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Ahmed Karsli Alles begann an der Playstation – nun strebt dieser türkische Selfmade-Gründer nach Europa

Die Internetbank Papara ist ein Beleg für die lebhafte Start-up-Szene in der Türkei. Ahmed Karsli kommt ohne Investoren aus – und könnte nun eine wichtige Marktlücke schließen.
20.06.2021 - 18:00 Uhr Kommentieren
Der Papara-Chef hat sein erstes Start-up gegründet, als er 17 war – und danach noch fünf weitere. Quelle: Pressefoto
Ahmed Karsli

Der Papara-Chef hat sein erstes Start-up gegründet, als er 17 war – und danach noch fünf weitere.

(Foto: Pressefoto)

Istanbul Ahmed Karsli ist kein typischer Jungunternehmer. Er hat keine klassische Start-up-Story vorbereitet, und er hält nichts davon, dauernd über die Bewertung seines Unternehmens zu sprechen. Aus einem einfachen Grund: „Ich weiß nicht, ob wir nicht schon längst ein Einhorn sind“, erklärt er im Gespräch mit dem Handelsblatt, „Für eine solche Bewertung braucht man externe Investoren – und ich komme komplett ohne Geld von außen aus.“

Der Gründer der türkischen Internetbank Papara hat nichtsdestotrotz große Pläne. Innerhalb von fünf Jahren hat er 13 Millionen Kunden allein in der Türkei gewinnen können. Jetzt strebt er nach Europa. „Wir haben bereits eine Lizenz in Litauen erhalten.“ Danach soll die Expansion nach Deutschland, in die Schweiz und nach Frankreich folgen. Seine Zielgruppe in diesen Ländern: die türkische Diaspora.

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation in der Türkei entwickelt sich, im Schatten der autoritären Politik Ankaras, der Inflation und der Pandemie, ein aussichtsreiches Start-up-Ökosystem. In der Türkei, einem Land mit etwas mehr Einwohnern als Deutschland, wurden 2020 laut der Plattform Magnitt 383 Millionen Dollar Wagniskapital investiert. In Deutschland waren es laut „Start-up-Barometer“ von Ernst & Young umgerechnet 6,35 Milliarden Dollar.

Viel Aufmerksamkeit erregte daher im vergangenen Jahr der Verkauf der Istanbuler Spielefirma Peak Games für 1,8 Milliarden Dollar an die US-Firma Zynga. Dem deutschen Investor Earlybird brachte er eine Rekordrendite ein. Das türkische E-Commerce-Start-up Trendyol will eine Milliarde US-Dollar einsammeln, um nach Europa zu expandieren – und das, während die türkische Regierung große Probleme hat, überhaupt Investoren ins Land zu locken.

Dabei fällt auf: Internationale Größen wie Amazon, Ebay oder die Online-Schuh- und -Möbelhändler von Rocket Internet setzen sich nicht durch. Das gelte für alle Plattformen, die Mitarbeiter vor Ort brauchen, sagt Earlybird-Partner Cem Sertoglu. Die Markteroberung scheint schwierig, und mit der schwachen Inlandswährung sinken die Margen für ausländische Unternehmer.

Die Gründung: Von Playstation zu Papara

Für heimische Gründer wie Ahmed Karsli ist das ein Vorteil. Sein erstes Start-up hat er mit 17 Jahren gegründet, danach noch fünf weitere. „Drei sind bankrottgegangen“, sagt er. Eines der Unternehmen gründete er aus einer Not heraus: Karsli war als Jugendlicher großer Playstation-Fan und füllte regelmäßig sein Benutzerkonto mit Geld, um neue Spiele zu kaufen. Doch seine lokale Bank habe das verweigert, schließlich erhielt er einen Anruf von der Betrugsabteilung der Bank.

„Ich hatte keine Ahnung von Fintech, aber ich wollte etwas daran ändern“, erklärt der gelernte Jurist. Er gründete ein Start-up, mit dem Nutzer ihr Playstation-Konto verwalten können – und verdiente damit rund zwei Millionen US-Dollar.

Dann kam ihm vor fünf Jahren die Idee, eine türkische Internetbank aufzubauen. In der Türkei haben ein Drittel der Erwachsenen kein Bankkonto, aber fast jeder ein Smartphone. Karsli war es wichtig, schnell zu sein, bevor jemand anderes seine Idee umsetzt. Er hätte das auch in einem anderen Land versuchen können, glaubt er. „Aber die Zeit war reif, in der Türkei ein solches Start-up hochzuziehen.“

Als die ersten Erlöse kamen, reinvestierte er nach eigenen Angaben fast alles in die Weiterentwicklung der App. „Bootstrap“ wird das im Jargon genannt, wenn ein junges Unternehmen ohne finanzielle Hilfe von außen wächst. Mit Erfolg: Inzwischen hat die Firma 300 Mitarbeiter. Karsli rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatz von 250 Millionen US-Dollar.

In der Türkei herrscht eine spannende Gründermentalität

Gleich mehrere Gründe machen die Türkei für Start-up-Investoren attraktiv: So gibt es etwa viele gut ausgebildete Ingenieure, aber nur wenige Jobs mit stabilen Einkommen. Es herrscht daher eine Gründermentalität und der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen, womit man Geld verdienen kann. Im Land gibt es 2,5 Millionen kleine und mittelständische Unternehmen, etwa so viele wie in Deutschland.

Der zweite Grund: Die junge, digitalaffine Bevölkerung, die per Smartphone einkauft und bezahlt. „Die Türkei ist eine große Quelle für erschwingliche Talente und deshalb ideal geeignet, um neue Produkte auszuprobieren“, sagt Ali Karabey, Gründer des türkischen Wagniskapitalgebers 212.

Trotz der verhältnismäßig geringen Zahl an Bankkonten hat die Türkei mit 200 Millionen Kreditkarten auf 83 Millionen Einwohnern eine der höchsten Dichten in Europa. Das birgt viel Potenzial für Apps, die schnell wachsen können und deren Geschäftsmodell einfach skaliert.

Viele große Handelsketten in der Türkei bieten mittlerweile die Zahlung via Papara-App an. Quelle: Pressefoto
Internetbank Papara

Viele große Handelsketten in der Türkei bieten mittlerweile die Zahlung via Papara-App an.

(Foto: Pressefoto)

Die Papara-App ist, wie bei der Konkurrenz, denkbar einfach aufgebaut. Eine Überweisung innerhalb der App ist auch möglich, wenn man nur die Handynummer oder den Namen des Begünstigten kennt. Viele große Handelsketten im Land bieten die Zahlung via Papara-App an. Inzwischen gibt das Unternehmen auch echte Kreditkarten aus, um Zahlungsvorgänge direkt über das Papara-Konto abzuwickeln.

Belastend wirkt hingegen die regulatorische Ebene. Der Fintech-Sektor sei in der Türkei sehr stark reguliert, sagt Karsli, nicht zuletzt wegen eines mutmaßlichen Betrugsfalls mit Kryptowährungen im April. Noch weigere sich die Zentralbank, ein Konto bei Papara direkt mit einem Konto bei einer konventionellen Hausbank zu verknüpfen. „Wir arbeiten daran.“

Außerdem sei es in der Türkei nicht erlaubt, Cloud-Services ausländischer Anbieter einzusetzen. Im Klartext: Wer in der Türkei Kundendaten sammelt, muss diese auch dort digital aufbewahren. „Ausländische Fintechs haben es hier deshalb schwer“, meint Karsli.

So hat etwa der Bezahlanbieter Paypal das Land vor zwei Jahren verlassen. Das Unternehmen konnte sich mit den lokalen Behörden nicht darauf einigen, die Kundendaten außerhalb des Landes aufzubewahren. „Sie konnten einfach nicht mit der lokalen Regulierung mithalten“, vermutet Karsli.

Papara setzt auf den Standortvorteil zwischen Ost und West

Interessanterweise haben sich danach mehrere lokale Anbieter entwickelt, die die durch Paypals Abgang entstandene Lücke sofort schließen konnten. Einer dieser Anbieter ist Iyzico, das beinahe ohne Konkurrenz den türkischen Markt erobern konnte. Das Unternehmen, das vom Deutsch-Türken Barbaros Özbugutu aufgebaut wurde, ist 2020 für 165 Millionen US-Dollar verkauft worden.

Inzwischen hat der selbst ernannte Fintech-Anfänger Karsli vieles gelernt. Im Finanzsektor gebe es je nach Kontinent verschiedene Trends, erklärt er. So seien Bezahlungen mit einem QR-Code im Westen eher unbeliebt, in China jedoch gang und gäbe. „Die Türkei liegt genau zwischen Ost und West, deshalb weiß man hier nie, welcher Trend sich durchsetzt.“ Inzwischen verarbeite Papara rund 500.000 QR-Bezahlvorgänge pro Monat.

Karsli sieht sich inzwischen gut gerüstet für die Expansion nach Europa. Er kennt sich mit schwieriger Regulierung aus und zeigt sich flexibel bei globalen Trends. Nur mit europäischen Investoren hat er noch nicht viele Berührungspunkte gehabt. Doch womöglich braucht er die auch gar nicht.

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