-Rocket-Vorstand Kudlich startet zweiten Spac

Der Hype um Turbo-IPOs ist abgeflaut, zwei deutsche Manager legen dennoch einen neuen Börsenmantel auf. Anleger konnten zuletzt wenig profitieren.Larissa Holzki, Hannah Krolle, Arno Schütze 19.01.2022 - 19:21 Uhr Artikel anhören

Lässt sich vom abflauenden Spac-Boom nicht entmutigen.

Foto: imago/teutopress

Düsseldorf, Frankfurt. Die Ex-Rocket-Internet-Manager Alexander Kudlich und Ludwig Ensthaler haben mit ihrem zweiten Spac 210 Millionen Euro eingesammelt. Damit haben die Wagniskapitalgeber ihr Zielvolumen von 200 Millionen Euro erreicht. Die Option, um insgesamt 50 Millionen aufzustocken, haben sie allerdings kaum ausgenutzt.

Dennoch: Mit dem „Spac 468 II“ haben sie wohl gerade noch das richtige Zeitfenster erwischt. An diesem Donnerstag soll das Papier zum ersten Mal gehandelt werden. Der Zeitpunkt ist heikel: Weltweit fliehen Investoren aus Tech-Aktien und um die mit dem Tech-Boom eng verwandte Turbofinanzierung Spac ist es zuletzt ruhig geworden.

Special Purpose Acquisition Companies (Spacs) werden gegründet, um Geld einzusammeln und ein Start-up zu kaufen. Dieses wird dann zusätzlich mit Geld aus einer Kapitalerhöhung (PIPE) versorgt und per Fusion mit der Mantelgesellschaft an der Börse gelistet. Die sonst üblichen langwierigen Vorbereitungen eines Börsengangs lassen sich so umgehen. Genauso haben Kudlich und Ensthaler mit ihrem „468 Capital Spac I“ den schnell wachsenden Audioboxen Hersteller Tonies an die Börse gebracht.

Typischerweise werden die Investmentgesellschaften mit 250 Millionen Dollar Marktkapitalisierung gestartet und suchen Zielunternehmen, die eine bis 1,5 Milliarden Dollar schwer sind. 2021 war ein Rekordjahr für Spacs. Weltweit wurden 613 Spacs gestartet, dabei 162 Milliarden Dollar eingesammelt und Spac-Fusionen im Volumen von knapp 600 Milliarden Dollar angekündigt.

Die Aussichten für Anleger waren zuletzt zweifelhaft. Von den letzten 50 Spacs, die an die Börse gegangen sind, notieren 90 Prozent unter ihrem Ausgabepreis, und von den Spacs, die bereits eine Fusion mit einem Zielunternehmen angekündigt haben, notieren zwei Drittel unter Ausgabepreis. Da Spac-Aktien europäischer Mantelgesellschaften meist für zehn Euro ausgegeben werden, ist die Entwicklung gut vergleichbar.

Investoren werden wählerischer

So notiert der Online-Sporthändler Signa Sports United nur noch bei 8,46 Euro, Ferienhausvermittler Hometogo bei 6,62 Euro und auch der Audioboxen-Hersteller Tonies, der mit dem ersten 468 Spac fusioniert hatte, notierte am Mittwoch nurmehr bei 9,35 Euro.
Nun können in Frankfurt die Aktien des zweiten 468 Capital Spac II gehandelt werden.

Investoren sind wählerisch geworden: „Für hochkarätige ausgewählte Sponsoren sehen wir weiterhin eine solide Nachfrage nach Spac-IPOs“, sagt Stephane Gruffat, Co-Leiter Equity Capital Markets bei der Deutschen Bank. „Da die meisten Spacs auf Wachstumsunternehmen und Technologie ausgerichtet sind und diese Segmente gerade erhöhte Volatilität erleben, müssen neue Projekte besonders fundiert vorbereitet werden“, sagt auch Stefan Weiner, Head of Equity Capital Market für Nordeuropa bei JP Morgan.

Kudlich und seine Berater sehen in den schwankenden Kursen hingegen eine Chance. „Angesichts der Marktkorrekturen im Tech-Bereich ist es wahrscheinlich, dass ein Übernahmeziel zu einer attraktiveren Bewertung gekauft werden kann“, sagt Berenberg-Kapitalmarktbanker Bastian Schiedat. Bis zum Zeitpunkt einer Fusion habe sich der Markt zudem möglicherweise wieder erholt.

Hinzu kommt, dass Spac-Investoren ein Aktien-Rückgaberecht haben, wenn ihnen das Übernahmeziel nicht gefällt. „Somit birgt ein Spac-Investment im Tech-Bereich aktuell viel Potenzial nach oben, während der Investor nach unten durch die Spac-Stuktur durch sein Wahlrecht zum Ende des Prozesses abgesichert ist“, sagt Schiedat.

Während 468 II zu fast den gleichen Konditionen an den Markt gegangen ist wie Vorgänger 468 I, müssen andere Spacs den Investoren bei den Konditionen stark entgegenkommen. So etwa beim Heizungs-Start-Up Tado, das einen Spac-Deal mit dem GFJ Vehikel von Ex-Klöckner-Chef Gisbert Rühl vereinbart hat und derzeit Pipe-Investoren zu gewinnen versucht.

Grundsätzlich nennen Experten folgende Kriterien für den Erfolg von Spac-Börsengängen. Mehr als bei konventionellen Investments entscheidet das Vertrauen in die handelnden Personen.

Bei den Spac-Börsengängen europäischer Firmen zeigt sich, welche Faktoren Erfolg versprechen.

Die Menschen hinter dem Spac (Spac-Sponsoren)

Erfolgreiche Spacs hätten meist ein „Top-Management, das neben Kapitalmarkterfahrung bestimmte Branchen gut kennt und Zugang zu interessanten Unternehmen hat“, sagt Philipp Schlüter, Partner und M&A-Experte beim Finanzdienstleister Cowen. Das hilft aber nur bedingt, wenn der Spac-Sponsor seine Stammbranche verlässt: Jeffrey D. Warshaw beispielsweise hat als US-Medienunternehmer und -manager viel Erfahrung. Sein Einstieg bei Wejos, einem britischen Anbieter von vernetzten Fahrzeugdaten, läuft es für ihn bisher nicht gut.

Klare Zukunftsaussichten

Wichtig sind die Verständlichkeit und der Glaube an die Zukunft des Geschäftsmodells. „Können die Spac-Manager und Unternehmer des Zielunternehmens ihre Unternehmensstrategie den Investoren gut vermitteln, steigt meist der Kurs“, sagt Schlüter.
Das Problem: Bei vielen Spac-Zielgesellschaften basiert das Geschäftsmodell allein auf einer Zukunftsvision. Ein Beispiel: Flugtaxi-Anbieter Lilium. Noch ist unklar, ob der Jet der Firma jemals fliegen und das Geld bis dahin reichen wird. Alles hängt an einem Produkt und einer Technologie, das Risiko ist entsprechend groß. Die Aktie notiert derzeit nur bei gut sechs Dollar.

Im Vorteil sind Firmen, die schon vor dem Spac profitabel gewirtschaftet haben oder erkennbar auf dem Weg dorthin sind. Wichtig sei die „klare Prognose, dass die Firma nach der Spac-Fusion nicht mehr zwingend weiteres Geld vom Markt benötigt“, sagt Alexander Kudlich.

Signalwirkung der PIPE-Investoren

Sobald ein Spac seine Zielgesellschaft gefunden hat, können die Sponsoren erneut auf Investorensuche gehen, um gegebenenfalls notwendiges zusätzliches Kapital einzuwerben. Wer sich mit Technologie-Investments auskennt, kann viel daran ablesen, wer die sogenannte PIPE-Finanzierung (Private Investment in Public Equity) stellt. Wenn hier die Adressen der Geldgeber stimmen, ist das auch ein Signal an andere Investoren.

Der Einstieg von Amazon-Investor Baillie Gifford im vergangenen Jahr bei Tonies war ein Qualitätssignal, die „Family & Friends“-Investoren im Fall des deutschen Lakestar-Spac und seiner Firma Hometogo nicht so sehr.

Erfahrung: Ein Spac zählt mehr als fünf normale Übernahmen

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„Sponsoren, die schon bewiesen haben, dass sie erfolgreich einen Spac starten und die Fusion mit einer Zielgesellschaft umsetzen können, haben einen klaren Vorteil, sagt Stephane Gruffat, Co-Leiter des Bereichs Equity Capital Markets bei der Deutschen Bank, mit Blick auf die Investorensuche.

Bei Kudlich und seinem Team wissen die Investoren bereits genau, worauf sie sich einlassen. Es sind zu 80 Prozent dieselben wie beim ersten Deal, wenn man sich den Zeitraum zwischen Spac-Börsengang und Fusion anschaut.

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