IBM: Konzernchef meldet Zweifel an Trumps „America First“-Politik an
San Francisco. Dank einer robusten Nachfrage im margenstarken Software-Geschäft hat IBM erneut ein überraschend starkes Quartalsergebnis vorgelegt. Außerdem zeigte sich der IT-Konzern am Mittwoch mit einem optimistischen Ausblick und dämpfte damit die Sorgen vor den wirtschaftlichen Folgen der erratischen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump.
Schlechter entwickelten sich jedoch die beiden anderen Hauptgeschäftsbereiche: Da sich die Kunden zurückhielten, sank der Umsatz des Beratungsgeschäfts um zwei Prozent, der des Infrastrukturgeschäfts sogar um sechs Prozent.
Vorstandschef Arvind Krishna erklärte anlässlich der Vorstellung der Zahlen, er fürchte, dass die „America-First“-Politik von Präsident Trump US-Unternehmen international schaden könnte. „Wenn sich die Wahrnehmung durchsetzt, dass amerikanische Unternehmen nur machen, was für das Land Amerika gut ist, wird das ein Problem auslösen“, sagte Krishna dem Wirtschaftssender CNBC. Noch sehe IBM in den Daten aber keine Anzeichen dafür, schränkte er ein.
IBM: Auftragsbestand bei KI legt deutlich zu
Zu möglichen Folgen von Trumps Zoll-Rundumschlag sagte Krishna , zwar sei niemand immun dagegen – aber IBM habe die Lieferketten international optimiert.
Der Umsatz stieg den Angaben zufolge zum Jahresauftakt um währungsbereinigt zwei Prozent auf 14,5 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn lag bei 1,60 Dollar je Aktie. Damit übertraf IBM die Erwartungen der Analysten: Diese hatten mit 14,4 Milliarden Dollar und 1,41 Dollar je Aktie gerechnet. Der Free Cash Flow, der als Indikator für die Dividendenhöhe gilt, erreichte zwei Milliarden Dollar.
„Wir haben die Erwartungen bei Umsatz, Rentabilität und Free Cashflow übertroffen“, sagte Krishna. Gleichzeitig sei der Auftragsbestand rund um Künstliche Intelligenz (KI) um eine Milliarde auf insgesamt sechs Milliarden Dollar angeschwollen.
Die Infrastruktursparte rund um die Mainframe-Großrechner – die traditionelle Stärke von IBM – steht in diesem Jahr vor einem Generationswechsel, was einen Teil der Schwäche erklären kann. Im Juni will IBM seinen Z17 genannten neuen Mainframe-Rechner auf den Markt bringen, der es Unternehmen ermöglichen soll, mehr Rechenoperationen gleichzeitig auszuführen und große Datensätze und KI-Modelle zu verwalten.
Wegen der jüngsten Turbulenzen in der US-Wirtschaftspolitik brach IBM mit der Tradition, auf einen Ausblick für das laufende Quartal zu verzichten. Für die Monate April bis Juni stellte der US-Konzern Erlöse von 16,4 bis 16,75 Milliarden Dollar in Aussicht und übertraf damit die Markterwartung von 16,33 Milliarden Dollar.
Die Aktionäre zeigten sich dennoch nicht überzeugt. IBM-Aktien konnten ihre Gewinne aus dem regulären Handel an der Wall Street nicht verteidigen und verloren nachbörslich knapp sieben Prozent.
Mit Material von Reuters und dpa.