Immobilien: Finanzierungsrunde bei McMakler: Anzeichen für geplanten IPO?
Der CEO und Gründer von McMakler.
Foto: McMaklerDüsseldorf, Frankfurt. Das Berliner Immobilien-Start-up McMakler erhält nach Handelsblatt-Informationen weitere 50 Millionen Euro von Investoren. Die Bewertung der Firma nach dem Investment liegt nun bei 800 Millionen Euro. Insbesondere die Namen der Investoren sind interessant: Wie das Handelsblatt aus Marktkreisen erfuhr, wird die Finanzierungsrunde von Baillie Gifford und Warburg Pincus angeführt.
Das Unternehmen bestätigte die Informationen auf Anfrage: „Wir sind stolz, mit Baillie Gifford einen der weltweit führenden Pre-IPO Investoren mit einzigartiger Expertise im Aufbau von Technologieunternehmen als Partner gewonnen zu haben", erklärte McMakler-Chef Felix Jahn. „Zusammen mit unserem Bestandsinvestor Warburg Pincus, der seine Beteiligung erhöht und damit sein Vertrauen in unser Unternehmen bekräftigt hat, haben wir nun genau die richtigen Partner für die kommenden Jahre an unserer Seite.“
McMakler hat nach Handelsblatt-Informationen im vergangenen Jahr knapp 100 Millionen Euro Netto-Umsatz erwirtschaftet, womit das Unternehmen ungefähr im eigenen Plan liegen dürfte. Es wollte die Zahl auf Anfrage nicht kommentieren. 2020 hatte McMakler nach eigenen Angaben einen Umsatz von 53 Millionen Euro erzielt.
McMakler sagte dem Handelsblatt, dass man mit dem zusätzlichen Kapital das Kerngeschäft in Deutschland ausbauen, verstärkt in die eigene Technologieplattform Immoforce investieren und die führende Position als bekanntestes Maklerunternehmen Deutschlands stärken wolle.
Der Einstieg von Baillie Gifford deutet darauf hin, dass McMakler im Laufe des Jahres 2022 oder Anfang 2023 einen Börsengang plant. Der schottische Fonds ist zum Beispiel für seine Investitionen in die deutschen Unternehmen Scout24 und das Flugtaxi-Unternehmen Lilium bekannt – und als Investor von Tesla. Investitionen kurz vor einem Börsengang sind typisch für die Firma.
McMakler will vom Boom am Immobilienmarkt profitieren
Das 2015 gegründete Start-up hat sich den lukrativen Immobilienmarkt vorgenommen und hofft, vom Immobilienpreisboom profitieren zu können. Denn angesichts der stetig steigenden Wohnungspreise in Deutschland versuchen viele Deutsche, ihre Kosten bei der Suche nach einem neuen Eigenheim zu drücken, indem sie ohne einen traditionellen Makler vorgehen. Zwar nehmen auch Onlineanbieter wie McMakler oder Homeday Geld für ihre Dienste, aber in der Regel deutlich weniger.
McMakler selbst beschäftigt mehr als 400 Immobilienmakler. Sie werden von rund 600 Mitarbeitern in der Zentrale in Berlin unterstützt, in der unter anderem die Analyse- und Vermarktungstechnologie von McMakler entwickelt wird. Dementsprechend sieht Firmenchef Jahn sein Unternehmen auch als Technologieunternehmen, dessen Arbeit vor allem auf der eigenen Technologieplattform basiere.
Diese übernehme die Auswertung unzähliger Daten, etwa zur Ermittlung des Immobilienwerts – und das nach Einschätzung des Start-up-Unternehmers besser als die Konkurrenz. Es sei ein offenes Geheimnis, „dass Makler nicht die Leistungen bieten, die heutzutage gefragt sind“, sagte Jahn einmal im Interview mit dem Handelsblatt.
„Viele traditionelle Makler arbeiten noch auf dem Niveau von 1960, mit Telefon, Fax und allenfalls Mails. Wenn man einen Vergleich heranziehen will: Diese traditionellen Makler sind wie ein Telefon mit Wählscheibe – und wir sind ein iPhone.“ Mittlerweile verkauft und vermietet McMakler als sogenannter Hybridmakler Immobilien in Deutschland, Österreich und Frankreich.
Mehrere Konkurrenten
Doch McMakler ist nicht das einzige Start-up, das den Markt ins Visier genommen hat. Zu den Konkurrenten gehören unter anderem Homeday und Hausgold. Letzterer hatten erst vor wenigen Wochen einen prominenten Investor für sich gewonnen: Der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing stieg zusammen mit Partnern bei Hausgold ein.
Homeday und McMakler hatten zuletzt 2020 Finanzierungsrunden abgeschlossen, damals bekam McMakler umgerechnet 42 Millionen Euro vom US-Finanzinvestor Warburg Pincus Funds zugeschossen, bei Homeday stockten die Investoren Axel Springer und Purplebricks ihren Einsatz um 40 Millionen Euro auf.
McMakler hatte schon damals einen in der Finanzszene prominenten Fürsprecher bei den Investoren gehabt: Ex-Telekomchef René Obermann, aktuell Co-Head Europe und Managing Director bei Warburg Pincus Deutschland, hatte sich bei der US-Gesellschaft für das Start-up starkgemacht. Denn er sei „der festen Überzeugung, dass aus diesem Unternehmen ein innovativer Marktführer werden kann“, wie er dem Handelsblatt sagte.